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Ford Galaxie 500 Lightweight

Schweres Leichtgewicht

Im Februar 1961, gewann ein Mann namens Marvin Panch die Daytona 500, das damals neben Indianapolis wichtigste Motorsport-Rennen in den USA. Mister Panch ist nicht weiter von Bedeutung für die Automobil-Geschichte – dass er seinen Sieg auf einem Pontiac erreichte hingegen schon. Zwar gab es seit 1957 die «Safety Resolution» in der sich die amerikanischen Auto-Hersteller verpflichteten, weder aktiv Rennsport zu betreiben noch in der Werbung Begriffe zu verwenden, die irgendwie mit «speed» hätten in Verbindung gebracht werden können. Es war aber ein offenes Geheimnis, dass General Motors heimlich sehr viel Geld investierte, um in sämtlichen Rennklassen Erfolge einzufahren. Und so gewann Chevrolet 1961 von 42 ausgetragenen NASCAR-Rennen deren 41. Und im Mai 1962 war der Marktanteil von GM im Vergleich zum Vorjahr von 49 auf 61,6 Prozent gestiegen. Am 11. Juni 1962 unterschrieb Henry Ford II eine von Lee Iacocca verfasste Presse-Mitteilung, in der er ankündigte, dass sich die Ford Motor Company zukünftig nicht mehr an die «Safety Resolution» halten werde. Das grosse Rennen konnte beginnen. Damals gab es aus Sicht von Ford genau fünf Veranstaltungen, die besonderen Aufwand rechtfertigten: Daytona, Indy, Le Mans, der GP von Monaco und die Rallye Monte Carlo (auch so eine schöne Ford-Story, hier). Zuerst versuchte Henry Ford II. den aus seiner Sicht simpelsten und schnellsten Weg zu gehen, nämlich Ferrari zu kaufen (nachzulesen in allen Details: hier). Als Enzo Ferrari doch nicht so begeistert war, warf Henry Ford eine beispiellose Offensive an: 1963 befahl Ford den Bau des GT40, unterstützte Caroll Shelby mit seinen Renn-Cobras, verbündete sich mit der damals zweitbesten Adresse: Colin Chapman (woraus der Indy-Lotus 29, der Lotus-Cortina und der spätere Cosworth-V8 für die Formel 1 entstanden). Und Ford stieg wieder in die Stockcar-Serie ein. Als passendes Modell erschien der Galaxie – der in früheren Jahren nicht unbedingt als Sportwagen glänzte. (Wir haben auf unserer Facebook-Seite eine kleine Ahnen-Galerie, mit jeder Menge Bildern, also: 1963 Sedan, 1962 Sedan, 1962 Sunliner, 1961 Sunliner, 1960 Starliner, 1960 Sunliner, 1959 Fairline 500 Skyliner).

Das Rezept war damals noch ziemlich einfach: Mehr Kraft und weniger Gewicht. Die Lightweight-Galaxie mit Jahrgang 1963 waren 425 Pfund (also etwa 193 Kilo) leichter als die Serien-Fahrzeuge. Dies schaffte man, indem die Motorhaube und der Kofferraumdeckel aus Fiberglas sowie die Kotflügel aus Alu gefertigt wurden. Dazu gab es einen leichteren Rahmen, zwar gleich wie bei den Serien-Galaxie, aber handgefertigt, mit minimalsten Toleranzen. Ausserdem wurde alles, was nach Luxus aussah, entfernt, es gab Gummimättchen anstatt Teppiche, keinen Radio, keine Uhr – es verblieben aber immer noch beachtliche 1580 Kilo. Aber dann wurde selbstverständlich noch die gröbste Maschine aus dem Ford-Programm installiert, der 427er, dem man ebenfalls von Hand noch etwas mehr Liebe angedeihen liess, was dann zu offiziell 425 PS führte; die Kraftübertragung übernahm das T10-Viergang-Getriebe mit Alu-Schale. Die Viertelmeile schaffte der Ford Galaxie 500 Lightweight, der stolze 4197.15 Dollar kostete (der Lightweight-Aufpreis lag bei 1414.15 Dollar), in guten 12 Sekunden. 200 Stück wurden 1963 gebaut, sie kamen alle in Corinthian White mit einem roten Interieur. Und sind heute richtig viel Geld wert. Ach ja, Erfolg hatten sie selbstverständlich auch, die Galaxie, sie gewannen 1963 23 von 55 Rennen. Und 1964 dann 31 von 62.

Mehr Ford haben wir in unserem Archiv.

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