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Test Toyota C-HR

Auf den zweiten Blick

Ja, es ist schon anders, wenn man ein paar Tage unterwegs ist mit einem Automobil. Der Toyota C-HR hatte uns bei der ersten Begegnung, die nur ein paar Stunden dauerte, ja ziemlich hilf- sowie ratlos hinterlassen, nachzulesen: hier. Und nein, wir würden ihn auch jetzt, nach dem Test, nicht ganz vorne in unseren persönlichen Fuhrpark stellen wollen, doch wir haben deutlich mehr Verständnis – und auch ein paar interessante Qualitäten gefunden.

Was uns am meisten überrascht hat bei dieser zweiten, ausführlicheren Begegnung: der Toyota verfügt über ein wirklich hervorragendes Fahrwerk. Nicht nur, dass wir ihm einen sehr angenehmen Komfort attestieren können – er lässt sich auch wirklich bestens um die Kurven hauen. Das traut man dem recht hoch bauenden Crossover auf den ersten Blick gar nicht zu – ausser, man tut es. Und da haben wir dann doch gestaunt, auf der Landstrasse ziehmt man sauber ohne abzubremsen auch um den engen Bogen, und der Japaner zuckt nicht mit der Wimper. Da merkt man ihm an, dass er ursprünglich für sportlichere Motorisierungen gedacht war als für den spröden Hybrid mit seinen 122 PS Systemleistung und den neuen 1,2-Liter-Turbo, der auf dem Papier mit seinen 116 PS und 185 Nm maximalem Drehmoment auch nicht gerade wild erscheint.

Und doch mögen wir die neue Maschine, die es in Kombination mit dem Allradantrieb nur mit dem Multidrive-Getriebe gibt, deutlich besser als den klassischen Hybriden, von dem wir uns wünschen würden, dass da endlich wieder einmal etwas geschieht; keine Ahnung, wann der Prius, auf dem der C-HR ja basiert, technisch zuletzt irgendwie bahnbrechend aufgefrischt worden ist, das war wohl 2003. Allerdings gefällt uns das stufenlose Multidrive-Ding beim klassischen Benziner halt auch nicht besonders, der Gipfel der Fahrfreud ist es sicher nicht, denn von der ja sowieso nicht im Überfluss vorhandenen Kraft versickert da noch einiges in diesem Strumpfband (ein manuelles 6-Gang-Getriebe gibt es nur ohne Allradantrieb). Wenn er dann mal rollt, der C-HR ohne Hybrid, dann macht er das aber bestens – und angenehm ruhig. Und mit einem Test-Durchschnitt von 6,2 Litern auch noch relativ sparsam – wir haben zum ersten Mal seit langem sogar den Normverbrauch, angegeben mit 6,3 Litern, unterboten. Und nein, wir haben ihn nicht wirklich geschont.

Viel besser gefallen als im Hybriden hat uns auch die Innenausstattung, die auf diese Unmengen von blauem Zierrat verzichtet. Es wirkt alles übersichtlicher, wenn das Auge nicht dauernd gefordert ist von den zu heftigen Kontrasten. Die Bedienung ist einfach, logisch, der Touchscreen vielleicht etwas weit entfernt, aber daran wird man sich schnell gewöhnen. Die Sitze sind gut, die Sitzposition relativ hoch, doch das ist ja anscheinend einer der Gründe, weshalb solche Fahrzeuge so gern gekauft werden. Auch der Kofferraum ist mit seinen 377 Litern grosszügig bemessen, die Ladekante ist allerdings relativ hoch (was aber der Bauweise geschuldet ist, das kann ja kein Crossover oder gar SUV besser). Den Kinder-Test besteht der C-HR aber weiterhin nicht, sie sitzen nicht gerne hinten, weil sie kaum nach draussen sehen. Wir wollen in diesem Test ansonsten Stillschweigen bewahren über das Design des Toyota, denn das ist ganz einfach Geschmackssache.

Ziemlich erschrocken sind wir dann allerdings, als wir das Preisblatt unseres Testwagen studiert haben. In der Basis gibt es den C-HR mit dem 1,2-Liter und Frontantrieb ab 24’900 Franken. Unser Teil in der Ausstattungslinie Premium, mit Allradantrieb und dem Multidrive-Getriebe, ist dann aber schon mit satten 36’500 Franken angeschrieben. Dazu noch ein paar Gimmicks, und schon sind wir bei 40’730 Franken. Und das erscheint uns das schon als ziemlich viel Geld für diesen Crossover, der nicht übermotorisiert ist. Gut, die Garantie- und Gratisservice-Leistungen sind weit überdurchschnittlich, auch hat uns der Toyota mit seiner sehr sauberen Verarbeitung zu überzeugen gewusst, doch: trotzdem.

Ja, wir geben es ja zu, wir waren mit der ersten Beurteilung des Toyota C-HR wohl etwas zu grob, der zweite Blick auf dieses Fahrzeug fällt deutlich wohlwollender aus. Was in erster Linie seinem absolut überzeugenden Fahrverhalten geschuldet ist – und auch noch ein wenig dem Verbrauch. Ansonsten ist ja vieles andere eine Frage des Geschmacks – und erste Zahlen lassen darauf schliessen, dass der Japaner beim geneigten Publikum durchaus gut ankommt.

Mehr Toyota haben wir in unserem Archiv.

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