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750E – Giulietta Sprint Veloce

Allegerita

War schon die serienmässige Giulietta Sprint (750B) ein ganz nettes Wägelchen, das den stärkeren Porsche 356 bei Rennen regelmässig den hübschen Hintern zeigte, so wurde dann die 1956 vorgestellte «Veloce»-Version (750E) zu einem ernsthaften Renngerät. Mille Miglia, 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring, Targa Florio auf Sizilien, 12-Stunden-Rennen in Sebring, Bergrennen und Rallyes in ganz Europa, Eisrennen in Schweden – überall räumten Piloten der Giulietta Sprint Veloce die Pokale ab.

Der Veloce hörte auf die interne Bezeichnung 750 E – und Alfa Romeo hatte es nicht mit ein paar Leichtmetallteilen belassen. Weil bei Bertone immer noch vor allem von Hand gearbeitet wurde, konnte man das Grundkonzept problemlos variieren. Die Karosserie des Wagens bestand aus dünnerem Stahlblech von 0,8 bis 1,0 mm Stärke, die Türen waren noch 8,5 kg schwer, was durch Verzicht auf Kurbelfenster (und deren Mechanismus) und die Verwendung von Aluminium geschafft wurde. Aus Alu waren auch Kofferraumdeckel und Motorhaube gedengelt.

Im Innenraum wurde auf alle unnötigen Teile – Handschuhfachdeckel, Sonnenblenden, etc. – verzichtetet, die Lärmdämmung entfiel komplett, die Seitenscheiben – die hinteren waren auch beim Veloce schwenkbar – bestanden aus Plexiglas. Zur Verbesserung des Fahrverhaltens wurden vorne und hinten härtere Federn verbaut, auch die Stossdämpfer wurden angepasst. Damit wurde auch die Seitenneigung in Kurven reduziert. An der schon feinen Konfiguration der Aufhängungen – doppelte Dreieckslenker vorne, Starrachse an Längslenkern mit angelenkten Dreieckslenkern hinten – waren keine Verbesserungen nötig.

Richtig grossartig waren aber die Maschine. Die Verdichtung wurde von 8:1 auf 9:1 erhöht, statt des Solex-Vergasers waren nun zwei Weber-Doppelvergaser für reichlich Saft verantwortlich, unterstützt von Ansaugleitungen mit grösserem Querschnitt. Auch der Auslass wurde grosszügiger dimensioniert. 92 PS bei 6000/min sollen es gewesen sein; geschaltet wurde weiterhin über vier Gänge (eine Fünfgang-Version war erst in Planung).

Diese frühen Exemplare, die alle von Hand hergestellt wurden bei Bertone, werden heute als «Allegerita» bezeichnet; sie wurden nur bis Mitte 1958 gebaut, es verliessen (wahrscheinlich) 500 bis 600 Exemplare die Hallen in Grugliasco. Schon 1957 gab es aber einen «Veloce Lusso» (oder auch: confortevole), einen Sprint mit dem stärkeren Veloce-Motor, aber normaler Karosse und Innenausstattung. Selbstverständlich sind die «Allegerita» heute besonders gesucht – und unverschämt teuer. Normale Veloce sind deutlich günstiger – und deshalb ist Vorsicht geboten. Wir sammeln hier so ein bisschen, dies unten ist ein echter Sprint Veloce von 1958 (alle andern hier gezeigten Fahrzeuge werden als «Allegerita» bezeichnet).

Die Übersicht über alle Giulietta: hier. Die Übersicht über alle unsere Alfa-Stories: das Lexikon.

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