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Lamborghini Miura SVJ

Der heilige Gral

Das wildeste Vieh unter den Miura war der heftig bespoilerte Jota, den sich Bob Wallace, der legendäre Lamborghini-Testfahrer, 1970 so ein bisschen in Eigenregie als potenzielles Rennfahrzeug zusammenbaute, schön gemäss FIA-Reglement. Ferruccio Lamborghini wollte das nicht, ihm erschien die Rennerei als Geldverschwendung, so war Wallace auf sich selber angewiesen – und darauf, was er an Teilen so fand. Der erste Lamborghini Miura SVJ war ein später SV (Chassisnummer 5084) mit Trockensumpf-Schmierung, der etwa 420 PS stark gewesen sein soll und dank der extensiven Verwendung von Alu (auch beim Chassis), Plexiglas-Bremsen (!) und -Scheiben, einem komplett leer geräumten Innenraum und nur noch einem Scheibenwischer auf ein Leergewicht von unter 900 Kilo kam. Interessant die technische Lösung, die Wallace für den Tank anwandte: er verbaute zwei 60-Liter-Tanks anstelle des beim Miura sonst im Vorderwagen angebrachten Behältnisses – und zwar in die Seitentüren. Das Ersatzrad wanderte hinter den Motor, auch zur besseren Gewichtsverteilung. Wallace will diesen Jota in nur 3,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt haben. Aber Wallace nahm es allgemein nicht so ganz genau mit den Zahlen, er erzählte auch, dass er jeweils in zwei Stunden und 20 Minuten von Sant’Agata nach Rom habe fahren können, und in 38 Minuten von Modena nach Mailand, was einen Durchschnitt von 268 km/h entsprechen würde. Da muss er aber viel Rückenwind und Heimweh und Abendsonne gehabt haben, der Mister Wallace, der 2013 verstorben ist.

Die Geschichte des «echten» Jota ist etwas traurig. Eigentlich hätte das Fahrzeug wieder zurückgebaut werden sollen als SV, doch es wurde einigermassen heimlich an den Millionär Alfredo Belpone verkauft. Der den Jota dann 1972 auf einer abgesperrten Autobahn in der Nähe von Brescia komplett zerstörte, das Fahrzeug brannte nach dem Unfall aus und wurde nie wieder aufgebaut. Punkt.

Nach dem Vorbild des Jota wurden schliesslich noch fünf SV im Werk zu SVJ umgebaut. Zwei davon basierten auf noch ungebrauchten Chassis (Chassisnummern 5090 und 5100), die anderen drei (Chassisnummern 4934, 4860 und 4990) wurden von SV-Varianten her nachträglich produziert, einer davon (4934) für den Schah von Persien. Nur der Wagen mit der Chassisnummer 5084 verfügte über die Trockensumpf-Schmierung. Und nein, damit ist die Miura-SVJ-Geschichte noch nicht zur Ende: Irgendwann zwischen 1983 und 1987 liess sich der damalige Lamborghini-Besitzer, Jean-Claude Mimran, noch einen SVJ bauen, auf Basis eines ungebrauchten S-Chassis (dessen Chassisnummer wir leider nicht kennen).

Das Problem ist so ein bisschen: Noch manch ein Miura wurde (so einigermassen) auf SVJ-Spezifikationen umgebaut, meistens allerdings nur optisch. Die Tragödie ist, dass die Umbauten leider nichts wert sind – im Gegensatz zu jenen fünf (oder sechs), die vom Werk verwandelt wurden. Wir zeigen hier zwei Stück, 4280 (unten) und 4892 (oben), die nicht in die SVJ-Liste gehören – sie finden sich in unserer Miura-Sammlung jeweils als das, was sie wirklich sind. Auf einen «echten» SVJ warten wir gespannt.

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