Zurück zum Content

Seat Ibiza Cupra

Lange Nase

So ein Seat Ibiza Cupra ist ja im Grunde nichts anderes als ein VW Polo GTI. Aber, es gibt doch deutliche Unterschiede, allen voran beim Preis. Wo zeigt der Spanier dem Deutschen sonst noch die lange Nase?

Lassen wir erst Zahlen sprechen. Den Seat Ibiza Cupra gibt es ab 23’950 Franken. Den VW Polo GTI bekommt man für mindestens 24’700 Franken. Keine grosse Differenz auf den ersten Blick, doch die Aufpreislisten haben es wie immer in sich. Der Spanier ist trotz gleicher Leistung, gleichem Antrieb und fast identischer Ausstattung dann doch deutlich günstiger als der Kraftzwerg aus Wolfsburg. Was also spricht für den Seat? Denn in Sachen Leistung (192) PS sind die beiden ja gleichauf. Nur beim Getriebe nicht, dort hat man bei bSeat nur das manuelle  Sechsganggetriebe, kein DSG. Gar nicht schlimm! Und auch beim Fahrwerk geben sich die beiden nichts. Vielleicht mag die Optik des Spaniers so einige vom rechten Weg (also, dem Wolfsburg-Weg) abbringen. Der Seat wirkt einfach dynamischer, die Front vor allem viel frecher. Der Spanier wirkt einfach heissblütiger als der coole Deutsche. Ein in dieser Fahrzeugklasse nicht zu unterschätzender Faktor.

Doch steigen wir erst mal ein und Fahren eine Runde. Und tatsächlich, man hat das Gefühl in einem Polo GTI zu sitzen. Also nicht wegen der Optik im Innenraum, aber vom Fahrverhalten her. Auch der Seat hat die verstellbaren Stossdämpfer, die Pseudo-Differenzialsperre XDS, welches einfach das durchdrehende Rad abbremst, und Leistung satt. Das Fahrgefühl ist dank den nun grösseren Motor (1,8 Liter statt 1400er) wie beim Polo deutlich souveräner, es passt einfach. Wie gesagt, eigentlich könnten wir an dieser Stelle auf den Fahrbericht des Polo GTI verweisen und hier Schluss machen. Aber, da sind uns noch ein paar andere Sachen aufgefallen.

Ein kleines Detail zum Beispiel, dass man auf all den Bildern nicht erkennt (da haben die Photoshop-Spezialisten ganze Arbeit geleistet). Am Heck des Seat gibts ein mächtiges, mittig verlegtes Auspuffendrohr. Sieht ganz schön schick aus bin man etwas genauer hinsieht. Da entdeckt man, dass zwei kümmliche Abgasendröhrchen in dieses Teil münden. Im Format eines Hot-Dog-Würstchens. Peinlich! Aber irgendwo muss offenbar gespart werden. Wenn man die schönen Alus, die freche Front und die Fahrleistungen betrachtet geht so etwas irgendwie: gar nicht!

Ja, die Fahrleistungen. 0-100 km/h in 6,7 Sekunden und ein Topspeed von 235 km/h, das ist aller Ehren wert. Damit ist er mit dem Polo gleichauf, war ja auch nicht anders zu erwarten. Trotzdem fühlt sich der Spanier im direkten Vergleich etwas spritziger an. Eine genaue Erklärung dafür können wir aber nicht liefern, vielleicht lags an der eigenen Tagesform.

Wieso sollte man sich also den etwas billigeren Seat kaufen statt des festen Werts, dem Polo GTI. Vielleicht, weil die Spanier insbesondere im Innenraum grosse Fortschritte in Sachen Materialwahl und Verarbeitung gemacht haben. Klar ist man noch nicht auf der Höhe von Volkswagen, aber der Unterschied wird immer kleiner.  Das gilt auch für die ganze Unterhaltungselektronik, auch dort ist man dem Mutterhaus dicht auf den Fersen.

Und, der Seat macht richtig Spass. Wer den kleinen Spanier fliegen lässt ist begeistert von der Agilität und dem auch gröbere Fehler verziehenden Fahrwerk. Klar, für die richtig scharfe Hatz dürfte die Federung trotz Sport-Stufe noch etwas derber sein und so die Seitenneigung der Karosserie etwas deutlicher verringern. Für das Fahren auf der öffentlich Strasse aber finden wir das Setup sehr gut. Das gilt auch für das Getriebe. Vor allem die manuelle Schaltung mit den hervorragend passenden Anschlüssen hat uns gefallen. Genauso wie die Tatsache, dass der 1800er-Motor einfach ein wunderbares, lineares Drehmoment hat. Der dritte Gang reicht eigentlich für alle Lebenslagen. Aber wie erwähnt, dass alles kann der VW auch. Es ist also wohl schlicht eine Frage des persönlichen Geschmacks, welchen der beiden Polo’s man fahren möchte. Wunderbare Kompaktsportler sind beide. Im Vergleich mit der Konkurrenz wie einem Fiesta ST oder einem Peugeot 208 GTi müssen sich beide nicht verstecken. Schon gar nicht, und das ist doch erstaunlich – beim Preis. Denn der Ford kostet mindestens 25’700 Franken, den Peugeot gibt es ab 29’000 Franken. Es ist lange her, dass der VW-Konzern zu den günstigen Anbietern gehörte, wir sind erstaunt.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.