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Kurztest Porsche Macan

Angepasst

Die wohl wichtigste Neuerung am Porsche Macan ist der Verzicht auf den Diesel. Damit machen sich die Stuttgarter das Leben selber schwer, der Selbstzünder-Anteil lag bei den beiden «Nutzfahrzeugen» des Konzern auf einigen Märkten bei bis zu 70 Prozent. Man könnte das ja jetzt auch hochrechnen, wie viele Exemplare ohne den Diesel fehlen könnten/werden, in den ersten vier Jahren seines Lebens wurden vom Macan beeindruckende 350’000 Exemplare verkauft, doch das ist nicht so wichtig, Porsche wird die Delle in den Verkaufszahlen verkraften können. Irgendwie hat man eh das Gefühl, dass der Macan in der zweiten Lebenshälfte seiner ersten Generation nicht mehr höchste Priorität geniesst bei Porsche; so richtig glücklich war man sowieso nie mit diesem Wagen, der ja noch auf letzten Generation des Audi Q5 basiert.

Die Verbesserungen an der überarbeiteten Version halten sich denn auch in sehr engen Grenzen. Optisch wurde der Wagen etwas modernisiert, am stärksten ins Auge sticht sicher das Heck mit dem durchgehenden Lichtband, wie das unterdessen alle aktuellen Porsche haben. Die LED-Lampen sind unterdessen serienmässig, ein paar neue Felgen gibt es und sogar auch neue Farben. Innen fällt der grössere Touchscreen auf (10,9 anstatt 7,2 Zoll), das ist jetzt alles ähnlich wie in den anderen Porsche-Modellen – und halt irgendwie ziemlich weit entfernt von modern. Mehr Assi-System wurden auch noch verbaut, die meisten davon findet man allerdings erst nach dem intensiven Studium der Aufpreisliste.

Weil nun der Macan ja der Sportwagen unter den SUV sein will, ist man natürlich gespannt, ob wenigstens beim Fahrverhalten ein Fortschritt zu verspüren ist nach dem Facelift. Es sind ja «detaillierte Chassis-Verbesserungen und eine komplett neue Abstimmung» versprochen. Zentraler Bestandteil sind da Federgabeln aus Alu, was die ungefederten Massen um stolze 1,5 Kilo verringert, die ganze Konstruktion steifer machen soll; die Stabis wurden neutraler abgestimmt. Nun, die ganz grosse Überraschung bleibt aus: es braucht wohl einen extrem gefühlvollen Hintern, damit man diese Verbesserungen dann vielleicht spürt. Es muss in diesem Zusammenhang aber auch deutlich gemacht werden, dass der Macan unter den SUV schon bislang in Sachen Fahrverhalten ganz oben stand, kaum wankt, eine wirklich herausragende Mischung zwischen Sportlichkeit und Komfort schafft, sehr präzis einlenkt und massiv bremst. Das ist weiterhin so – es ist aber halt auch so, dass unterdessen auch andere SUV sportliche Ansprüche anmelden, es muss der Cayenne genannt sein, der aktiver wirkt als sein kleiner, deutlich leichterer Bruder, und auch der Stelvio von Alfa Romeo, der den Porsche in einigen der klassischen Porsche-Domänen teilweise deutlich abhängt. Auch bei BMW und Mercedes gibt es SUV-Derivate, die höhere Sportwagen-Ambitionen haben.

Noch ist das Motoren-Programm beim Macan (wahrscheinlich) nicht komplett, es gibt einen 2-Liter-Turbo mit vier Zylindern und 245 PS/370 Nm sowie den Dreiliter-Sechszylinder mit 354 PS/480 Nm. Uns stand der Vierzylinder zur Verfügung, und man könnte ja das Gefühl haben, dass diese Maschine jetzt nicht dringend den wahren Porsche-Groove ausstrahlt – es müssen ja auch fast 1,9 Tonnen bewegt werden. Es ist aber erfreulich, wie souverän, locker auch dieses Volkswagen-Konzern-Aggregat den Porsche bewegt, sehr saubere Gasannahme, schöne Drehfreude, genügend Kraft in quasi allen Fahrsituationen. Was selbstverständlich auch am ausgezeichneten 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe liegt, das weiterhin «benchmark» ist. Nein, mehr braucht der Mensch nun wirklich nicht in einem SUV. Ausser, er will es immer wieder über die Nordschleife jagen. Oder hat Freud’ an einer schönen Geräuschentwicklung; eine solche kann der Vierzylinder beim besten Willen nicht bieten, es tönt mehr so nach Aquafit im Seniorenheim. Der Testverbrauch von 9,1 Litern im Schnitt muss nicht als Glanzresultat bezeichnet werden.

Der Macan kostet mit dem Vierzylinder ab 79’100 Franken, mit dem Sechszylinder ab 85’500 Franken. Dazu kommt eine der längsten Aufpreislisten der ganzen Automobil-Industrie, da lassen sich gut noch zwei Kleinwagen zusätzlich in einen Macan packen. Natürlich ist die Verarbeitung auf höchstem Niveau, man bleibt auch weiterhin sehr gut angezogen im Macan – und doch.

Mehr Porsche haben wir in unserem Archiv.

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