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Porsche 718 RS-61

Stirlings letzte Liebe

Die zarten Rennwagen aus Stuttgart stellten einst die Motorsportwelt auf den Kopf, spielten David gegen Goliath. Sie gewannen alleine das harte Straßenrennen Targa Florio 1956, 1959 und 1960. Moss erinnert sich an die Porsche-Typen RS60 und 61: «Ganz einfach super Autos – wunderschön ausbalanciert und maßgeschneidert für Rennen wie die mächtige Targa Florio, die rund 700 Kilometer über sizilianische Bergstraßen führte. Ich bin in der Früh aufgewacht und sagte zu mir selbst: ‚Für das heutige Rennen hast du das ideale Auto…’»

1961 teilte er sich unter der sengenden Sonne Siziliens das Cockpit eines RS60 mit dem späteren zweifachen Formel-1-Weltmeister Graham Hill. «Unser Rennwagen war perfekt für den Kurs, wir hätten uns nichts besseres wünschen können. Nach den ersten vier Runden lag ich eineinhalb Minuten in Führung und übergab das Steuer an Graham. Als ich wieder dran war, lagen wir 76 Sekunden hinter einem Ferrari, aber es gelang mir, den Rückstand in 65 Sekunden Vorsprung zu verwandeln – aber acht Kilometer vor dem Ziel fielen wird mit einem Getriebeschaden aus», erinnert sich Moss, wie Ferrari am Ende doch gewann. «Wir waren die moralischen Sieger des Rennens. Aber das bringt einem leider nicht das Siegergeld.» Ähnliches spielte sich bei den 1000 Kilometern vom Nürburgring ab: Auf der regennassen Strecke übernahm Moss bald die Führung, aber als der Kurs auftrocknete, setzten sich die stärkeren Ferraris durch. «Graham übergab mir das Steuer. Wir waren Fünfte. Dann begann es zu schneien!» Der Porsche schlug sich unter den Bedingungen bravourös. «Bald waren wir Dritte, dann zweite und als es so aussah, als ob wir die Führung übernehmen würden, fielen wir mit einem Defekt aus.»

Obwohl er damit nicht gewinnen konnte, hat den Briten die Liebe zu diesem «grossen kleinen Porsche» nie losgelassen. Und als er 2010 bei einer Auktion in Florida einen restaurierten RS61 sah, «habe ich mich gleich wieder von Neuem verliebt». Damals erholte er sich gerade von seinem Unfall, als er in seinem Haus in einen Liftschacht gestürzt war. Also ersteigerten Moss und seine Frau Susie den Rennwagen für rund 1,5 Millionen Euro – «Ein wundervolles Geschenk zum 30. Hochzeitstag.»

1961 war der Wagen mit der Chassisnummer 070 neu an Bob Holbert in Pennsylvania ausgeliefert worden. Zu seiner Zeit war er einer der führenden Porsche-Spezialisten in den USA und nahm mit dem Spyder an vielen Rennen teil. Holbert verkaufte den RS61 an den Herrenfahrer Tom Payne, der Wettbewerbe stets in Anzug und mit Krawatte bestritt. Mit dem dritten Besitzer, Millard Ripley, feierte der Porsche seine wichtigsten Triumph und zwar auf der traditionsreichen Strecke in Watkins Glen. Insgesamt fuhr er 13 Siege und 30 Podiumsplätze ein, bevor der 1963 aus dem Motorsport zurückgezogen wurde.

Wieder genesen, ging Moss mit seiner Neuerwerbung ein paar Monate später in Laguna Seca an den Start. Doch das Getriebe blockierte bei der Aufwärmrunde, der 16-fache Grand-Prix-Sieger drehte sich von der Strecke und wurde von einem Lotus touchiert. Moss blieb unverletzt, der Porsche fuhr einen veritablen Frontschaden ein, der beim britischen Spezialisten Prill repariert wurde. Im Jahr darauf schrieb sich Moss mit dem RS61 bei Le Mans Classic ein und fasste beim Qualifying einen Entschluss. Über Radio Le Mans verkündete er: «Heute Nachmittag hatte ich Angst. Ich habe immer gesagt, wenn ich mich dem Rennfahren nicht mehr gewachsen fühle oder den Kollegen im Weg herumfahre, höre ich auf. Ich liebe den Motorsport, aber jetzt ist es Zeit, aufzuhören.» Damit ist der RS61 das letzte Auto, das von Stirling Moss im Renneinsatz bewegt wurde.

Mehr Porsche haben wir in unserem Archiv.

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  1. […] alles gegeben. Sie haben tief in die Trickkiste gegriffen, ja sogar den Namen geändert. Mit „718“ haben sie ein Baureihenkürzel aus der Vergangenheit ins Jetzt übersetzt, wie passender kaum […]

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