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Consumer Electronics Show

Die Eier des Kolumbus

Einst, da segelte der Italiener Kolumbus im Auftrag der spanischen Krone deshalb nach Westen, um der verdorrten Binnen-Wirtschaft des Landes neue Märkte zu eröffnen. Kolumbus wollte nach Indien, fand aber Amerika – und ebendort, in Las Vegas, suchen derzeit in erster Linie auch die CEO’s der grossen deutschen Automobil-Hersteller ihr Glück. Im Spielerparadies findet noch bis zum 9. Januar die CES, die Consumer Electronics Show statt, die grösste Messe ihrer Art der Welt, und alle sprechen sie ebendort so genannte «Key Notes» über die Zukunft ihrer Marken und des Automobils ganz allgemein. Leider ist es nicht so, dass der Slogan von Las Vegas, «what happens in Las Vegas, stays in Las Vegas», wirklich zum Tragen kommen würde, die salbungsvollen Worte werden grossmundig in die Welt hinausposaunt – auch wenn sie den kleinen Kunden, den Käufer von einzelnen Automobilen überhaupt nicht interessieren.

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Doch es ist halt so, wie das einst schon der französische Politiker Charles-Maurice de Talleyrand in einem anderen Zusammenhang formuliert hatte, dass man von den internen Problemen am besten ablenkt, indem man sie nach aussen trägt – Talleyrand sprach damals von Krieg, die Auto-Bosse plaudern an der CES von Elektronik und Elektrik. Beides Themen, die nicht zu den Kern-Kompetenzen der Automobil-Hersteller gehören. Aber es ist halt so, dass den meisten Auto-Bauern die Ideen fehlen, wie sie ihr angestammtes Geschäft noch ausbauen, verbreiten, erweitern könnten – und folglich suchen sie ihr Heil in «big data», dem Sammeln von Informationen über ihre Kunden. Was das den Kunden bringen soll, ist irgendwie schleierhaft. Am Ende zielt wohl alles hin auf den «gläsernen Konsumenten» im autonom fahrenden Automobil. Die CES ist den Auto-Herstellern unterdessen so wichtig geworden, dass etwa Mercedes sein Kerngeschäft insofern vernachlässigt, dass durch eine Internet-Panne die Bilder der neuen E-Klasse zu früh ins Netz «geleakt» sind. Kann ja mal passieren, die E-Klasse ist bloss das wichtigste Fahrzeug im gesamten Daimler-Portfolio, der grösste Ertragsträger, doch jetzt geht es dem Stern und den anderen Herstellern um mehr, eben, «big data», den Kampf gegen Google und Apple.

Es ist allerdings wie bei Don Quixote ein Kampf gegen Windmühlen – und er ist bereits verloren. Durch Stuttgart, München, Wolfsburg schwebte das Hirngespinst, dass Google und Apple dereinst mit eigenen Automobilen gegen Audi, BMW und Mercedes antreten könnten, bald schon, und man sah die Felle schon schwimmen. Dass es sich die beiden amerikanischen Riesen aber ganz sicher nicht antun wollen, selber Autos zu bauen, sah kaum jemand, obwohl es ja nur logisch ist – weshalb sollten sich die Daten-Monopolisten in einem Business, in dem es nur noch, wenn überhaupt, kleinste Margen zu verdienen gibt, die Hände buchstäblich dreckig machen? Zwar lässt Google weiterhin ein Gefährt über die amerikanischen Strassen rollen, das aussieht wie eine Fieberblase, wie ein Eiterpickel – doch das ist nur ein trojanisches Pferd. Es geht dabei nur um das Testen der Software – und diese hat Google unterdessen bereits verkauft. Sicher an Ford, wie man seit einigen Tagen weiss, doch es werden sicher noch andere Auto-Hersteller folgen. Als nächstes wahrscheinlich Toyota, die Nummer 1 der Welt soll kurz vor Vertragsabschluss mit Google stehen.

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Tatsächlich könnte der Beginn des Jahres 2016 in die Annalen der Automobil-Geschichte eingehen. Aber sicher nicht deshalb, weil die Automobil-Hersteller an der CES etwas von Gestensteuerung schwatzten und über weitere eigenartige E-Autos für die Zukunft (deshalb zeigen wir hier die ganz frische VW-Studie Budd-e) schwadronierten, sondern ganz einfach deshalb, weil Ford nun den Teufel an Bord seiner Fahrzeuge geholt hat. Und sitzt Google erst mal im Auto, dann wird man Google auch am Lenkrad nicht mehr los – wir kennen es ja von unseren Computern, die in Sachen «big data» längst Gefangene sind des allmächtigen Unternehmens. Die Software-Firmen sind den Automobil-Herstellern auf ihrem angestammten Gebiet um Lichtjahre voraus – nicht nur technisch, auch strategisch. Und während die Automobil-Industrie jeden Franken dreimal umdrehen muss, bevor er ausgegeben werden kann, sitzen Google und Apple auf Milliarden-Vermögen, die sie in aller Ruhe und deshalb wohl sinnvoll in ihre Zukunft investieren werden; da kommt dann noch so einiges, nicht nur bei den Automobilen.

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