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Ferrari 330 GTC/GTS

Gepflegtes Gleiten

Er war so etwas wie massgeschneidert für Kalifornien, der Ferrari 330 GTS. Schönes Wetter, gediegene Strassen an der Küste entlang, viel Motor – und wohl einer der besten Entwürfe von Pininfarina überhaupt. Die langgezogenen Linien sind von wunderbarer Eleganz und gleichzeitig souveräner Schlichtheit; man schreibt das Jahr 1966, da war bei deutschen Automobilen noch tiefster Barock, die Amerikaner noch sehr schwülstig.

Das Coupé 330 GTC hatte Ferrari im März 1966 auf den Genfer Autosalon vorgestellt, der offene GTS kam dann im Herbst des gleichen Jahres auf den Markt. Während das Coupé der Nachfolger des feine 250 GT Lusso war, beerbte das Cabriolet den 275 GTS, eine Legende. Und beide Fahrzeuge waren weniger sportlich als ihre Vorgänger – bei Ferrari standen in jenen Jahren die Gran Turismo hoch im Kurs, stark motorisierte Reisewagen, die ihren Konkurrenten in Sachen Fahrleistungen aber deutlich überlegen waren. Als Antrieb diente der bekannte Colombo-V12, der seine Karriere mit 1,5 Liter Hubraum begonnen hatte, im 330er aber bereits 4 Liter Hubraum hatte (was dann auch gleich seine Typen-Bezeichnung erklärt, 12 x 330 = fast 4000…; in Wirklichkeit waren es genau 3967,44 cm3). Als Leistung gab Ferrari für diesen Motor 300 PS bei 7500/min an – ein Porsche 911 kroch damals noch mit 130 Pferdchen über die Autobahn.

Endlich kam Ferrari mit dem 330 GTC auch von der hinteren Starrachse ab, das Fahrverhalten sowohl der Berlinetta wie auch des Spyder entsprach nun endlich dem Rum der italienischen Marke. Auch waren Scheibenbremsen an allen vier Rädern serienmässig, geschaltet wurde selbstverständlich manuell über fünf Gänge. Das Design stammte von Pininfarina (verantwortlicher Designer: Aldo Brovarone) und war zumindest beim Coupé eine Mischung aus verschiedenen Entwürfen aus der Vergangenheit; das Cabrio hingegen wirkt wie aus einem Guss.

598 GTB (oder vielleicht auch 600…) und genau 100 GTS wurden zwischen 1966 und 1968 gebaut; die Nachfolger, der 365 GTC und der 365 GTS, sahen fast genau gleich aus, erhielten aber den stärkeren 4,4-Liter-V12. Für ein schönes 330er-Coupé wird heute deutlich über eine halbe Million Franken bezahlt, für ein Cabriolet werden auch einmal mehr als zwei Millionen verlangt. Das ist gerade beim 330 GTS auch irgendwie verständlich – es gibt nur wenige Fahrzeuge, mit denen man mit mehr Stil den kalifornischen Küstenstrassen entlang cruisen kann.

Es gibt übrigens noch einen Schweizer Hintergrund beim 330er: Der ehemalige Autohändler und später selbsternannte Designer Willy H. Felber aus Morges bei Lausanne stellte 1974 auf dem Genfer Salon den Retro-Roadster FF vor, das auf dem 330 GTC basierte. Es entstand eine Serie von sechs Exemplare (nach anderen Quellen: ein gutes Dutzend), die alle auf gebrauchten 330 GTC aufbauten. Enzo Ferrari persönlich erlaubte Felber die Verwendung des Namens Ferrari – obwohl das Gerät wirklich furchtbar war. Heute wäre wohl mancher Felber-FF-Besitzer froh, er hätte noch das Original-Fahrzeug…

Mehr Ferrari gibt es immer in unserem Archiv. Die beiden hier gezeigten 330er kommen am 9.9. bei der Auktion von RM Sotheby’s unter den Hammer, mehr Infos: hier. Eine kurze Analyse zu den Ferrari-Preisen haben wir in diesem Zusammenhang auch geschrieben, hier.

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