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10’000 Kilometer im Volvo XC40

«Car of the Year»

Die Beziehung wird dann schon intensiver, enger, wenn man so 1100 Kilometer an einem Stück runterreisst. Einmal tanken, Cola, Brötchen, weiter. Und drei Tage später auf dem Rückweg das gleiche Spiel wieder, mit einer Pause mehr, denn der Tank ist mit seinen 54 Litern Fassungsvermögen nicht gross genug für die ganze Strecke. Das soll keine Klage sein über den Verbrauch unseres Volvo-XC40-Testwagens, seines Zeichens ein 190 PS starker D4 mit Allradantrieb, auf diesem Ausflug waren es knapp über 7 Liter, in der Schweiz und über die ganzen 10’000 Kilometer im Volvo XC40 stand eigentlich immer eine 6 vorne, mal tiefer, mal höher, aber das ist ganz ok so, auch wenn das Werk für diese doch über 1,8 Tonnen schwere Variante 5,0 Liter angibt. Aber Selbstzünder wollen sie ja nicht mehr bei Volvo, der neue S60 wird ganz darauf verzichten müssen (der Verzicht fällt Volvo nicht besonders schwer, weil dieser S60 eh vor allem in Amerikeit und China verkauft, und die mögen Diesel ja eh nicht), und unsereins fehlt dafür etwas das Verständnis. Denn gerade auf solch langen Reisen, da ist dieser Antrieb eine Freud’, angenehm ruhig auch bei höheren Tempi, erfreulich durchzugskräftig bei Überholvorgängen (400 Nm bei 1750/min…) – und eben, nicht übermässig durstig.

Eben, diese engere Beziehung. Wir kennen die Volvo ja nun wirklich gut, sind sie alle ausführlich gefahren, bedienen quasi sie blind. Beim XC40 ist alles ein bisschen kleiner, auch der Touchscreen und das Drumherum – logisch, er ist 20 Zentimeter kürzer als ein XC60 (4,43 Meter statt 4,63), und sechs Zentimeter flacher sowie auch noch deren drei schmaler (XC40: 1,65 Meter hoch, 1,83 Meter breit), da ist auf den den ersten Blick nicht ganz so viel Platz (auch im Kofferraum nicht, 460 Liter anstatt 495, maximal 1336 anstatt 1455). Doch: Vorne spürt man davon nichts, auch die hinteren Passagiere sitzen anständig – man weiss gar nicht so recht, ob man den grösseren XC60 auf der SPA-Plattform wirklich braucht, denn die Raumausnutzung im XC40 auf der moderneren CMA-Plattform erscheint vorbildlich. Was aber nicht gilt beim schon erwähnten Gewicht – man weiss irgendwie gar nicht so recht, wo all diese Kilos bei diesem doch noch kompakten Fahrzeug herkommen. Einverstanden, alle Volvo sind bis oben vollgestopft mit mäniglich Assistenz-Systemen und Sicherheits-Features, das muss so sein bei den Schweden, sie haben einen Ruf zu verteidigen, doch Elektronik ist doch eigentlich gar nicht so schwer. Wie auch immer – dafür rollt der XC40 dann halt auch bestens auf der Autobahn, ist sehr komfortabel, eher auf der weichen Seite. Was man schätzt, wenn man nicht dauernd mit dem Messer zwischen den Zähnen unterwegs sein will. Für den sportlich-aggressiven Piloten ist diese Fahrwerksabstimmung aber wohl eher nicht so der Traum, auch dann nicht, wenn man den Modus «Sport» wählt. Dass die Schweden da einen deutlichen Contra-Punkt zur deutschen Härte setzen, ist sicher gewollt – und eine gute Entscheidung.

Also, Beziehung – wie im richtigen Leben. Wenn man sich dann etwas besser kennt, der Reiz des Neuen nicht mehr so da ist, wenn man sich da auch mehr auf die Kleinigkeiten und inneren Werte konzentrieren will und kann. Da macht der XC40 halt auch mittelfristig einen guten Eindruck, es gibt noch so manches, was gefällt und überzeugt – die Filzverkleidungen an den Türen, zum Beispiel, die sind irgendwie cool. Klar macht das Volvo auch aus Kostengründen, doch Volvo macht das eben gut, geht neue Wege. Wir schätzen auch den kleinen Abfalleimer, der quasi luftdicht verschliesst, das Kofferraum-Management ist «simply clever», lässt sich quasi massgeschneidert an die Grösse der Gepäckstücke anpassen. Man kennt mit der Zeit dann halt aber auch die Problemzonen, uns nervte der Spurhalte-Assi, den man nach jedem Neustart wieder abschalten muss (ja, ist gesetzlich vorgeschrieben, macht es aber nicht besser) – und wir hatten etwas Mühe mit der Klimatisierung, die im XC40 in Zonen aufgeteilt ist. Was dann zur Folge haben kann, dass man oben schön warm hat, aber kalte Füsse. Oder man hat warme Füsse – und oben ist dann Sauna. Leider konnten wir nicht rausfinden, wie sich das ändern liesse, auch in dieser längeren, intensiven Beziehung nicht. Dafür sind die Sitze gut, bequem, mit gutem Seitenhalt, auch nach diesem 2x-1100-Kilometer-Ritt stiegen wir ganz entspannt aus, keinerlei Probleme mit dem Rücken. Nach über 10’000 Kilometern können wir vermelden: qualitativ scheint der XC40 auf dem erwarteten Niveau zu sein, wir hatten keinerlei Probleme, es scheppert nichts. Dass er günstiger sein muss als seine grösseren Brüder, das merkt man allerdings schon – nicht bei der Verarbeitung, aber bei den verwendeten Materialien. Mehr Plastik, manch eine Kante ist weniger intensiv behandelt worden.

Auch bei längeren Beziehungen ist das Aussehen ja nicht unwichtig. Unser Testwagen hatte diese, hmm spezielle Lackierung, Babyblau, weisses Dach, weiss lackierte Felgen. Das ist nun anscheinend nicht nach aller Gusto, aber uns hat das gefallen – es gibt dem Schweden etwas Sympathisches. Gut, wir sind ja sowieso froh, wenn es nicht das übliche Leasing-Grau-Silber ist, doch das unaufgeregte, coole Design des XC40 kommt in dieser Farbkombination gut zur Geltung. Er muss auch nicht einen auf dicke Hose machen, der momentan noch kleinste Volvo – und damit macht er wohl nicht nur bei den potentiellen Käuferinnen Punkte. Uns entlockte er immer wieder ein Lächeln – und damit hat er ja quasi schon gewonnen. Was man auch an den Verkaufszahlen sieht, der XC40 bricht gerade alle Volvo-Rekorde – es ist zu hoffen, dass sich die langen Lieferfristen nicht als Boomerang erweisen.

Mit dem Basispreis von 36’500 Franken für den 156 PS starken ist der XC40 eine Kampfansage an die etablierten Premium-Hersteller. Er ist dann aber auch gleich die einzige Variante unter 40’000 Franken – unser D4 AWD kostet dann schon mindestens 47’600 Franken, in der Top-Variante satte 53’800 Franken. Im Vergleich zum XC60, der in vergleichbarer Ausstattung ziemlich genau 10’000 Franken mehr kostet, ist das eigentlich ein Schnäppchen, aber es ist andererseits schon auch reichlich Moos für ein kompaktes SUV, zumal ja auch die Liste der Sonderausstattungen nicht gerade kurz ist. Damals, im Frühling, hatte «radical» den Volvo XC40 bei der Wahl zum «Car of the Year» nur auf den zweiten Platz gesetzt (der Schwede gewann dann trotzdem, locker) – unterdessen, nach dieser längeren Beziehung, erscheint uns dieser Titel auf jeden Fall verdient.

Viel mehr Volvo haben wir in unserem Archiv.

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