Zurück zum Content

Porsche 911 Carrera GTS

Vorsicht!

Auch wenn ein Elfer Sache des Herzens ist, es braucht einen klaren Kopf. Denn Stuttgart stellt dir viele Fallen, an deren Ende dann ein 911 Carrera 4 GTS Cabriolet mit PDK auf dich wartet. Und das braucht es überhaupt gar nicht. Weil Komfort ablenkt und die unmittelbare Rückmeldung aus dem Fokus verliert. Wo es doch beim Porschefahren um nichts anderes geht.

Das Unmittelbare.

Direkt und analog schafft es Vertrauen durch Gefühl. Deshalb muss es ein normaler Carrera GTS sein. Mit Hinterradantrieb, handgerissen. Nur so ergibt das fein geschnürte Options-Paket Sinn: die breitere Spur auf ebensolchen Felgen, die Leistungssteigerung, das bedrohliche Schwärzen diverser Anbauteile – denn der 911 GTS findet seinen Zweck in der Freude am schnellen Fahren.

Natürlich stellt sich hier die Frage nach dem GT3. Warum sollte ich mir einen GTS kaufen, wenn sich in der Preisliste bereits ein Werk absoluter Fehlerlosigkeit findet? Vielleicht weil genau diese Perfektion des Über-Elfers abschreckt. Weil Du als Fahrer in der Genauigkeit jeder Einzelheit nicht der Fehler sein willst.

Entscheide Dich!

Für den, der weiß was er kann und – viel wichtiger – was er will, ist der GTS deshalb der ideale 911. Lautstarke 430PS erleichtern die Entscheidung sowieso. Entfacht durch eine neue Resonanzsauganlage, polierte Einlasskanäle und eine neu abgestimmte Schaltung der Durchzugsklappen im Auspuff, sorgt der Dreiachter für große Gefühle.

Die Handschaltung mit den sieben Gängen wurde für den GTS neu konstruiert und nun endlich bedienbar, wie man das von einem Porsche erwartet: perfekt. Knackig kurze Wege und trotzdem klarste Präzision, welche der vier Gassen man denn nun ansteuern muss. Dazu kommt eine Gasannahme, die saftigem Zwischengas-Herunterschalten nicht im Wege steht – zumal im Sport-Modus (Vorsicht vor Sport Plus: Hier gast der Computer zwischen. Das ist unbefriedigend  und sollte deshalb abgeschaltet bleiben).

Auf die Straffung der Dämpfer sollte man ebenso verzichten, gerade auf schlechter Straße bringt es weniger Gewinn, sondern bloß Härte. Vor allem aber ist vom neuen Porsche Dynamic Chassis Control abzuraten. Sicher, ein Verhindern des Abtauchens der Front beim Bremsen und der Seitenneigung beim Kurvengeigen ist nett. Aber: genau dieser Gradmesser ist unersetzbar in der Deutung der maximal erzielbarer Performance. Und sind wir mal ehrlich, auch wenn wir hier von Wanken sprechen, es geht schließlich um einen Porsche 911 und keinen Dacia Duster. Man muss alles im Verhältnis sehen.

Gleiches gilt für die Lenkung. Man stelle sie sich in etwa wie die MP3-Version der alten 997-Hydraulik vor. In den Höhen etwas komprimiert, für die meisten ist aber kein Unterschied zu spüren. Zudem bildet man sich ein, dass die Lenkung im GTS ohnehin etwas schärfer ist, was wohl an einer gewissen Gewöhnung an den 991 liegen kann. Doch außer der Umstellung von 8.5J auf 9J an der Vorderachse im Vergleich zu den Standard-Carreras wurde nichts geändert.

Nicht schnell machen. Schnell sein!

Vielleicht zeugt gerade diese Verklärung davon, wie gut das Kürzel GTS am 991 funktioniert, wenn man ihm mit der richtigen Einstellung gegenübertritt und die richtigen Optionen gewählt (oder besser: weggelassen) hat. Natürlich machen Allradantrieb, vollvariable Sperrmomente, aktiver Wankausgleich, automatisches Zwischengas und zugkraftunterbrechungsfreie Schalterei schnell. Aber sie machen schnell. Von vornherein schnell sein; zu wissen, dass es an einem selbst liegt, der die Kurve am Rande der Haftung balancierend perfekt ausgemalt hat – erst das gibt tiefe Zufriedenheit.

Und all die, für die diese Zufriedenheit die wahre Freude am Fahren bedeutet, die müssen sich beeilen. Denn der 911 Carrera GTS könnte der letzte Elfer mit Saugmotor sein. Die Zukunft gehört dem Turbolader. Und auch wenn die Verantwortlichen beteuern, dass sich das so fahre, wie man das von einem Porsche erwarte, so bleibt die Gewissheit:

Das Unmittelbare wird mit der Aufladung verloren gehen.

Text: fm/Bilder: fm

6s Kommentare

  1. Der Autor dieses Textes als einsamer Rufer in der Wüste.

    Dass sich bisher kein einziger Leser zu dieser herrlich puristischen radical Vorführung gemeldet hat, unterstützt in etwa meine Vorstellung, dass auf diesem Portal nicht mehr die ernsthaften Mitdenker ihre Meinungen kundtun. Liegt es daran, dass die Ernsthaften hier nicht mehr erscheinen soll- oder dass es schlichtwegs keine ernsthaften Zapper mehr gibt?

    Dass Porsche in ihrer Not längst schon Leihmütter sucht, die am laufenden Band nur noch Markenpuristen gebären sollen, ist aber nicht wahr. Sie wollen diese Gattung Männer gar nicht mehr- den ellenlangen Aufpreislisten zuliebe, auf dass der Gewinn sich mit Bestand erhöht. Dass auf diesen Optionenlisten vor jeder käuflichen Dümmlichkeit noch das Wort „Sport“ auftaucht, verrät uns über die Zuffenhausener, dass bei ihnen die abersportliche Augenwischerei nur noch dem grossen Geldverdienen dient.

    Andererseits kennt P. aus Zuff. wohl ihre Kundschaft gut genug: Nur das Teuerste ist ihren Käufern gut genug, damit der Bluff der Kunden mit Luxus und Ansehen auf der Strasse auch wirklich funktioniert. Also passt sich diese Marke nur ihrer getreuen Kundschaft an- und das, an und für sich, ist doch genial.

    Mit welchen Fragen aber radical die vielen Zapper noch mit Erfolg aufrütteln will: Welches Auto ist das Dümmste auf der Welt? Bisher als Umfrage, sprich im Forum, noch nicht aufgetaucht : Welchen Scheiss kaufen Sie sich denn als Zapper selbst?

  2. Stillschweigen. Kein Zapper rührt sich. Also doch.

    Also nochmals zurück zu den Porschefritzen.
    Porsche ist die falsche Marke, wenn es um Purismus geht.
    Trotz dem Seufzen und Stöhnen der Anhängerschaft: Von Zuffenhausen wird es nie wieder einen echt erleichterten, puristischen Sportwagen mehr geben. In diese Bresche sind längst andere, kleine Hersteller gesprungen, die sich aber erst noch bei den verblendeten Jungmannschaft noch Gehör verschaffen müssen. Und ich zweifle aber, ob dadurch die vielen Porscheschwärmer dem Quotenhersteller ihr Liebe kündigen werden. Porsche hat ihre Anhänger über die Jahre willentlich genau so erzogen: Der Prestigegedanke, der bei den Zuffenhausener winkt, kennt nun jeder deutschsprachige Jüngling ab 4 Jahren- also knapp nach der Schnullerzeit. Da können noch so verwegene Autoren noch so schöne Aufsätze schreiben, wo sie für den Ursprung des echten Fahrens plädieren. Ein Zurück zu den Wurzeln ist bei den Deutschen ausgeschlossen.

    Trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob der verwegene Autor auch wirklich jenen Zweitplatzierten GTS 911er kaufen würde. Vielleicht wollen schon- doch die Entbehrungen im Alltag danach, das Sparen und das abermalige Sparen beim Frass und sonstigen elitären Ansprüchen- bis man sich endlich gebraucht einen GTS leisten kann, das ist aber wiederum eine andere Sache. Also schön schreiben und parlieren schon- aber entscheiden müssen lieber nicht. Also ich kann mich nicht erwehren: Das sind für mich schreibende Feiglinge, die uns mit ihren Grosstaten verführen wollen, die sie selber nie und nimmer erwerben wollenkönnen.

    Nur Probefahren über ein paar Stunden, ganz allein und unbeobachtet zu sein in einem fremden, nigelnagelneuen GTS. Auf dass man die ganz persönliche Sau rauslassen kann, mit hundertprozent Quälerei im Antriebsstrang- ohne dabei einen Kilometer selber berappen zu müssen, ohne für Schäden gerade stehen zu müssen, ohne die blankgefahrenen Pneus ersetzen zu wollen. Ohne eigene, aberteure Serviceleistung aus dem eigenen Sack, ohne finalen und hochanständigen Säuberungsakt danach sich einfach aus dem Staub machen- und nachher Märchen erzählen, am Liebsten eins nach dem anderen. Um damit Kennertum und Purismus zu markieren. Meine lieben Freunde, ich weiss jetzt halt nicht, ob Sie darüber nachdenken wollenkönnen. Oder ob bei Ihnen blöderweise die letzte Servicerechung von Ihrem alten Golf noch unbezahlt in Ihrer Haushaltskasse liegt.

  3. Ha- ich weiss, warum sich da keiner meldet. Der radical Artikel mit dem Porsche GTS war nämlich für die Sau. Weil jeder Zapper doch nur die Artikel von den superteuren und prestigeträchtigen Porsches lesen wollen. Je teurer, desto besser. Auch wenn der GTS plötzlich nur noch der halbe Preis kosten würde, nieundnimmer, captio?. Herrgott, bitte keine miesen Zeilen mehr von den Zweitbesten- in der Irre des Nets geht das längst nicht mehr.

  4. Stille- wiederum.
    Ich denke das Ganze jetzt gründlich fertig, damit auch ich Ruhe geben kann.

    Es sind also selber Träumer und Besserwisser, die uns in diesen Portalen das abergrosse Glück vom richtigen Auto versprechen. Darum bin ich auf der Hut- auch miese Markenfetischisten unter den Autoren toben sich aus im Net. Das Gelabbere vom Grössten und Teuersten, das Nacheifern in der grossen Masse, wo sich eh kein wirklich interessierter Käufer mehr umblicken will. Eher kaufen sie das Zeugs einfach so, aus dem Handgelenk. Check hier, Auto da. Weil er es auch vermag und gar nichts richtig davon wissen will- und basta. In dieser abgehobenen Sphäre der Reichen geht eh alles anders: Willfähriger Unterwurf des Autoverkäufers hier, gratis Events auf Lebenszeit vom Autohersteller da. Am besten Auto ist eh doch der grösste Preis- wer will das ihnen verwehren, dass man sich da gar nicht mehr täuschen kann? Also distanziere ich mich jetzt in dieser Sache: Ich träume nämlich nicht, ich fahre nämlich meinen Traum. Sonst noch was? Ah klar- aber kein solcher, wie Sie vermuten. Alles Gute, liebe Freunde. Bis bald. Wieder.

    • Admin Admin

      Noch eins, werter Herr Pfäffli, der Schreiber/Zapper/Träumer/Laberer fährt auch seinen Traum, er würde sogar seine Träume fahren, kann aber nur immer in einem gleichzeitig sitzen. Aber die Garage ist schön. Und groß. Und es würde ihm nichts fehlen, wenn ihm die gratis Events auf Lebenszeit genommen würden.

      Denn eines sollten sie sich bei radical gewiss sein: hier wird nicht gelabert, meist wissen wir sehr genau wovon wir da sprechen. Wir dachten natürlich, dass das Menschen wie ihnen, treuen Lesern und sogar welchen mit der Zeit liebevolle Kommentare zu verfassen, klar ist – doch scheint dem ja nicht immer so zu sein.

      Deshalb: wir werden noch gründlicher mit den Besprechungen, dass auch sie in Frieden lesen können.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.