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Test Volvo S90 T6

Die Rückkehr

Eigentlich hätte der Titel ja heissen sollen: Die Rückkehr der grossen, schwarzen Limousine. Denn kürzlich hatten wir so einen Volvo S90 parkiert gesehen vor einem feinen Hotel – und es sah einfach gut aus, sehr schwarz, sehr chic, cool (das Auto, nicht das Hotel). Doch dann kam unser Testwagen in Weiss (Crystal White Pearl, Aufpreis 1800 Franken), so hat sich das dann irgendwie erübrigt. Trotzdem: diese grossen, schwarzen Limousinen, Full Size, einst in jedem Hollywood-Film präsent und zum New Yorker Strassenbild gehörend wie die Twin Towers, waren nach dem Tod des Ford Crown Victoria (2011) ja quasi vom Markt verschwunden; man fragt sich, was all die Limo-Services und FBI-Agenten denn heute fahren. Es ist die Zeit reif für eine stilvolle Rückkehr. Weil die Amerikaner es ja nicht mehr können (wie so vieles anderes auch nicht), ist es absolut ok, wenn Volvo diese Lücke füllt. Überhaupt muss man ja dankbar sein, dass noch solche Limos gebaut werden, von wilden Zuwachsraten ist in diesem Segment seit Jahrzehnten nicht mehr die Rede. Und würde es China nicht geben, müssten sie wohl bald ganz aussterben.

Ganz bescheiden wagen wir die Aussage: der S90 ist die schönste Limousine der automobilen Neuzeit. Den Schweden ist es gelungen, fast fünf Meter Länge (4,96 Meter) wunderbar elegant zu verpacken, die Linien sind ausgesprochen harmonisch, der Wagen wirkt trotz seiner schieren Grösse nicht protzig. Zwar sind die S-Klasse (mindestens 5,17 Meter), der 7er-BMW (mindestens 5,1 Meter) und der A8 (mindestens 5,14 Meter – kommt aber bald neu) schon noch eine Stufe grösser, noch ein Segment höher (ganz besonders im Preis), aber wenn man das Raumangebot betrachtet, so sitzt man im Volvo ähnlich gut. Vorne wie hinten. Hinten ist richtig Platz für die Beine, Business-Class wie im Flieger, gutes Gestühl, auch auf langen Reisen. Und dazu ein Sound aus der Bowers&Wilkins-Anlage (inbegriffen im Business-Paket, Aufpreis 4350 Franken), der wirklich beeindruckend ist. Genau solche Dinge erwartet man doch von einer grossen, schwarzen Limousine – auch wenn sie weiss ist.

Über den Antrieb des Testwagens wollen wir uns hier nicht weiter auslassen, unsere Meinung zur Vierzylinder-Strategie von Volvo haben wir schon öfter deutlich ausgedrückt (siehe Links weiter unten) – und gerade einer grossen, schwarzen, allenfalls auch weissen Limousine würden wir halt schon eine souveränere Motorisierung wünschen. Zumal sich das Downsizing an der Tankstelle ja auch nicht wirklich auszahlt, obwohl wir den S90 T6 mit seinen 320 PS nicht wirklich geplagt haben, lag der Durchschnitt wieder bei ziemlich genau 10 Litern. Ein glanzvolles Resultat sieht anders aus. (Der Motor selber ist jetzt optisch auch nicht der Überflieger…)

Immerhin haben wir uns besser mit dem Bediensystem anfreunden können; gut, es war jetzt auch der dritte SPA-Plattform-Volvo hintereinander, zuerst XC90, dann V90 CC, da stellt sich eine gewisse Gewöhnung ein, man weiss, was man nicht braucht, wir konnten unterdessen auch in die Geheimnisse des Navigationssystems eindringen. Und doch bleiben wir dabei: es ist einfach zu viel. All diese Elektronik sollte uns das Leben doch eigentlich vereinfachen, doch das Gegenteil ist der Fall, zumeist. Es gibt grossartige Dinge, der Tempomat samt Abstandsradar im Volvo ist derzeit wohl benchmark, seidenweich und höchst aufmerksam; dass der City-Safety-Assi etwas gar zu aufmerksam ist, gleich zwei Mal völlig unnötigerweise massiv in die Bremsen stieg, muss man wohl als «sign of the times» (autonomes Fahren…) akzeptieren. Überragend ist übrigens das Licht (mit aktivem Kurvenlicht kostet das dann halt aber auch wieder einen Tausender Aufpreis im Light-Paket).

Überragend ist in erster Linie der Fahrkomfort. Gut, ein Radstand von 2,94 Metern bringt nicht nur Raum, sondern auch ein sattes Abrollen, doch wie der Schwede die Strasse quasi plättet, das ist schon beeindruckend; Unebenheiten exisitieren eigentlich nicht, Querfugen werden weggedämpft, auch bei hohen Tempi schluckt der S90 die Welle – und ist sofort wieder in der Ausgangsposition. Da fährt der Volvo tatsächlich auf Oberklasse-Niveau. Andererseits: ein Sportwagen kann er dann nicht auch noch sein, dafür ist er zu behäbig, zu schwer, zu gross. Doch das können die deutschen Premium-Protze ja auch nicht besser.

Auf Oberklasse-Niveau befindet sich allerdings auch der Preis. Für so einen Volvo S90 T6 werden in der Basis schon satte 75’200 Franken verlangt. Unser Proband, immerhin sehr heftig ausgestattet, kam dann auf einen Endpreis von 105’010 Franken. Das ist dann schon viel Geld, auch wenn der Schwede wirklich viel bieten kann, die sehr saubere Verarbeitung, die schönen Materialien, diesen smoothen Komfort, das wohl weiterhin schönste Interieur, als Limousine diese wunderbare Eleganz. Ganz besonders in Schwarz.

Mehr Volvo haben wir in unserem Archiv.

2s Kommentare

  1. Tatsächlich, der Volvo ist ein sehr schönes Auto. Er gefällt mir ausgesprochen gut! Aber eben, 4-Zyl für über 100000 Fr. soll sich antun wer will. Ich finde entgegen dem Artikel, dass aus den USA durchaus ein Konkurrent auf Augenhöhe daherkommt. Der Cadillac CT6 kann sich sehen lassen und und fährt sich ausgesprochen schön. Aber wenn es um den Titel schönste Limousine geht, kommt für mich nur der Jaguar XJ in Frage, auch wenn er schon etwas ins Alter gekommen ist. Ich habe jetzt 4 Jahre lang ein 2013er Modell gefahren mit 3 Liter Diesel. Drehmoment im Alltag und Verbrauch absolut überzeugend (ca 6.6 – 7 l/100km).

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