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Fahrbericht Audi Q8

Der Bessere

Der X6 von BMW ist unter den aktuellen Automobilen das grauenerregendste überhaupt, das GLE Coupé von Mercedes dann noch eine wirklich billige Kopie davon (und als OMG so ein bisschen das Ende der Zivilisation). Nun gibt es ja aber trotzdem Menschen, die solche SUV-Krüppel kaufen, die aus unerfindlichen Gründen das Gefühl haben, so ein hässliches, hochgestuhltes Coupé mit miserablen Platzverhältnissen sei genau das, was sie haben müssen zu ihrer Selbstdarstellung – und da kann Audi natürlich nicht zurückstehen, darf seinen Konkurrenten den Markt nicht kampflos überlassen. Man kommt zwar gut zehn Jahre zu spät, aber das ist ja nicht unüblich im Volkswagen-Konzern.

Erfreulicherweise hat die Premium-Marke im Volkswagen-Konzern aber nicht den Fehler gemacht, noch eine X6-Kopie zu lancieren, nicht noch so einen Widerspruch auf Rädern zu produzieren, sondern lässt mit dem Q8 nicht nur die beiden Konkurrenten dumm aussehen, sondern auch gleich noch den eigenen Q7 uralt. Es würde uns nicht wundern, wenn der Q8 dem Q7 sehr schnell den Rang ablaufen wird, denn allein schon optisch ist er deutlich gelungener – und grosse Einbussen bei den Platzverhältnissen muss der Kunde auch nicht in Kauf nehmen. Übrigens weiss man schon, dass beim Facelift des Q7 dessen Design heftig in Richtung Q8 tendieren wird – es besteht also tatsächlich noch Hoffnung, dass auch die Ingolstädter manchmal vernunftgetrieben sind. Und auch wenn wir nun wahrlich keine SUV-Verfechter sind und auch der Marke in ihrem etwas gar grossen Selbstverständnis eher kritisch gegenüberstehen: doch, dieser Audi ist optisch gelungen. Von einer fast schon audi-untypischen Zurückhaltung, wir sind beinahe versucht zu schreiben: Eleganz. Vorne ist der neue Grill zwar immer noch ein heftiges Statement, aber hinten sieht das schon gut aus.

Der Q8 basiert auf der MLB-Plattform, also gleich wie der VW Touareg, der Porsche Cayenne, der Bentley Ben-Tanga und der Lamborghini Urus (Fahrbericht folgt); er wird im VW-Werk in Bratislava gefertigt. Und weil er ja das vorläufige Top-Modell unter den Audi-Süffern darstellt, kriegt er auch von allem und allen nur das Beste (auch das digitale Cockpit aus dem Touareg, also diesen riesigen Doppel-Bildschirm? Hmm, das wissen wir jetzt gar nicht). Wir sind ja beim #tannistest2018 ein paar Audi gefahren, den A1 hatten wir schon beschrieben (können ihn aber erst am 21.11. wieder veröffentlich), der Fahrbericht vom A6 folgt dann noch – und wir wollen den Ingolstädtern attestieren, dass sie das innen schon sehr, sehr gut hinkriegen. Gut, man weiss noch nicht, wie diese Touchscreens dann nach einigen Monaten, Jahren aussehen werden, wenn da fleissig mit Weisswurstfettfingern drin rumgepfotet wird, aber so ganz neu und glänzend sieht das schon sehr gut aus. Und lässt sich sofort ganz intuitiv bedienen. Aber über Ergonomie und Haptik muss man sich bei Audi ja schon seit Jahren keine Gedanken mehr machen, da sind sie ganz, ganz oben. Sehr gute Sitze hat der Q8 auch noch, man thront zwar hoch, sehr komfortabel, doch das Gestühl bietet auch bei flotterer Fahrt guten Seiten. Auch die Wahl der Materialien und deren Verarbeitung ist selbstverständlich: Premium. Assisysteme gibt es so viele, dass wohl auch der Verkäufer kaum mehr die Übersicht hat, und überhaupt ist der Q8 ja quasi ein fahrendes Smartphone.

Gut ist das Raumgefühl nicht nur vorne. Auch hinten gibt es reichlich Platz, nicht nur für die Knie, sondern auch für den Kopf – dies im krassen Gegensatz zu einem X6 oder GLE Coupé, wo hinten besser nur Pygmäen untergebracht werden. Die Rückbank ist sogar um 10 Zentimeter in der Länge vestellbar, man kann also wählen zwischen viel Kofferraum und viel Beinfreiheit. Der Kofferraum selber bietet zwischen 605 Liter (Rückbank ganz vorne) und 1755 Liter (Rückbank abgeklappt) Volumen, das dürfte die meisten Bedürfnisse mehr als befriedigen. Eigenartig allerdings: diese Rückbank lässt sich nicht vom Kofferraum aus umklappen, da hat man bei Audi wohl schlicht etwas vergessen.

Uns bewegte der bekannte 3-Liter-Diesel mit seinen 286 PS und 650 Nm maximalem Drehmoment (unverständlicherweise als 50 TDI bezeichnet). Der hat mit dem 4,99 Meter langen Zweikommaeinstonner kein Problem; es wird aber trotzdem noch nachgelegt, es folgt auf jeden Fall ein Benziner mit 340 PS. Und wohl auch noch ein SQ8. Oder gar ein RSQ8. Dabei fährt es sich schon mit dem Selbstzünder ausserordentlich gut, man hört (nach einem sanften Kaltstartnageln) nichts, wahrlich nichts von diesem Aggregat, die Achtgang-Automatik sortiert quasi ruckfrei immer die richtige Welle ein – und wenn man sich nicht auf den Tacho achtet, ist man schnell deutlich schneller als von der Rennleitung noch toleriert. Der Start, übrigens, wird vom bekannten Verdichter unterstützt, womit klar ist, dass der Q8 über ein 48-Volt-Bordsystem verfügt, also ein milder Hybrid ist; der Verbrauch des Diesel soll bei 6,6 Litern liegen.

Es ist ein feines Gleiten, vor allem, wenn man auch noch die optionale Luftfederung ordert – und der Q8 bestätigt unsere Vermutung, dass diese grossen SUV die neuen grossen Limousinen sind, gerade auf der Langstrecke ist der Komfort kaum mehr zu übertreffen. Er ist übrigens, falls auch noch die Hinterachs-Lenkung bestellt wird, sogar überraschend agil, wehrt sich nicht gegen eine flottere Fahrt durch engere Kurven. Und er wankt kaum. Zum Sportwagen wird er deswegen nicht, so gut rechnen kann kein Computer, dass er gegen die physikalischen Grenzen, die hier auch durch Höhe (1,70 Meter) und Gewicht (mindestens 2,1 Tonnen) mitbestimmt werden, ankommt.

Es wären ja nun alle überrascht, würde Audi ausgerechnet beim Q8 von seiner Preispolitik abrücken würde, als Basispreis werden schon einmal 89’500 Franken aufgerufen; ein vergleichbarer Q7 kostet in etwa 10’000 Franken weniger. Doch in dieser Liga gilt ein Preisvergleich als unsexy Haarspalterei, und beim Leasing kommt es ja auch nicht so auf den einen oder anderen Tausender an, da ja sowiso noch mindestens ein Kleinwagen an Sonderausstattungen dazukommt.

Ja, wir haben jetzt wieder Audi in unserem Archiv.

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