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Test DS5 Hybrid

ohhmmm…

Die Berner, nicht als die schnellsten Schweizer bekannt, verfügen in ihrem so wunderbaren Dialekt über diesen schönen Ausdruck: «hurti». Das kommt klar von «hurtig», wird gern verwendet für: ich geh noch «hurti» einkaufen, ich bin noch «hurti» beim Nachbarn, ich hol «hurti» Zigaretten. Der Test DS5 Hybrid zeigte nun aber auf, dass sich dieses Fahrzeug so rein gar nicht für dieses «hurti» eignet, ganz im Gegenteil, wir haben es hier mit einem Automobil zu tun, das mehr zur Meditation passt; man muss schon ziemlich tiefenentspannt sein, wenn man es bedienen will.

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Man steigt also ein. Dann steht man auf die Bremse, dann drückt man aufs Knöpfchen. Die Systeme fahren langsam hoch, mit einem Bling zeigt der DS5 Hybrid an, dass er nun bereit wäre, gefahren zu werden. Man fummelt dann am viel zu kleinen Stöckchen in der Mittelkonsole den Gang rein, was nicht ganz so einfach ist, denn es muss in aller Ruhe geschehen. Und dann setzt sich der Wagen lautlos in Bewegung. So weit, so gut. Ist man nun aber eben noch «hurti» unterwegs, um etwas zu besorgen, dann geschieht dieses Startprozedere vielleicht nicht mit der nötigen inneren Ruhe, man drückt zu früh aufs Knöpfchen, zieht den Ganghebel zu flott zu weit, und dann, ja, dann. Beginnt man halt noch einmal von vorne. Nicht empfehlenswert ist zum Beispiel, das Ganghebelchen auf «M» zurückzuziehen, dann wird der DS5 schon nach zehn Metern Fahrt aufheulen wie eine geplagte Katze. Auch etwas mehr Geduld erfordert «R», also rückwärts, dann müssen anscheinend alle Systeme zuerst umgepolt werden, die Rückfahrkamera vorgewärmt und dann angeworfen, es geht überhaupt ein Ruck durch den ganzen Wagen. Deshalb: gemach. Durchatmen. Die Ruhe bewahren. Überlegt und konzentriert handeln.

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Aber auch wenn der DS5 Hybrid sich einmal in Bewegung gesetzt hat, was nicht immer auf Anhieb gelingt, sollte man das mehr so distanziert betrachten. Irgendwie ist alles wie in Watte gepackt, slow motion, die Schaltvorgänge passieren nur langsam, der Verbrennungsmotor nimmt seinen Dienst mit einer stattlichen Verzögerung auf, fast ein wenig unwillig; für die Hatz zur Arbeit oder um noch «hurti» kurz vor Ladenschluss etwas einzukaufen taugt dieser Wagen irgendwie gar nicht. Das bedeutet nun nicht, dass man auf der Autobahn nicht auch ganz flott einherrollen kann oder dass er nicht gemacht ist für ein Überholmanöver auf der Landstrasse, das kann er alles auch – aber eben, er braucht seine Zeit dafür, er nimmt sie sich auch. Es ist besser, wenn man sich einfach zurücklehnt und die Dinge so nimmt, wie sie halt sind. Die DS5 ist als Hybrid ein bisschen so wie ein französisches Nachtessen: man bleibt noch etwas länger sitzen, öffnet doch noch eine weitere Flasche Rotwein zum Käse, und ja, dann auch noch einen Cognac, während man die Lage der Welt im Allgemeinen wie auch ganz Besonderen beplaudert. Was per se keine so falsche Lebenshaltung ist.

Es findet im DS5 Hybrid der letzte Auftritt dieses Antriebs statt, die Kombination des 2-Liter-Diesel mit 167 PS, die an den vorderen Rädern arbeiten, mit einem 37 PS starken E-Motor, der seine Kraft an die Hinterachse abgibt, muss sterben (wie ja schon der ganze Peugeot 3008, mit dem sich der DS5 die Plattform teilt, verstorben ist). Zu teuer und kompliziert in der Herstellung ist er, zu wenig nachgefragt – und irgendwie auch zu wenig effizient. Auf dem Papier sollen es nur gerade nur gerade 3,8 Liter sein, die er verbraucht – im Test kam dann gut das Doppelte weg. Und unter 5 Liter haben wir ihn nicht gebracht, auch beim krampfhaften Versuch nicht. Da ist dann irgendwie die Welt nicht so ganz im Ordnung, denn das schafft ein nicht elektrisch unterstützter Selbstzünder aus dem PSA-Konzern locker. Gut, man hat dann keinen so genannten Allradantrieb, als solcher darf der DS5 Hybrid in dieser Konfiguration nämlich gelten. Wobei das E-Motörchen mit seinen 53 Nm maximalem Drehmoment die Wurst auch nicht gerade vom Brot reisst. Und gerade einmal zwei Kilometer rein elektrische Reichweite sind das grosse Ding auch nicht wirklich.

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Und nein, wir sind noch nicht fertig mit den kritischen Worten. Denn wir verstehen auch das Fahrverhalten des Fahrzeugs nicht: der Wagen ist viel zu hart. Zwar war der Vorgänger, der noch Citroën hiess, noch übler, im Zuge der Umbenennung und des sanften Facelift im vergangenen Jahr wurde da durchaus mehr Komfort in den DS5 geschraubt. Aber es ist immer noch zu wenig, Querfugen mag der Franzose gar nicht, da hat man manchmal das Gefühl, die Achsen schlagen durch – und auf Strassen mit schlechtem Belag beginnt der Wagen fast ein bisschen zu hoppeln. Da fehlt uns schon ziemlich das Verständnis, diese Abstimmung passt so rein gar nicht zum sonst friedlichen Charakter des 1,7 Tonnen schweren Wagens. Zumal er ja auch mit einer Systemleistung von 200 PS nicht so motorisiert ist, dass man sich gerne auf die Kurvenhatz einlassen würde.

Jetzt ist aber genug gestänkert. Denn der DS5 ist, auch als Hybrid, trotzdem eine Überlegung wert. Er sieht auch nach fünf Jahren weiterhin gut aus, das schon angesprochene Facelift war zwar sanft, tat ihm aber trotzdem gut. Noch gelungener ist es innen ausgefallen, die Vereinfachung des Bediensystems passt gut, der Wegfall von Knöpfchen und Schalterchen macht das Interieur noch eleganter, harmonischer; es hatte ja schon vorher zu den schönsten Gestaltungen in Sachen «interior design» gehört. Und man versteht problemlos, wie das so läuft über den Touchscreen. Die Sitze sind nicht nur bequem, sondern so hübsch gestaltet, dass man sie sich auch gerne in gute Stube stellen würde. Ein Platzwunder ist der Franzose aber weiterhin nicht, hinten ist es eher eng. Und trotz vierteiligem Glasdach auch ziemlich dunkel. Unser Testwagen verfügte über die feinste Ausstattungsline «Faubourg Addict» – und ja, viel besser, schicker, modischer kann man das nicht machen. Das haben die Franzosen besser im Griff als, äh, andere.

Mit einem Basispreis von 44’990 Franken ist der DS5 Hybrid als «Faubourg Addict» nicht dringend ein Sonderangebot. Aber er ist auch schwer vergleichbar, denn ein ähnliches Fahrzeug haben die anderen Premium-Anbieter nicht im Angebot, weder beim Design noch beim Antrieb. Wer also eine Alternative sucht zu dem immer gleichen ABM-Modellen, der sollte den Franzosen mit auf die Liste nehmen. Und wer dann auch seine Yoga-Klassen fleissig besucht und überhaupt die Ruhe weg hat im Leben, der kann mit diesem Fahrzeug sicher glücklich werden.

Mehr Citroën und DS Automobiles haben wir in unserem Archiv.

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