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Fiat-Stanguellini 1200 – Scaglione

Aussergewöhnliches (6)

Stanguellini kennt heute ja fast niemand mehr, bei gepimpten Fiat denkt man in erster Linie an Abarth. Dabei haben Vater Francesco Stanguellini und vor allem sein Sohn Vittorio mit ihren sehr liebevoll aufbereiteten Fahrzeugen und Motoren wohl ähnlich viel Erfolg gehabt in den 50er und 60er Jahren wie Carlo Abarth, doch sie waren halt zurückhaltende Herren aus Modena, die auch noch eine der grössten Fiat-Vertretungen des Landes am Laufen erhielten. Doch ihre Renn-Motoren auf Basis des 750ers und des 1100 mit Leichtmetall-Zylinderblöcken, zwei obenliegenden Nockenwellen – Bialbero! – und den zwei seitlich angebrachten Weber-Doppelvergasern verdienten viel Respekt. Stanguellini arbeitete ausserdem am Fahrwerk – und so konnten aus profanen Fiat Klassensieger (Mille Miglia, Targa Florio, 12 Stunden von Sebring) entstehen. Es entstanden über die Jahre auch eine hübsche Reihe von Strassen-Fahrzeugen, die meisten eingekleidet von Carrozzeria Reggiano aus Modena, doch auch die berühmteren Meisterschneider aus Turin und Mailand arbeiteten gern mit den qualitativ hochwertigen Stanguellini. Die Familie führt übrigens in Modena ein hübsches kleines Museum, das aber leider nicht immer offen ist, man sollte da vorab Erkundigungen einziehen.

Nuccio Bertone wurde 1957 persönlich bei Stanguellini vorstellig und kaufte sich einen Fiat 1100 TV mit einem 1,2-Liter-Motor und verbessertem Fahrwerk. Er liess den Wagen nach Turin bringen, wo sein damaliger Star-Designer Franco Scaglione den Stanguellini unter der Prototypen-Nummer 8901 neu einkleidete. Der Spider America wurde eine aussergewöhnliche Mischung aus dem bekannten BAT-Design, das Scaglione ab 1953 für Alfa Romeo entworfen hatte, sowie gewissen amerikanischen Einflüssen, an denen auch die Italiener Ende der 50er Jahre nicht vorbeizukommen glaubten. Im Oktober 1957 wurde das Fahrzeug, bezeichnet als Fiat-Stanguellini 1200 Spider America, erstmals auf der Messe in Turin ausgestellt. Drei Jahre später wird das Einzelstück auf dem Salon del Automovile in Buenos Aires wieder gesehen – und danach verliert sich seine Spur, bis es 1994 in irgendeinem argentinischen Schuppen als so genannter «barn find» wieder auftaucht. Nuccio Bertone, der 1997 verstarb, soll noch persönlich dafür gebürgt haben, dass der Wagen echt ist.

Das aussergewöhnliche Stück wurde kürzlich von RM Sotheby’s versteigert – und kam auf 275’000 Dollar. Sicher nicht übertrieben für ein Einzelstück – auch wenn es vielleicht nicht ganz «mainstream» ist.

Mehr aus der Serie «Aussergewöhnliches» mit so wunderfeinen Geräten wie Bocar, H.R.G., Ruxton, Kurtis oder Harrington-Sunbeam gibt es in unserem Archiv.

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