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Fahrbericht Range Rover Velar

Felicia Jollygoodfellow

Er sieht ein bisschen, hmm, schreiben wir mal: komisch aus, der Range Rover Velar, wenn man etwas mehr Bodenfreiheit braucht. Es kann ja durchaus sein, dass man bei einem Range Rover etwas mehr Bodenfreiheit haben will, schliesslich gehört «off road» zu den Kernkompetenzen der englischen Marke, der Allradantrieb gehört zum Besten, was es für Geld zu kaufen gibt, und man hört so sagen, dass nicht alle Range Rover ausschliesslich vor dem schicken Kaffeehaus parkiert werden. Manchmal, auch das hört man in Erzählungen, fahren sie auch im Schnee und manchmal sogar abseits asphaltierter Strassen. Und da kann man einfach keinen Hot-Rod brauchen, das geht sich jeweils nicht so gut aus.

Das war unser erster Gedanke beim neuen Velar: Hot-Rod. Das Ding sieht richtig, richtig scharf aus, hohe Gürtellinie, wenig Fensterfläche, riesige Räder. Es ist klar, dass der Velar sich bestens verkaufen wird, Design ist weiterhin einer der wichtigsten Gründe für die Kaufentscheidung, und es gibt derzeit kein SUV, das auch nur annähernd so gut aussieht wie das jüngste Kind von Range Rover. Also: auf dem siebenspurigen Highway. Und vor besagtem Kaffeehaus. Und wo diese Dinger halt so rumstehen, Bio-Markt, Yoga-Kurs, Psychohygiene. Aber, das ist heute ja wichtig: Man muss sich anpassen können, wandelbar sein, flexibel in jeder Situation. Keines oder alle nur möglichen Geschlechterkombinationen, das ist heute politisch korrekt – und weshalb sollte dann ein Auto heute einfach nur ein SUV sein müssen? Witzig: die versenkten Türgriffe, die ausfahren, wenn man sich mit dem (Schlüssel gibt es ja nicht mehr) dem Fahrzeug nähert.

Das Design-Lob für aussen wird noch in den Schatten gestellt durch jenes für innen. Sehr, sehr sauber gemacht, die Mittelkonsole besteht im vorderen Teil aus einem gewaltigen Touchscreen, über den quasi das gesamte Bediensystem gesteuert werden kann, darüber gibt es noch einen Screen für Navi und so. Soft, easy, übersichtlich, absolut auf der Höhe eines neuen Audi A8; anders als Tesla und Volvo, aber mindestens so cool. Und kinderleicht verständlich, sogar von uns renitenten Gebrauchsanweisungsverweigerern. Mit dem besten Head-Up-Display bislang. All dies in einer Auflösung, die wir bisher so noch nie gesehen haben.

Dass sie auch sonst bestens Interieur können, das weiss man von den indischen Engländern, schönes Leder (es geht aber auch: vegan), feine Materiaien, bestens zusammengefügt und liebevoll verarbeitet. Da ist Range Rover auf der Höhe von Volkswagen (und nein, das ist keine Beleidigung, denn Volkswagen ist ja auf der Höhe von Audi). Die Sitze sind vielleicht etwas gar ausladend, aber die wichtigsten Märkte für solche Fahrzeuge finden sich ja längst nicht mehr in Europa, wo man noch Wert auf so altertümliches Zeugs wie Seitenhalt legt. Einziges Manko, und da fragt man sich dann allerdings schon, was es soll: der Startknopf ist derart gut versteckt, dass man noch ein zusätzliches Handgelenk braucht, um ihn erreichen zu können. Ansonsten sind die Platzverhältnisse erfreulich grosszügig, auch hinten – aber man sieht halt nicht so recht nach draussen, was dem coolen Design geschuldet ist. Es gibt auch noch 673 Liter Kofferraum, das ist bestens; bei abgeklappten Rücksitzen sind es 1731 Liter. Aber das darf man von einem 4,80 Meter langen Fahrzeug auch erwarten.

Der Velar teilt sich die Plattform mit dem Jaguar F-Pace. Und das ist gleichzeitig auch so ein bisschen sein Problem: Stromer sind zwar angekündigt, doch vorerst gibt es nur das klassische Programm an Selbstzündern und Benzinern mit einer Leistungsspanne von 180 bis 380 PS. Wir haben uns selbstverständlich das böseste Gerät geschnappt, supercharged, weil das halt auch am besten zu Hot-Rod passt. Und ja, das Teil marschiert: grob. Trotz 1,9 Tonnen Gewicht. Es klingt auch gut, und 5,7 Sekunden von 0 auf 100 sowie 250 km/h Höchstgeschwindigkeit sind Werte, die heute einfach zum guten Ton gehören. Mein Haus, meine Yacht, mein supercharged-Velar. Velar, übrigens, war der Tarnname bei der Entwicklung des allerersten Range Rover; ist auch schon ein paar Wochen her.

Allerdings: Fröhlich ist das alles nur geradeaus. Nicht alles, was sportlich aussieht, hat dann auch ein sportliches Fahrverhalten. Er neigt sich dann halt schon, der Velar, und weil man doch relativ weit oben sitzt, schafft das nicht jenes Vertrauen, das man braucht, wenn man die Kurvenfolge etwas flotter durcheilen will. Wir verstehen die Fahrwerksabstimmung insgesamt nicht ganz: das Teil ist in der Strassenabstimmung ziemlich hart, also, komfortabel ist anders, aber sportiv geht dann doch nicht? Und nein, bitte die elektronischen Helferlein nicht ausschalten, die 380 PS können ziemlich impulsiv werden, wenn man sie fordert, das sind so Überraschungen, die man bei solchen Geräten nicht wirklich braucht (ok, bei uns war die Strasse teilweise nass). Man darf aber davon ausgehen, dass es auch noch eine 500-PS-plus-Version geben wird, dann wird das alles auch nicht besser. Und nein, wir waren nicht im Gelände, irgendwie will man diesen Wagen ja nicht verschmutzen.

Der Velar kostet ab 64’900 Franken. Das sind 10’000 Franken weniger als der nur 5 Zentimeter längere Range Rover Sport – und 24’000 Franken mehr als der Evoque. Für den P380 sind dann schon mindestens 78’300 Franken aufzuwenden, dies aber quasi für eine Nackt-Version; solches will ja niemand in diesem Preissegment. Und so kommt dann reichlich Geld zusammen, wenn man sich einen feinen Velar konfiguriert (und das sollte man), da schenken die Briten der deutschen (und schwedischen) Konkurrenz nichts. Aber so ein Velar sieht halt einfach besser aus, aussen wie innen (zumindest als die deutschen Produkte…). Und deshalb ist dann alles wieder: relativ.

Nein, wir haben nicht mehr Range Rover in unserem Archiv. Aber viel anderes.

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