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Vignale Rolls-Royce

Sonderwünsche

Was genau Mr. Joseph J. Marusch aus Maplewood, New Jersey, von Beruf war, weiss man heute nicht mehr; er muss aber ein beachtliches Vermögen gehabt haben. Was Marusch genau dazu trieb, diesen Rolls-Royce Silver Wraith bei Vignale zu bestellen, weiss man noch viel weniger. Aber nur schon die Idee: Vignale war Anfang der 50er Jahre zwar auch bekannt für einige feine Ferrari, doch in erster Linie waren es kleine Fiat, Abarth, Cisitalia, die neu eingekleidet wurden. Und so ein Silver Wraith war halt schon ein ganz anderer Brocken. Es konnte gar nicht gut kommen.

Und es kam dann auch nicht gut. Die Linien des Vignale-Rolls-Royce könnte man als opulent bezeichen. Das Heck und auch der Dachaufbau gehen noch so einigermassen, Mister Marusch verlangte es wohl danach, mit Hut gefahren zu werden. Aussergewöhnlich: das Heckfenster liess sich elektrisch versenken (also: jenes ganz hinten). Aber die Front ist – man darf sie sicher als gewöhnungsbedürftig bezeichnen. Und es wundert nicht, dass es bei diesem einen Einzelstück blieb – das aber immerhin noch existiert.

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Innen war der Rolls so aussergewöhnlich wie aussen. So besass er elektrisch verstellbare Sitze (die es bei Rolls-Royce damals noch nicht gab). Und eine Toilette. Nun, es heisst, sie hauptsächlich dafür benützt worden, den Champagner zu kühlen, aber dann haben wir irgendwie die Funktionsweise von Toiletten (oder Kühlschränken) nicht so ganz verstanden. Ansonsten gab es auch noch eine Klimaanlage. Auch hübsch: der Fahrer sass vorne auf schwarzem Leder, die Passagiere hinten auf edlem grauem Tuch. Aber das war halt einst genau so, Leder war so was von profan – wer es sich leisten konnte, der wählte ein feines Stöffchen.

Der Silver Wraight war das erste Nachkriegsmodell von Rolls-Royce, gebaut ab 1946 bis 1959; insgesamt entstanden 1883 Exemplare. Das von Vignale umgebaute Gefährt war eines mit langem Radstand, 3,38 Meter (anstatt 3,27 Meter) und wurde von einem 4,9-Liter-Reihensechszylinder angetrieben, Leistung wie damals bei Rolls-Royce üblich: ausreichend. Geschaltet wurde über eine 3-Gang-Automatik von General Motors. Der Motor gefiel Mister Marusch allerdings nicht besonders, zumindest optisch nicht: er verlangte von Vignale, dass sämtliche sichtbaren Teile verchromt wurden. Ach ja: der Toilettensitz war vergoldet.

Eine kurze Geschichte von Vignale gibt es: hier.

Text: pru/Bilder: Archiv

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