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Die Zukunft von Citroën

Ausbrechen

Gut fünf Jahre ist es her, dass sich Citroën neu zu definieren begann. Sich mehr den Kunden zuzuwenden, versprachen die Franzosen, ausserdem sollten die Fahrzeuge wieder komfortabler werden – und mit aussergewöhnlichem Design punkten können. Wenn man die Zahlen betrachtet, dann scheint Citroën dieser neue Weg gelungen zu sein; seit 2014 konnten im Jahresvergleich 28 % mehr Automobile verkauft werden, 2018 waren es 1’046’000 Exemplare weltweit. Man muss das aber realistisch sehen: die Mehrverkäufe entstanden vor allem durch die massive Vergrösserung des Verkaufsgebiets. Die grössten Margen lassen sich derzeit übrigens mit Camping-Fahrzeugen verdienen, wie überhaupt die Nutzfahrzeuge 20 % des Umsatzes von Citroën ausmachen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern können sich die Franzosen dabei aber nicht auf China verlassen, sie haben dort trotz grossartiger Vergangenheit ein massives Problem, müssen ihre ganze Organisation neu aufstellen. Linda Jackson, CEO von Citroën: «Es gab eine Zeit, als alles von allein lief. Doch das ist vorbei. Wir müssen da auch unsere Produkte-Palette überdenken». Was aber durchaus auch als Chance gesehen werden kann, derzeit brechen die Verkaufszahlen in China bei allen Herstellern massiv weg – die bisherige Allseeligkeit der Auto-Industrie entwickelt sich in rasantem Tempo zu einem groben Problemfall.

Nun, bis 2021 will Citroën noch einmal beträchtlich wachsen: Das Ziel sind 1,5 Millionen verkaufte Fahrzeuge pro Jahr. Zwar kommt im Jahr des 100-jährigen Bestehens der Marke kein einziges neues Modell auf den Markt; nur gerade zwei Concept-Cars sind als Geburtstagsgeschenke geplant. Das ist aber nicht weiter tragisch, Citroën hat in den vergangenen drei Jahren sein Modellprogramm komplett erneuert, da ist man schon gut aufgestellt. Eine Studie mit der Bezeichnung «100 Years» kommt dann im Sommer, auf den Genfer Salon (7. bis 17. März) bringen die Franzosen den sehr coolen Ami-One, den wir hier zeigen. Entwicklungschef Xavier Peugeot sagt zwar, man sei auf der Suche nach Partnern für die Produktion des Elektro-Winzlings, der in einigen Ländern sogar ohne Füherschein gefahren werden dürfte, doch allzu grosse Hoffnungen scheint er sich nicht zu machen. Dabei wäre der Ami-One unbedingt ein gutes Projekt für Car-Sharing- oder sonstige alternative Mobilitätsprojekte.

Die Engländerin Linda Jackson, die unterdessen perfekt Französisch spricht, ist hingegen vom Ami-One überzeugt – und sagt, dass die Marke beim Design noch aussergewöhnlicher werden müsse, das sei ein entscheidendes Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Konkurrenz. «radical» durfte in Paris schon einmal ein bisschen in die Zukunft von Citroën schauen, sah den Ami-One bereits Kreise drehen – und einen C-Hatch, der 2020 kommen wird, sowie ein neues Top-Modell, das für 2021 geplant ist. Es macht den Eindruck, als ob Franzosen zur Ansicht gelangt sind, dass die SUV-Seuche ihren Höhepunkt schon bald überschritten haben könnte, dass die Kunden zwar einige Aspekte wie die höhere Sitzposition und auch die grösseren Räder zwar zu schätzen wissen, doch in Zukunft vielleicht nicht mehr mit solchen Pseudo-Geländewagen durch die Städte kurven wollen. Mehr dürfen wir leider nicht verraten (uns wurde ein Embargo bis zum 1.3.2021 auferlegt…), doch der Weg scheint spannend.

Sicher ist: bis 2025 wird das gesamte Modellprogramm elektrisiert. Das bedeutet nicht, dass es nur noch E-Autos geben wird; dafür hält man auch weiterhin am Diesel fest. Der Ami-One ist voll-elektrisch, als erstes Standard-Modell zu kaufen sein wird die PHEV-Version des C5 Aircross ab 2020 (in China schon in diesem Jahr, genau wie der C-Elysée). Auch noch wichtig: das neue Top-Modell wird über ein als als «controlled suspension» bezeichnetes Fahrwerk verfügen. Nein, keine Hydropneumatik, aber Citroën will in seinem Bemühen, die komfortabelsten Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, bei Federung/Dämpfung wieder den entscheidenden Schritt vor der Konkurrenz sein.

Citroën feiert heuer seinen 100. Geburtstag – und wir feiern mit, hier.

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2 Comments

  1. hallo hallo

    “Nun, bis 2012 will Citroën noch einmal beträchtlich wachsen:…”

    • Peter Ruch Peter Ruch

      danke!

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