Zurück zum Content

Aston Martin DB5

Showtime

«Goldfinger», der siebte Roman von Ian Fleming mit dem Superhelden James Bond, wurde 1959 erstmals veröffentlicht – in jenem Jahr, als Aston Martin die 24 Stunden von Le Mans gewann und die Sportwagen-Konstrukteurs-Weltmeisterschaft für sich entschied (das galt damals noch etwas). Fleming spendierte dem britischen Spion als Dienstfahrzeug einen Aston Martin DB III (die entsprechende Kapitelüberschrift lautet im Original: «Thoughts in a DB III»), ein Modell, das es gar nie gab. Aston baute von 1953 bis 1957 den DB 2/4, ab 1957 bis 1959 dann den DB Mark III, doch das war immer noch ein DB 2/4, mit geringfügigen Änderungen. 1958 kam dann bereits der DB4 auf den Markt, der bis 1963 hergestellt werden sollte, doch das konnte Fleming noch nicht wissen, als er «Goldfinger» verfasste. Und um die Verwirrung komplett zu machen, wählten die Produzenten des Films «Goldfinger», der 1964 in die Kinos kam, dann einen DB5, gebaut ab 1963, als Spielzeug für James.

Der hingegen, gespielt von Sean Connery, war anfangs gar nicht begeistert. «Mein Bentley hat mich noch nie im Stich gelassen», sagt er ziemlich entrüstet zu «Q». Doch Major Boothroyd kennt keine Gnade: «Befehl von M, 007 – Sie werden diesen modifizierten Aston Martin fahren.» Es war dann nicht ganz so übel, was Bond da mit auf die Strasse bekam: zwei 7,6-mm-Maschinengewehre wurden hinter die vorderen Blinker montiert, es gab ein kugelsicheres, ausfahrbares Schutzschild auf dem Kofferraum sowie einen Schleudersitz für unliebsame Beifahrer(innen). Und schliesslich so eine Art Vorläufer der modernen Navigationssysteme, eine Peilvorrichtung samt Kartendarstellung auf einem Bildschirm.

Es gab aber noch weitere Spezialitäten, die der «special effects»-Experte John Spears dem Fahrzeug verabreichte. Da war nämlich noch ein Telefon in der Fahrertür, ausfahrbare Rammstangen sowie Klingen in den Rad-Zentralverschlüssen, eine Nagel-Abwurf-Vorrichtung und eine Schublade für Waffen unter dem Fahrersitz. Zum Einsatz kam ein Knöpfchen, mit dem Bond einen Ölteppich auf die Strasse legen konnte, auf die seine Gegner mit ihren Mercedes prompt in Schleudern gerieten.

Es war ein ganz besonderes Modell, das für die Filmaufnahmen verwendet wurde, nämlich ein früher Prototyp (Chassisnummer DP/216/1). Ein zweites Fahrzeug, bereits aus der Serie und berühmt geworden unter der Bezeichnung «FMP 7B», wurde für die Stunt-Aufnahmen gebraucht; dann gab es noch zwei weitere DB5, die gleich aufgebaut wurden wie 216/1 und für die Promotionstouren vor dem Film-Start verwendet. 216/1 (mit dem Nummerschild BMT 216A) wurde ein Jahr später für den folgenden Bond-Film, Thunderball, wieder eingesetzt. Dort gab es im Gegensatz zu Goldfinger allerdings keinen Ölteppich mehr, sondern einen Wassersprinkler. Danach wurde der Wagen wieder in den Originalzustand versetzt und verkauft. 1997 wurde 216/1 gestohlen – und seither ist sein Verbleib unbekannt.

Doch es gab weitere Bond-Filme mit einem DB5 in der Hauptrolle. In GoldenEye (1995) spielt der DB5 mit dem Nummernschild (BMT 214A) die Hauptrolle neben Pierce Brosnan; für die Filmaufnahmen wurden drei weitere DB5 gebraucht. BMT 214A spielte dann auch in Tommorow Never Dies (1997) wieder eine Rolle und hätte eigentlich auch in The World Is Not Enough (1999) noch einmal auftauchen sollen, doch die Szene wurden herausgeschnitten. Aber damit nicht genug: In Casino Royale (2006) tauchte schon wieder ein DB5 auf, diesmal mit Bahamas-Nummernschildern und links gelenkt (alle anderen DB5 vorher waren rechts gelenkt) – und in Skyfall gab es wieder einen DB5 zu bewundern geben, sogar mit dem originalen Nummerschild BMT 216A aus Goldfinger/Thunderball. Erstaunlich, auf welche Details die Produzenten Wert legen.

Der DB5 war die konsequente Weiterentwicklung des erfolgreichen DB4, erhielt aber einen grösseren Motor mit 4 Liter Hubraum, drei SU-Vergasern und einer Leistung von 286 PS bei 5500/min (maximales Drehmoment 390 Nm bei 3850/min). Das machte den doch 1,5 Tonnen schweren Engländer knapp 240 km/h schnell und liess ihn gemäss (optimistischer) Werksangabe in 7,1 Sekunden von 0 auf 96 km/h beschleunigen; abgebremst wurde er von serienmässigen Girling-Scheibenbremsen (die letzten DB4 hatten noch Scheibenbremsen von Dunlop gehabt). Die ersten 50 DB5 mussten noch mit dem originalen Traktoren-Getriebe von Aston Martin auskommen, danach gab es das 5-Gang-Getriebe von ZF serienmässig. Weitere Verbesserungen am DB5 gegenüber dem DB4: elektrische Fensterheber, deutlich besserer Sound aus den Endrohren, ein zweiter Tank-Füllstutzen. Es soll genau 170 Unterschiede geben zwischen DB4 und DB5, doch das ist alles relativ, denn die DB4GT hatten manche Dinge schon, die der DB5 dann auch erhielt.

Mit den fünften Gang wurde der DB5 nun endlich das, was einen Gran Turismo eigentlich auszeichnen sollte: er wurde zu einem anständigen Reisewagen, man konnte sich jetzt auch auf der Autobahn noch miteinander unterhalten. Die Handlichkeit eines DB2 hat der DB5 längst nicht mehr (die war schon im DB4 verloren gegangen), und es begann damals eine fatale Entwicklung, die Aston Martin nie wieder eindämmen konnte: so ein bisserl dicklich wurden sie, damals.

Dafür, dass der DB5 wahrscheinlich eines der berühmtesten Automobile aller Zeiten ist, wurde er über einen verhältnismässig kurzen Zeitraum gebaut, nur zwei Jahre lang, es entstanden nur gerade 863 Stück. Was unter anderem daran gelegen haben könnte, dass die DB5 (wie alle Aston vorher und vor allem: nachher:) unverschämt teuer waren, rund doppelt so viel kosteten wie ein Jaguar E-Type (der dafür wohl etwas schneller war), fast gleich viel wie ein Bentley. Man darf aber auch nicht vergessen, dass Aston in jenen Jahren in erster Linie ein Kleinsthersteller, den eigentlich niemand kannte. Das änderte sich erst mit den Auftritten in den Bond-Filmen.

Zu den 863 normalen Coupé (oder waren es 885?) kamen noch 63 (oder 65?) Vantage, die mit drei Weber-Doppelvergasern auf 318 PS gebracht wurden sowie 123 Cabrios, darunter 37 Volante. Aston Martin bezeichnete die 37 Fahrzeuge erstaunlicherweise als «Short Chassis», obwohl sie genau den gleichen Radstand hatten wie die anderen DB5 (2,49 Meter). Die Verwirrung kommt wohl daher, dass diese Volante, gebaut zwischen Oktober 1965 und Oktober 1966, schon mit diversen DB6-Teilen versehen waren, und der DB6 (1965 bis 1971) hatte tatsächlich einen längeren Radstand (2,58 Meter).

Und schliesslich waren da noch 11 (oder vielleicht auch: 12) Shooting Brake, also Kombi-Versionen. Einen ersten Kombi hatte das Werk für seinen Besitzer David Brown gebaut, der nicht nur Traktoren-Produznet, sondern auch Jäger und stolzer Hunde-Züchter war. Die restlichen Shooting Brake wurden dann bei Harold Radford Coachbuilder hergestellt – und sie heute natürlich heiss begehrt, obwohl ihr Fahrverhalten, vor allem in beladenem Zustand, mehr als nur kritisch ist (darüber, also über die Shooting Brake, schreiben wir dann noch etwas). Doch auch die «gewöhnlichen» DB5 sind heute eh so wertvoll – sie kosten mehr als alle anderen DB, unterdessen werden Preise von über 1 Million Dollar aufgerufen -, dass sie kaum mehr so flott bewegt werden wie von Pierce Brosnan in GoldenEye, wo er sich ein hartes Rennen liefert mit Xenia Onatopp in einem Ferrari 355 GTS. Und natürlich gewinnt.

Kleines Detail noch am Rande: Roger Moore durfte nie einen Aston Martin fahren. Das sagt eigentlich schon fast alles.

Folgende Aston-Martin-Stories können wir noch anbieten:
Aston Martin DB2.
Aston Martin DB2/4.
Aston Martin DB4.
Aston Martin und Zagato.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.