Zurück zum Content

OSCA 1600 GT

Schöner Zwerg

Maserati – welch klingender Name. Gegründet wurde die Marke 1914 von den Gebrüdern Masearti, Alfieri, Bindo, Carlo, Ernesto und Ettore, in Bologna. Anfangs gab es nur Rennwagen, und es gab auch Siege, etwa bei der Targa Florio, doch glänzend lief das Geschäft nie. 1937 waren die Maseratis wieder einmal am Ende, sie verkauften ihr Unternehmen an Grossindustriellen Adolfo Orsi. Der zog mit der Marke 1940 nach Modena um (wo Maserati heute noch seine Autos baut – und gern den Anschein erweckt, Modena sei die wahre Heimat der Marke). Doch als die drei Maserati-Brüder Ernesto (als Anführer), Ettore und Bindo (als Konstrukteure) die 10 Jahre abgesessen hatten, die sie vertraglich an Orsi gebunden gewesen waren, zog es sie sofort zurück in ihre (und Maseratis) Heimat, San Lazzaro di Saveno bei Bologna. Dort gründeten sie die Officine Specializzate Costruzioni Automobili, besser bekannt als OSCA. Und den drei Brüdern war sofort klar: es mussten wieder Rennwagen her, die Gran-Turismo-Maserati, wie sie Orsi bauen liess, waren einfach zu langweilig.

Die Gebrüder bauten dann wieder ihre eigenen Autos nach ihren eigenen Vorstellungen. Gerade viel war nicht los, so etwa 30 Autos pro Jahr verliessen in guten Jahren die Hallen. Ihr erstes Fahrzeug tauften sie aber nicht Osca, sondern MT4 – was so viel bedeutet wie Maserati Tipo 4. Das kleine Ding hatte einen Rohrrahmen, wurde mit einer Alu-Haut eingekleidet und verfügte in seiner ersten Version über einen 4-Zylinder mit 1090 Kubik, der für die damalige Zeit sensationelle 72 PS entwickelte. Den Block kauften die Maseratis von Fiat, doch dann wurde die Maschine komplett umgebaut, erhielt einen Zylinderkopf aus Alu. Der MT4 wurde 1948 erstmals bei Rennen eingesetzt, in Pescara und Neapel, wo Luigi Villoresi gleich gewinnen konnte.

Und die Herren Maserati schraubten weiter an der Leistung: 1953 war der unterdessen auf 1,5 Liter Hubraum gewachsene Motor schon 110 PS stark (dies bei 6200/min). 1955 erhielt die Maschine eine Doppelzündung (Twin Spark), was dann sogar 120 PS (bei 6300/min) brachte. 1954 schafften Stirling Moss und Bill Lloyd mit dem MT4 einen Klassensieg beim 24-Stunden-Rennen von Sebring – die Gebrüder Maserati waren wieder wer, ihr kleines Unternehmen blühte. Was sie auf die Räder stellten, waren zur Hauptsache wunderbare Barchettas, die sich perfekt zu Rennzwecken eigneten. Einige ihre Fahrzeuge wurden aber auch von den bekannten italienischen Karrossiers eingekleidet, Piero Frua machte schöne Sachen, Vignale, Michelotti.

1955 kam dann endlich auch wieder ein neues Modell auf den Markt, der S187 – und 1960 lancierte Osca den 1600 GT, ein Fahrzeug, das sich sowohl als Rennwagen wie auch für die Strasse eignete. Der Hubraum betrug 1568 Kubik, die Leistung lag bei der stärksten Version, dem GTS, bei 140 PS – und weil der kleine Italiener so leicht war, etwa 850 Kilo, waren die Fahrleistungen hervorragend, 220 km/h Höchstgeschwindigkeit lagen drin. Mit einer Länge von 3,86 Metern war der Osca ein Zwerg, nur gerade 1,5 Meter breit war er, 1,2 Meter hoch. Selbstverständlich verfügte der 1600 GT über Einzelradaufhängung (damals noch alles andere als üblich, gab es allerdings nur gegen Aufpreis, Standard war eine Starrachse hinten), vier Scheibenbremsen – und ein wunderbares Design.

Dieses stammte von Zagato. Die Carrozzeria Zagato, 1919 gegründet von Ugo Zagato, hatte sich schon früh dem Leichtbau sowie aerodynamischen Formen verschrieben. Das Unternehmen mit Sitz in Rho bei Mailand kleidete in den 20er Jahren viele Fahrzeuge für Fiat, Lancia und Alfa ein, das berühmteste Fahrzeug aus jener Zeit ist sicher ein Alfa 8C 2300 aus dem Jahre 1931. Nach dem 2. Weltkrieg verlegte sich Zagato dann auf Gran-Turismo-Fahrzeuge, zu den Kunden gehörten Maserati, Ferrari und Aston Martin. Und Zagato mit Osca – und das war eine Hochzeit, die im Himmel geschlossen worden war. Zwar versuchten sich auch andere Meister am 1600 GT, Fissore baute 24 Stück (darunter drei Cabrios), Boneschi drei Exemplare (der allererste 1600 GT, der 1960 in Turin vorgestellt worden war, war ein Boneschi), Touring zwei und Morelli ein Exemplar, doch die Zagato, von denen insgesamt 98 Stück entstanden sein sollen, waren mit Abstand am begehrtesten. Wobei, hier stellt sich die Frage, ob wirklich 128 Stück entstanden sind – es könnten auch nur 56 gewesen sein, und dann wäre der Zagato-Anteil bedeutend kleiner. Aber mit den Zahlen nahmen es die Italiener ja nie so genau.

Typisch war natürlich der «Double Bubble», die zwei Höcker auf Dach. Ursprünglich waren sie aus der Not entstanden, sie sollten den Rennfahrern (und ihren Helmen) mehr Kopfraum ermöglichen. Doch über die Jahre wurden diese Höcker zu so etwas wie dem Markenzeichen von Zagato, selbstverständlich verfügte auch der Osca 1600 GT über den «double bubble». Beim hier gezeigten Fahrzeug handelt es sich um die Chassisnummer 0097, die 1963 nach Rom verkauft wurde (und später viele Jahre im deutschen Rosso-Bianco-Museum stand). 1963 verkauften die Maseratis Osca an den Grafen Domenico Agusta, einen bekannten Motorrad-Hersteller (MV Agusta), arbeiteten noch bis 1966 weiter. 1967 schloss Osca seine Tore.

Mehr schöne Klassiker haben wir in unserem Archiv – von Osca kommt dann hier noch mehr.

Gib als erster einen Kommentar ab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.