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Ferrari 250 GT SWB – #2735

Was denn nun?

Die Geschichte der Ferrari 250 GT SWB Berlinetta mit der Chassisnummer #2735 kann ein gutes Beispiel dafür sein, wie es einem Fahrzeug in den knapp 60 Jahren seines Lebens so ergehen kann. Sie ist aber ein fast noch besseres Beispiel dafür, dass man sich fragen kann: was ist denn nun echt?

Es begann alles ganz glorreich, #2735 verliess am 30. Mai 1961 das Werk und wurde über den englischen Ferrari-Importeur Maranello Concessionaires an den bekannten Rennstall-Besitzer Rob Walker verkauft. Stirling Moss/Graham Hill waren beim ersten Rennen am Steuer, den 24 Stunden von Le Mans, mit Startnummer 18; das prominente Duo schied in der 121. Runde aus, der Kühler verlor Wasser. Stirling Moss gewann aber 1961 mit #2735 noch fünf Rennen, der wahrscheinlich blaue Wagen wurde dann Ende Saison an UDT Laystall verkauft. Schon im April 1962 erhielt der Ferrari wieder einen neuen Besitzer, Christopher Kerrison, der #2735 nicht nur silbern lackieren liess, sondern ihn auch in Werk für eine Motorenrevision schickte. Bei der Tourist Trophy im August 1962 verunfallten Kerrison/Benson dann aber schwer – und der Besitzer schickte das Fahrzeug zu Piero Drogo. Dort erhielt das Fahrzeug eine komplett neue Karosse, die ziemlich stark an jene des 250 GTO erinnerte, der am 24. Februar 1962 vorgestellt worden war. Man weiss ja auch um die Kooperation von Drogo mit Giotto Bizzarrini, dem Hirn hinter dem 250 GTO, die im berühmten «Breadvan» gipfelte.

 

Kerrison fuhr seine Drogo-Berlinetta ausführlich bei Rennen in den Jahren 1963 und 1964 (unterdessen in Grün lackiert), nicht immer mit Erfolg, doch der Wagen war schnell, wahrscheinlich schneller als die «normalen» 250 GT SWB Berlinetta. 1965 verkaufte er den Wagen dann (wahrscheinlich) an John Pearce, der den originalen Motor 1967 in einen 250 GTO (#3729 GT) installierte; die Drogo-Berlinetta erhielt im Gegenzug die Maschine aus einem 250 GTE (#3635 GT); der originale Motor soll später verbrannt sein. #2735 wurde dann weiter verkauft und soll Ende der 60er Jahre einen schweren Unfall gehabt haben; die Versicherung bezeichnete ihn als Totalschaden. Trotzdem tauchte das Fahrzeug schon 1970 wieder auf, als Restaurationsobjekt, soll irgendwann auch den originalen Motor (welchen denn?) wieder eingebaut erhalten haben – und erhielt 1980 eine komplett neue Karosserie, wieder als 250 GT SWB Berlinetta. Der Drogo-Aufbau wurde dafür auf einen 250 GTE 2+2 (#3611 GT) gesetzt. 2007 will Ferrari Classiche #2735 komplett restauriert haben, ihm auch einen «originalen» Motor verpasst haben – und der Wagen wurde dann mit grossem Brombeerium an Stirling Moss übergeben.

Wir haben also, so in etwa: vier komplett originale und ähnlich viele komplett originale Karosserien. Wir haben ausserdem einen Brand und diverse Totalschaden – da darf man sich schon fragen, was an diesem Wagen noch «echt» ist ausser der Chassisnummer. Das ist auch nicht verwerflich, beim besten Willen nicht, doch wenn #2735 präsentiert wird (und das wird er oft) als glorioses Beispiel für eine glorreiche Ferrari 250 GT SWB Berlinetta mit originalem Motor und überhaupt, dann schütteln wir so ein bisschen den Kopf. Und irgendwie würde er uns fast besser gefallen als «Drogo Speciale»…

Die Geschichte der Ferrari 250 GT SWB Berlinetta sowie alle Chassisnummern gibt es: hier. Mehr Ferrari haben wir in unserem Archiv.

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