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Kombinationskraftwagen

Liebe Gemeinde…

…wir haben uns hier versammelt, um unserem gemeinsamen Hobby zu frönen. Nein, es geht hier weder um Kaffeerahmdeckeli noch um Golf oder die Ornithologie. Es geht um ein Fahrzeug, dass jeder von uns früher oder später kennenlernen wird. Wobei kennenlernen ist wohl eher übertrieben, er wird darin gebettet. Das letzte Auto ist immer ein Kombinationskraftwagen, heisst es. Ja, das war bisher so. Aber längst sind die klassischen Leichenwagen eine aussterbende Spezies, anonyme Minivans sind deutlich billiger in Anschaffung und Unterhalt. Vielleicht auch deshalb treffen sich Leichenwagenfahrer aus halb Europa jeweils am Pfingstwochenende am Südfriedhof in Leipzig. Der Rahmen passt. Denn gleichzeitig findet jeweils das Wave und Gothic Treffen mit gut über 20’000 Besuchern statt. Somit ist man dem «Zielpublikum» sehr nahe. Oder besser ausgedrückt: man fühlt sich eher verstanden, als wenn man sich zum Beispiel im Juli an einem Campingplatz treffen würde.

Wer nun meint, dass es halt ein paar Spinner gibt, die in der Freizeit oder gar als Alltagsauto einen Leichenwagen nutzen, der hätte sich in Leizig die Augen gerieben. Vierzig Fahrzeuge trafen sich am Hauptbahnhof, um dann im Corso den Südfriedhof anzusteuern. Unter ihnen auch ein paar Exoten, vor allem aber Mercedes und Volvo aller möglicher Jahrgänge. Unter ihnen auch ein Transporter aus ehemaliger DDR-Produktion, ein Barkas B1000. Mausgrau, etwas rostig – ja, in der DDR war auch das Sterben etwas weniger luxuriös als im Rest der Welt. Aber auch eine klassische Limousine war anzutreffen. Ein Chevy Impala, schwarz, lang und vor allem mit einem Geheimnis im Kofferraum (siehe Bilder)… Erfolglos haben wir versucht, die Beweggründe zu eruieren, warum man in der Freizeit mit einem Leichenwagen durch die Gegend düst. Denn die Vielzahl der Antworten würde den Rahmen dieser Berichterstattung sprengen. Sicher ist, dass diese Szene absolut keine Berührungsängste kennt. Fragen – die werden sehr gerne beantwortet, genaues Inspizieren der Fahrzeuge ist sogar gewünscht. Nicht da von: «nicht anfassen, das Fahrzeug kostet 30000 Franken». Ob es ein Leichenwagentreffen 2019 geben wird, ist noch nicht ganz klar, der Event wird immer grösser und somit die Organisation immer aufwendiger. Wenn, dann steht der Termin immerhin fest: Der Samstag an Pfingsten, 14 Uhr, Südfriedhof Leipzig.

Wir bedanken uns bei Markus Chalilow für Text und Bilder. Andere schöne Kombinationskraftwagen haben wir in unserem Archiv.

2 Kommentare

  1. Daniel Daniel

    Ach ja, ich hatte auch mal einen… Mercedes W123 von 1979, wunderbares Fahrzeug. Ich habe damals für eine Lebensversicherungs-Gesellschaft im Aussendienst gearbeitet. Firmenwagen bekam ich keinen, nur eine bescheidene Kilometer-Pauschale. Der Leichenwagen war a) schon immer ein Wunsch von mir und b) eine kleine Rache an der unfairen Haltung mir kein Auto zur Verfügung zu stellen 😉

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