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Skoda Superb

Passat? Nie gehört.

Die Marke Skoda hat sich schon enorm gemacht. Als ich mich für Autos zu interessieren begann, waren diese Ost-Kutschen so ziemlich das letzte, was man im Auto-Quartett haben wollte. Der Charme einer Sardinenbüchse, null Leistung dafür saufen wie ein Kosake. Irgendwann gabs dann immer was Lustiges, der Favorit mit Pritsche, heute schon fast so kultig wie der Caddy mit Ladefläche. Ja, dann stieg VW gross ein bei den Tschechen, baute ein neues Werk auf, dass jahrelang als modernste Automobilfabrik Europas galt. Aber, VW hielt Skoda an der kurzen Leine. Lange mussten man in Mlada Boleslav darauf warten, endlich ein DSG-Getriebe flächendeckend verbauen zu können. Auch andere Innovationen aus dem Mutterhaus hatten eine Art Sperrfrist, auch wenn das VW immer abgestritten hat. Doch, VW hat erkannt, dass man mit Skoda richtig Geld verdienen kann. Spätestens seit dem Octavia, der 1996 auf den Markt kam, war klar: die Marke hat riesiges Potenzial. Und der neuen Skoda Superb zeigt das eindrucksvoll.

Mittlerweile gibt es nahezu keine Sperrfristen mehr, Skoda bekommt fast alle Innovationen sofort zur Verfügung gestellt. Klar, so profitieren die Tschechen enorm vom Mutterhaus. Aber, sie machen auch etwas daraus. Und, wie und ein Händler einmal sagt: Wenn du einen richtig guten VW willst, kauf dir einen Skoda. Und genau diese Rolle übernehmen die Tschechen jetzt. Skoda ist preislich und von Image her jetzt ein VW, während die Muttermarke immer mehr in Richtung Premium abdriftet. Besonders auffällig ist dies beim wohl meistunterschätzten Konzernmodell, dem Superb. Denn der bietet zwar jede Menge Luxus, aber er drückt einem dieses Premium-Gedöns nicht aufs Auge. Innen wie aussen passt alles, fühlt sich fein an und trotzdem wird man in einen Superb ohne zu zögern noch einen nassen Hund einladen. Beim neuen Passat wird der Vierbeiner dagegen wohl neben dem Auto hergehen müssen, schliesslich hat sein Besitzer bis zu 75’000 Franken für den «Volkswagen» ausgegeben.

Doch kommen wir zu unseren beiden Testwagen. Eine Limousine mit 190 PS aus einem Zweiliter-Diesel und ein Kombi mit dem mächtigen 280-PS-Benziner, beide mit 4×4. Klar, die Limousine hat bei uns einen schwereren Stand, obwohl sie dank der riesigen Heckklappe durchaus auch praktische Qualitäten hat. Aber der Kombi, der ist halt eine Macht. Gefühlt passt dort eine komplette Rugby-Mannschaft rein und die hat noch Platz, um auf dem i-Pad das letzte Spiel zu analysieren. Der riesige Radstand sorgt dafür, dass die Passagiere im Fond eine gewaltife Beinfeiheit geniessen. Und, so viel sei gesagt: beim sitzkomfort und der Verarbeitung muss sich Skoda auf gar keinen Fall vor VW verstecken. Was uns besonders gut gefallen hat ist die edle Einfachheit in beiden Autos. Alles ist da, wo man es erwartet, erfüllt die Funktion, die man erwartet und alles sieht trotzdem prima aus.

Wir mögen uns nicht mit all den Zahlen beschäftigen, Kofferraumvolumen, Kopffreiheit und so weiter, denn: wer im Superb zu wenig Platz hat, dem empfehlen wir den Besuch in einem Nutzfahrzeug-Center seiner Wahl. Allerdings, zwei Zahlen müssen dann doch sein. Die Limousine mit Dieselmotor hat sich 6,0 L pro 100 Kilometer genehmigt (wunderbar für ein so grosses und 1,8 Tonnen schweres Auto), der Benziner hingegen schluckte 8,7 L/100 km. Klingt nach viel, aber der Turbo-Vierzylinder schüttelt seine Leistung so locker aus dem Ärmel, es ist ein Freude. Echt, der Super Combi mit 280 PS ist eines der besten Autos, die unseren Testbetrieb 2015 durchlaufen haben. Das fällt auch anderen auf. Eine Beifahrerin – die mit Autos nicht wirklich etwas am Hut hat – meinte nach 20 Minuten Fahrt: das ist ein gutes Auto. Einfach so, ohne das man zuvor über das Fahrzeug geredet oder nach der Meinung gefragt hätte. Also muss was dran sein.

Der Superb, egal ob als Kombi oder Limousine, federt sehr elegant ab, besonders wenn man das Fahrwerk auf Komfort gestellt hat. Im Sport-Modus dagegen, wirkt er doch etwas staksiger, ohne aber durch übergrosse Härte die Passagiere zu ärgern. Damit ist aber auch klar, so richtig sportlich ist der Skoda nicht. Aber, er gaukelt einem das auch nicht vor, es ist eine ehrliche Haut die dazu steht, dass sie einfach bis zu fünf Personen möglich bequem von A nach B bringen will. Über die Simply-Clever-Lösungen, wie die Regenschirme in den vorderen Türen mag man denken was man will. Doch sie zeugen von einer gewissen Liebe zum Kunden. Während sich immer mehr Konzernmarken eher vom Kunden entfernen. Und, Hand aufs Herz, der Eisschaber im Tandeckel ist einfach ein Hit. Das Auto von Schnee und Eis befreien, ohne dass man erst die Türe öffnen muss ist – clever.

Natürlich müssen wir noch über die Preise reden. Denn auch aus Tschechien gibt es so viel Gutes nicht umsonst. Gut über 40’000 Franken muss man hinlegen, für die Diesel-Limousine und der Combi mit der starken Maschine schlägt mit Topausstattung mit etwas 64’000 Franken zu Buche. Wenn wir aber einrechnen, dass neulich ein Passat Alltrack Kombi mit 240 PS als Testwagen mit deutlich über 70’000 Franken angeschrieben war, ist so ein Superb geradezu ein Schnäppchen.

Was hat uns denn nicht gefallen am Tschechen? Naja, vielleicht die Reaktion des Fahrwerks auf deftige Querfugen, da schüttelt es die ganze Karosse ordentlich durch. Oder die nur mässig schnell reagierende Sitzheizung. Aber, das ist Jammern auf ganz hohem Niveau. Auch wenn der Benziner etwas durstig ist, er wirkt im Vergleich zum 190-PS-Diesel deutlich spritziger, souveräner und er ist vor allem – noch leiser. Wie gesagt, einer der besten Testwagen 2015.

Mehr Skoda gibts im Archiv.

1 kommentar

  1. […] da tief im Schatten. Und dann lässt sich all dieser Raum auch noch bestens nutzen, das ist nach dem Superb eine weitere Glanzleistung von Skoda. Es ist zudem auch so, dass der Skoda recht souverän Platz […]

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