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Mercedes-Maybach S650

Fingerübung

Der Markt der viersitzigen Zwölfzylinder-Cabriolets ist übersichtlich. Mercedes hat zwar mit dem S600 und dem S65 in der Aufschnitt-Variante gleich zwei Eisen im Feuer – das ist aber nicht genug. Vor allem die englischen Nobelhäuser scheinen mit den betuchten Kunden zu enteilen, was man in Stuttgart mit Argwohn beobachtet. Bis jetzt.

Denn nun gibt es das Mercedes-Maybach S650 Cabriolet.

650, eine Zahl, die ein ziviler Mercedes noch nie tragen durfte.

Die 600 – seit jeher in unverrückbarem Gleichschritt mit Macht, Stärke und absoluter technologischer Hoheit einhergehend – zu wenig.

Denn wenn das Äußere von unendlich viel Chrom verziert wird, im Inneren das Leder in Wasserfällen fließt und sogar das Holz nun Nadelstreifen trägt; wenn die Scheinwerfer durch Swarovski-Kristall leuchten, das rautengesteppte Schutztuch für die Garage in der Farbe des Verdecks ausgeführt wird und sogar das handgenähte Kofferset farblich 1:1 zur Innenausstattung passt, dann wirkt ein normaler 600er tatsächlich wie eine Buchhalter-Variante.

Diese Gefahr besteht für den neuen offenen Maybach nicht, schließlich ist er der erste Mercedes, für den es kein schweres Buch voll Sonderausstattungen gibt. Im Grundpreis von 300.000 EUR (zuzüglich Steuer natürlich) sind sämtliche Extras enthalten, die es für die normalen S-Modelle gibt. Also: 20 Zoll-Schmiederäder, Luftfahrwerk mit adaptiver Dämpfung, 3D-Soundsystem, mannigfaltige Assistenzen, Beduftung und so weiter.

Um das Signet auf dem Heckdeckel zu rechtfertigen müht sich unter der Haube vorne übrigens das Aggregat des S65 AMG, will heißen: 6-Liter V12 mit zwei Turboladern, 630PS und 1000Nm. Macht 4.1 Sekunden von 0 auf 100km/h und die obligatorisch abgeregelte Spitze von 250km/h.

Dass der Maybach S650 intern übrigens ganz normal als S65 AMG vom Band läuft, soll die 300 Kunden, die in den Genuss der offenen Erlesenheit kommen nicht weiter stören – sie warten einfach auf den echten großen Maybach, der da noch kommen wird. Und auf dem Weg dorthin ist so ein 650er sicher nicht das Schlechteste, auch wenn ihn auf den zweiten Blick nicht viel von den kleinen Brüdern trennt.

Anmerkung der Redaktion: wer im Übrigen glaubt, dass die Sonderserie bereits ausverkauft ist und vor allem in China und im Nahen Osten viel Nachfrage besteht, irrt. 100 Exemplare sollen allein in Deutschland verbleiben. Ob direkt im Werk hat man uns jedoch nicht verraten…

5s Kommentare

  1. Michl Michl

    Mir persönlich fehlt ganz klar die Eleganz die so ein Fahrzeug und der Name tragen sollten. . Er ist nicht Chic. Er ist eher schon fast proletig. Und in diesem Fall lässt sich ja an dem Erscheinungsbild nichtmal was durch eine gut kombinierte Farbauswahl retuschieren. Denn mit angebotenen 9? Möglichkeiten ist man auch nicht im Stande die Erscheinung durch eine geschickte Farbvariante noch etwas zu korrigieren.

    Wenn ich mir dann die Konkurrenz in Form eines Dawn anschaue, dann bringt er mit, was ich mir an so einen Fahrzeug vorstelle. Stil und Eleganz trotz der übertriebenen Ausmaße. Und tausende von Möglichkeiten das Fahrzeug zu individualisieren. Zur Not in der Farbe meines Dalmatiners. Das ist es, was ich mir als Kunde in diesem Preissegment wünsche würde.

    Käufer wird es mit Sicherheit dennoch geben.

  2. Ralf Bernert Ralf Bernert

    „sie warten einfach auf den echten großen Maybach“. da darf man lange warten. Der letzte ist 1937 aus den Hallen gerollt. Dannach kam nur noch heisse Luft. Wilhelm und Karl rotieren immer noch. Vielleicht können die Leute bei Mercedes mit der gewonnen Energie ein paar Akkus im E-Smart füllen.

  3. Marcus Naumann Marcus Naumann

    Das Problem ist doch, das in Stuttgart niemand sagt:“ Stopp die 600 sind seit dem WK2 heilig, wir nennen das eindach maybach s-klasse cabriolet und alle Kunden wissen eh das es das „Beste“ ist was es für Geld zum Kaufen gibt. “ Mit der Bezeichnung 650 werden die Typenbezeichnungen einfach obsolet. Ich meine auf der einen Seite ist man sehr bestrebt mit Mercedes Classic die Tradition hoch zuheben und dann kommt das Marketing und hinter lässt verbrannte Erde. Hier heiligt der Zweck wohl immer noch die Mittel, sehr schade eigentlich.

    • Ralf Bernert Ralf Bernert

      Man sollte den Namen Maybach ruhen lassen. Fertig.

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