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Test Abarth 595 Competizione

Der Hase

Nach mehr als 30 Jahren im Auto-Geschäft ist es ja nicht mehr so, dass wir es jeden Morgen kaum mehr erwarten können, in ein Automobil zu steigen. Doch es kommt tatsächlich noch vor, dass wir des Tagesanbruchs auf ein Fahrzeug zugehen, lächeln, uns freuen. So geschehen zuletzt beim Abarth 595 Competizione – wir wollten ihn eigentlich gar nicht mehr hergeben.

Ein 1,4-Literchen-Turbo ist ja normalerweise nicht das, was uns masslos begeistert. Auch 180 PS und 250 Nm maximales Drehmoment reissen uns sonst nicht dringend vom Sitz. Und so ein kleines Wägelchen, 3,66 Meter lang, kann ansonsten durchaus auch einmal unter unserem Radar durchgehen. Gut, beim Abarth ist es etwas schwieriger, der Gerät leuchtet knallgelb, man kann ihn eigentlich nicht übersehen. Was aber auch etwas mit dem recht heftigen optischen Pimp zu tun hat, Spoilerchen, Verbreiterungen allerorten, schöner wird die Design-Ikone Fiat 500 deswegen ja nicht. Es scheint aber immerhin zu funktionieren, die Liste mit aufpreispflichtigen Kleinigkeiten ist bei den Abarth von erstaunlicher Länge, das kann richtig ins Geld gehen. Und man sieht auch kaum einen Abarth auf der Gasse, der ab Stange gekauft wird; gutes Business.

Doch daran denken wir nicht, wenn wir auf den Kleinen zugehen und uns schon mal vorfreuen. Man steigt dann mal ein, setzt sich auf diese so unsäglich hohen Sitze, lässt die Tür aber offen. Denn mit der Drehung des Zündschlüssels kommt das, was wirklich grandios ist: der Sound. Ein wunderbar tiefes Blubbern, eine absolute Wohltat für die Ohren. Es ist nicht so ein proletarisches Gebrüll mit Extra-Fanfarenstoss zur Begrüssung, wie es Jaguar & Co. in die Welt hinaus posaunen müssen, sondern einfach nur: schön. Nicht zu laut, nicht zu leise, schlicht und einfach: perfekt. Es ist uns ein grosses Rätsel, wie die Italiener das immer wieder schaffen, so ein 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbo ist ja nun wirklich nicht die grossartigste Voraussetzung für guten Sound, doch der 595 Competizione stellt da alles in den Schatten bis weit hinauf in die sportliche Oberliga. Vielleicht sollte sich Porsche mal bei Abarth erkundigen, ob sich etwas machen liesse bei Cayman/Boxster, man hatte ja früher schon zusammengearbeitet.

Man lässt den Italiener gern ein bisschen blubbern, bevor man dann losfährt. Der Sound bleibt über das ganze Drehzahlband gut, wird gegen oben etwas wilder, aber immer noch nicht aufdringlich. Das kleine Motörchen ist halt aber auch ein Freudenspender, dreht wunderbar hoch, zieht mächtig an der Vorderachse (Lenkeinflüsse: ja, definitiv), zieht aber vor allem mächtig voran. Das knackige 5-Gang-Getriebe ist bestens auf die Charakteristik der Maschine abgestimmt, der erste Gang vielleicht etwas zu kurz, aber so den Berg hoch oder über Land, da macht das so richtig Fahrfreud‘. Grip hat es richtig guten, auch dank der mechanischen Sperre, doch da muss man auch ein wenig aufpassen, der Abarth reagiert recht heftig auf Bodenunebenheiten und Rillen und Rinnen, sucht sich da schon auch mal seinen eigenen Weg. Wir mögen das, man muss alert sein am Steuer, wenn man mit dem Ding angasen will, genau das wollen wir ja: selber fahren, nicht gefahren werden. Gefreut haben wir uns auch über den Verbrauch: bleibt man einigermassen brav, so geht das bestens mit 6,5 Litern. Aber auch wenn man das edle Leistungspotential etwas häufiger abruft (also: dauernd), bleibt der Competizione deutlich unter 10 Litern.

Der kurze Radstand samt doch ziemlich harter Fahrwerksabstimmung und relativ geringem Gewicht (knapp 1,2 Tonnen) hat aber halt auch Nachteile: der Competizione hoppelt wie ein Hase über die Gasse. Der Rennfahrer sagt: Gut so, man braucht die Rückmeldung von der Strasse. Seitenneigung: null. Was deutlich besser ist als beim Vorgänger: Die Stabilität beim Bremsen, der Wagen wird hinten nicht mehr so leicht, wenn man einmal etwas heftiger in die Eisen muss. Nun kann man ja aber nicht immer mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs sein (auch wenn der Abarth extrem dazu animiert), deshalb ist das manchmal etwas ermüdend, gerade auf langen Strecken. Doch die grosse Reise ist ja auch nicht die Bestimmung des kleinen Italieners, der innen immer noch gut aussieht, der Beweis ist, dass gutes Design nicht alle zwei Monate aufgefrischt werden muss. Bloss diese Sitzposition, die ist speziell, man sitzt wahrlich auf einem Thron, und so richtig sportlich ist das nicht. Das Platzangebot hat sich mit der Überarbeitung des 500/595 nicht verbessert, 185 Liter Kofferraumvolumen sind eher: wenig.

Angeschrieben ist so ein Abarth 595 Competizione mit 31’700 Franken. Eben, dann nimmt man noch dies und das dazu, dann kommt man dann nah an die 40’000 Franken. Das ist nicht gerade günstig, so ein Abarth ist und bleibt ein Kleinwagen, aber andererseits ist er eines der wenigen Fahrzeuge, das dem Piloten noch die volle Verantwortung überlässt (Fahrspass!) und dabei richtig gut marschiert (6,7 Sekunden auf 100 km/h). Dazu ist er einfach süss, ein Sympathieträger – und schön verarbeitet, da gibt es viele hübsche Kleinigkeiten, die man gern anschaut und berührt. Und dann ist da eben noch dieser Sound. Der ist unbezahlbar.

Ein kleines Video haben wir auch. Da hört man ihn sogar, hier. Mehr Fiat/Abarth haben wir ausserdem in unserem Archiv.

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