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Land Rover Defender V8 Edition

[:full throttle]

Da wäre doch noch mehr möglich gewesen. Mehr PS sowieso, man hätte doch auch die 575 Dingers aus den SVR im Angebot gehabt, da sind die 405 aus doch 5 Liter Hubraum samt supercharged ein bisschen lächerlich. Nur Achtgang-Automatik, wenn sogar der Jeep Compass neun Gänge hat? Aber richtig schwach, geradezu peinlich sind die 18-Zöller, Himmel, wer will sich denn heute noch mit solchen Zwergen-Gummis sehen lassen, da muss man den Wagen ja ins dunkle Parkhaus stellen, sonst ist man die Lachnummer. Oder neudeutsch: der fullthrottle, also: Volltrottel. Semi-Slicks auf 23-Zöllern, ja, das wäre fein, da wäre man vor der Agglo-Disko der mit der prallen Hose. Und Vokuhila als Sonderausstattung. Den Fuchs für das entprechende Accessoire an die Antenne könnte man ja auch noch selber überfahren, wenn man denn so einen Land Rover Defender als V8 Edition überhaupt fahren könnte. Wollte. Aber hey, das Dach ist immer Santorini-Schwarz, das ist der wahre automobile Fortschritt.

Im Ernst: wir sehen hier das allerallerdümmste Gerät des Jahres schon im Januar. Vielleicht ist er auch der fullthrottle des Jahrzehnts. Wer schon einmal versucht hat, einen Defender so einigermassen am Limit zu bewegen, der weiss, dass bereits die 122 Serien-Pferde eigentlich zu viel sind, dass der Wagen schon 1948, als er auf den Markt kam, nicht den Bedürfnissen des Strassenverkehrs entsprach. Und jetzt; 405 PS, 515 Nm. 0 auf 100 in 5,6 Sekunden. Vielleicht, also falls das Ding auf der Strasse bleibt. Höchstgeschwindigkeit: 171 km/h. Viel Vergnügen. Airbags gibt es ja nicht. Und Side-Pipes auch nicht.

Wir wissen jetzt nicht so recht, wen man zuerst in die Psychohygiene schicken sollte, die allfälligen Käufer oder den Hersteller. Dass Jaguar-Land Rover die Ideen längst ausgegangen sind, ist bekannt, sonst würde man das Heil ja nicht in immer neuen Neuauflagen suchen (XKSS, E-Type Lightweight, XE (oder ist der neu?), E-Pace (aber nicht elektrisch), etc.). Doch noch ärmer dran sind wohl die Kunden, die sowas brauchen, denn das unfahrbare Teil kostet ja dann auch noch ab 150’000 Pfund. Es ist übrigens nicht zu empfehlen, so einen Defender einfach zu kaufen und dann wegzustellen, in der Hoffnung, dass sich die Preise verzehnfachen – die Teile rosten weg, wie wir aus eigener Erfahrung wissen. Maximal 150 Stück sollen entstehen, 90er oder 110er, egal.

Wir hätten dem Defender zu seinem 70. Geburtstag eine schöne Torte gewünscht, mit ein paar Kerzchen. Doch statt «Rest in Peace» gibt es jetzt: «Lost in Pimp». Ach ja, in diesem Zusammenhang, schöner Schlusssatz in der Presse-Mitteilung: «The all-new Defender is subject to further announcements». Nein, wir haben weder Jaguar noch Land Rover in unserem Archiv.

4 Kommentare

  1. Eigentlich erstaunt mich diese vernichtende Kritik. Natürlich ist dieser Wagen an Sinnlosigkeit kaum zu übertreffen. Aber von dieser Fraktion gibt es einige………
    Für die vielen Defender Fans, zumindest für die liquiden, ist dies doch der absolute Höhepunkt. Ich bin überzeugt, dass die Produktion schon ausverkauft ist. Dann ist ja alles gut!

  2. D. Seliger D. Seliger

    Aber, aber: Nach all den SUV-Exzessen deutscher Automobilkunst (s. zuletzt Detroit: Herr Zetsche und seine g-class) darf das doch nun wirklich nicht wunder nehmen!!

    Der Kreis derer, die sich fremdschämen, wird gefühlt leider immer kleiner …

  3. Hüendli Hüendli

    Da haben sie in Solihull wohl ein wenig futterneidig nach Graz geschaut, wo man dieses Spiel seit bald 20 Jahren beherrscht. Dort wurde immerhin soweit es ging alle paar Jahre auch das Interieur auf den aktuellen Stand gebracht. Und nun hat man sich, oh Wunder, doch noch dazu entschieden, es richtig zu machen. By the way, wurde nicht schon vor geraumer Zeit in Safenwil Abschied vom Defender gefeiert, oder habe ich da beim Vorbeifahren halluziniert?

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