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Sayonara

Schön war’s

Der Dezember ist der Monat der Jahresrückblicke. Die wichtigsten Momente des Jahres werden uns auf allen Sendern um die Ohren gehauen. Und auch das Autojahr hatte so einiges zu bieten. Allein das Diesel-Inferno welches über VW hereingebrochen ist, würde diese Seiten locker füllen. Aber, an dieser Stelle möchte ich auf 28 Jahre zurückblicken. So lange tummle ich mich schon im Journalismus, egal ob auf zwei, drei, vier oder sechs Rädern. Ich hatte schon einen Airbus A320 am Haken, bekam in einem algerischen Wüstenhotel ein Fondue serviert oder ass mich durch die japanische Hauptstadt. Ende des Jahres aber ist, Ende. Ich ziehe mich zurück. Mache was ganz anderes. Dies ist also einer meiner letzten Geschichten für radical. Und ja, das mit dem lachenden und weinenden Auge stimmt schon. Es wird nicht leicht, das alles hinter mir zu lassen, aber das ist mein Problem.

An dieser Stelle möchte ich mich vor allem Bedanken. Bei allen jenen, die meine Zeilen Beachtung geschenkt haben. Natürlich zuletzt hier bei radical. Aber früher, als Internet noch so verbreitet war wie McDonalds in Frankreich, auch bei den Lesern der Printmedien. Der grösste Dank geht an einen, der nicht mehr viele kennen werden. Klaus «Fifi» Fischer, Mitbegründer von Moto Sport Schweiz. Er gab mir die Chance in diese Szene einzusteigen. Ohne Fifi seelig hättet ihr mein Zeugs nie lesen müssen. Und auch an all meine anderen Chefs (nein, nicht ganz allen), die mich gewähren liessen. Es hat immer Spass gemacht im PS-Club, auch wenns ab und zu mal grenzwertig zu und her ging. Nein, ich werde an dieser Stelle keine Details verraten, aber wenn ein Aussendienstler dem Verlagsleiter einen Zungenkuss aufdrückt… Manche Bilder bringt man nie mehr aus dem Kopf…

Dieser Job hat mich in den letzten fast drei Jahrzehnten an zahllose wunderschöne Orte gebracht, ich hab die tollsten, schnellsten, geilsten und verrücktesten Autos, Motorräder, Quads, Lastwagen und sonstige Ungetüme bewegt. Und dafür sogar noch Geld bekommen. Jaja, seid ihr nur neidisch, mir egal. Aber es soll euch gesagt sein, das Ganze ist auch mit Arbeit verbunden. Zumindest bei denen, die ihren Job ernst nehmen. Und, das ist mit ein Grund dass ich aufhöre, von denen gibt es immer weniger. Und, es gibt im Gegenzug auch immer weniger Leser, die es genau wissen wollen. Und vor allem: es gibt immer weniger Verlage, die aus Angst um die Existenz auch mal kritische Zeilen zulassen. Eine Entwicklung, die derzeit nicht aufhaltbar scheint. Und drum habe ich keine Alternative gesehen, als mich neu zu orientieren.

Und ja, ich weiss es, er mag das gar nicht lesen. Aber, ein ganz besonderer Dank geht an Peter Ruch, Mister radical-mag.com. Er hat mir die wohl schönsten Jahre meiner journalistischen Tätigkeit beschert. Wir sind durch so manches Tief gegangen, daraus entstanen so geniale Sachen wie radical14. Unvergessen, wie das kleine Dort Höchstetten unter den Tausenden von PS erzitterte.

Man sagt ja, dass man sich im Leben immer zwei Mal sieht. Ich weiss nicht, ob es soweit kommt, aber ich werde sehr viele Menschen in wunderbarer Erinnerung behalten. Einige andere können mir allerdings auch so was von am Arsch lecken. Fehlen werden mir alle, die wirklich Benzin im Blut haben und nicht nur ein App fehlerfrei bedienen können, fehlen werden mir vor allem aber die zahlreichen Freunde, die im Laufe der Jahre mein Leben bereichert haben. Und ich freue mich, dass es bei einigen Importeuren nun entspannter zugehen wird, da der ewige Nörgler weg ist. Aber: freut euch nicht zu früh. Und das ist die eigentlich Message hinter meinem Blabla: radical geht weiter, ohne mich aber mit nicht weniger Elan. Also, bleibt Peter Ruch (und vielleicht auch noch ein bisschen mir) als Leser treu. Das wäre für mich mein schönstes Abschiedsgeschenk.

Sayonara

4s Kommentare

  1. peter peter

    nimmt mich wunder, wie und ob das geht.

  2. […] wird sich bei «radical» ändern? Leider ist Markus Chalilow nicht mehr mit von der Partie, wobei wir schon die Hoffnung haben, auch in Zukunft hin und wieder […]

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