Zurück zum Content

Die Schrauber von Horn

Ein Augenschein

Der V8-Motor brüllt, die Räder drehen durch und der pinkfarbene Barracuda verschwindet in einer Rauchwolke. Endlich beissen sich die Reifen im Asphalt fest und der Wagen schiesst davon. Es riecht nach verbranntem Gummi und jeder Menge Spass. «So geht das», meint Rolf grinsend.

Es ist Samstag um die Mittagszeit im Horner Industriegebiet. Das Garagentor ist geschlossen und die Eingangstür angelehnt. Von aussen sieht die Halle nicht sehr spektakulär aus. Unter einem Partyzelt gammelt ein verstaubter SUV vor sich hin, davor steht ein Blumentopf neben einer lottrigen Sitzbank aus dem Baumarkt. Beim Betreten kann es einem glatt die Sprache verschlagen. Die Halle ist innen grösser als von aussen, ein riesiges Schrauberparadies. Gleich rechts neben dem Eingang steht ein dunkelroter 1966er Plymouth Sport Fury. Unter der offenen Motorhaube feilt Rolf an den Einstellungen des frisch revidierten Vergasers. Das Fine-Tuning erfordert viel Erfahrung, Feingefühl und Ruhe. Mit der Ruhe ist es aber bald vorbei. Das Tor öffnet sich und Rolfs Tochter Sarina fährt ihren pinkfarbenen 1968er Plymouth Barracuda herein. Sie will heute ihre neuen Slicks ausprobieren. Beim Ausladen der Reifen bemerkt sie, dass sie die Radmuttern vergessen hat und verschwindet gleich wieder.

 

Die Halle wird von allen nur die «Garasch» genannt wird. Ein magischer Ort, irgendwie: Ein Hauch von Benzin und Öl liegt in der Luft. Auf jedem Fahrzeuglift steht ein Stück amerikanischer Geschichte auf vier Rädern. Ein paar Schritte weiter liegt Silvia im leeren Kofferraum ihres ausgeweideten 1968er Dodge Charger und pinselt Grundierfarbe in die Ecken, damit der Rost sich das blanke Metall nicht wieder zurück holt. Seit fünf Jahren arbeitet sie schon an ihrer blechernen Liebe – und mindestens so lange wird es wohl noch dauern, bis der Wagen wieder Asphalt unter den Rädern spürt. Mittlerweile sieht der Charger schon wieder aus wie ein Auto. Anfangs erinnerte das Dach stark an ein Nudelsieb und der Wagen hatte mehr Rost als Blech.

Sarina ist wieder zurück und hat die Radmuttern dabei. Sie steigt in ihre pinkfarbenen Überhosen und Rolf zeigt ihr, wie sie die profillosen Reifen richtig montiert. Diese sollen für einen perfekten Start sorgen am nächsten Achtelmeilen-Rennen. Die Szenerie wird aufmerksam beobachtet von Saphira, Sarinas Hund, der ihr folgt wie ein Schatten. Er trägt ein pinkfarbenes Halsband.

Weiter hinten schraubt Malik an seinem Jeep. Eigentlich wollte er an seinem 1978er Chrysler Newport weiter machen, muss aber erst noch die Ölwanne des Jeeps neu abdichten. Er steht unter einer Art Haube aus Plastik, welche er sich diesen Winter gebaut hat, damit er beim Runterschleifen der Farbe nicht die ganze Halle versaut. Jetzt hängt das Ding wie ein UFO über dem Arbeitsplatz. Gebaut wurde hier schon immer viel, nicht nur Autos. Als die Schrauber vor 16 Jahren die Halle fanden, wurden die 800m2 zum Überwintern von Booten genutzt. Nach und nach bauten sie, teils aus Abbruch-Material, einen zweiten Stock mit grossem Lager, Partyraum, Küche und einem Bad ein. Darunter gibt es Einstellplätze und eine voll ausgerüstete Metallwerkstatt mit Drehbank. Der Rest ist unterteilt in individuell eingerichtete Arbeitsplätze. Die „Garasch“ ist besser ausgerüstet als so manche Profi-Werkstatt, auch in Sachen Know-how. Schliesslich schrauben hier 140 Jahre Erfahrung.

Im hinteren Teil der Halle ist Joes Reich. Auf Schwerlast-Regalen stapeln sich Motoren und Autoteile bis unter die Decke. Sein 1970er Dodge Challenger steht da wie aus dem Ei gepellt. Er würde eigentlich gerne an seinen anderen Projekten weiterarbeiten, aber es fehlen noch Teile. So muss der 1975er Chrysler Cordoba, den er für seine Tochter umbaut, noch warten und er verschwindet tief im Lager und sucht nach einer Feder für einen Scheibenwischer.

Mittlerweile sind die Reifen montiert, der Reifendruck geprüft. Sarina steigt in ihren Barracuda und fährt vor die Halle. Bremse voll durchdrücken, Brake-Lock aktivieren, Fuss von der Bremse nehmen und das Gaspedal durchdrücken und Burnout. Die ersten Versuche klappen nicht so richtig, die Räder drehen zwar durch, aber der Wagen will nicht ruhig stehen bleiben. Rolf übernimmt und zeigt, wie das gemacht wird. Sarina ist zuversichtlich: Das Rennen ist erst im September, bis dahin hat sie noch Zeit zum üben. Dann wird sie es den Jungs auf der Achtelmeile zeigen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Mario Baronchelli, www.mariobaronchelli.ch. Und jetzt kommen noch jede Menge weiterer feiner Photos:

1 kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.