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Maserati A6GCS – 2078

Wer bin ich?

Es ist dies ein ganz allgemeines und eigentlich auch offensichtliches Problem bei allen (früheren) Rennwagen: Man weiss es halt nicht so ganz genau. Das ist irgendwie auch verständlich, die Hersteller konnten ja damals noch nicht ahnen, dass für diese Renngeräte dereinst massiv viel Geld bezahlt werden würde, dass eine ganz genau dokumentierte Geschichte den Wert noch heftig steigern könnte. Und überhaupt, es herrschte ja sowieso Chaos, nicht nur bei den Italienern, die Rennabteilungen waren chronisch unterbesetzt, das Geld war knapp, die Zeit noch knapper, es musste immer schnell gehen – und wer am besten improvisieren konnte, hatte die besten Chancen. Dazu kam, dass gerade Rennwagen immer wieder verunfallten, Motor- und Getriebeschäden hatten, dort ein neues Teil brauchten oder in der Not gleich komplett umgestempelt wurden (manchmal halt auch, um Steuern zu sparen) – und eigentlich auch niemand ein wahres Interesse hatte, all diese Veränderungen und Verbesserungen und Reparaturen genau aufzulisten. Es war da gar kein böser Wille dahinter, wenn die gleiche Motoren-Nummer mehrfach vergeben wurde, manchmal war es die Zeitnot, manchmal Unwissen, manchmal Chaos, manchmal: egal. Bei diesem Maserati A6GCS mit der Chassis-Nummer 2078 ist es, zum Beispiel, gut möglich, dass er eines der zwei Werks-Fahrzeuge war, die 1954 bei den 24 Stunden von Le Mans hätten antreten sollen, aber nie dort ankam, weil der Transporter auf dem Weg nach Frankreich liegenblieb. Ob dem nun wirklich so war, das weiss niemand, denn Aufzeichnungen zu diesem Missgeschick gibt es keine.

Ach, die Maserati A6 – welch schöne, komplizierte Geschichte. Von den A6GCS, so etwas wie die sportliche Speerspitze, wurden wohl 52 Stück gebaut – er war quasi das Erfolgsmodell (und kam in allerlei verschiedenen Formen, siehe: hier). Es gibt zu #2078, nach einem Entwurf von Fantuzzi gebaut bei Fiandri & Malagoli, zwei verschiedene Geschichten, eine alte und eine neuere. Die ältere stammt von Ermanno Cozza, der einst Ingenieur war bei Maserati und später das Archiv betreute. ER schrieb in einem Brief an einen späteren Besitzer des Maserati, dass der Wagen im März 1954 fertig gestellt worden war, dass ihn Luigi Musso beim Giro di Sicilia auf den 4. Gesamtrang und den Klassensieg fuhr, später dann bei der Mille Miglia auf den 3. Gesamtrang, einen Sieg beim Grossen Preis von Neapel und auch noch zum Klassensieg bei der Targa Florio. Adolfo Orsi meint aber, dass 2078 seinen ersten Auftritt bei den 10 Stunden von Messina im Juli 1954 hatte, mit den Gebrüdern Luigi und Giuseppe Musso am Steuer. Es soll dann einen Klassensieg beim Giro Calabria gefolgt sein und ein weiterer auf dem Circuit of Senigallia, jeweils von Luigi Musso. Im September 1954 soll der Maserati bei der RAC Tourist Trophy in Dundrod angetreten sein (Klassensieg von Musso/Mantovani) und schliesslich auch beim Bergrennen Bologna-Raticosa (Cerare Perdisa, 2. Gesamtrang). Selbstverständlich ist die Cozza-Story schöner, die Orsi-Geschichte aber wohl wahrscheinlicher; das Le-Mans-Abenetuer erwähnt keiner von beiden… . Dass #2078 nach der Rennsaison 1954 dann aber nach Argentinien verkauft wurde und dort in der Folge viele weitere Siege einfuhr, das gilt als fast ganz sicher. Und dass der Maserati in späteren Jahren bei vielen historischen Rennen eine sehr gute Figur machte, das ist ausreichend dokumentiert. Er kommt am kommenden Wochenende bei der RM-Sotheby’s-Auktion in Monterey unter den Hammer, erwartet werden mindestens 3’250’000 Dollar.

Mehr Maserati haben wir in unserem Archiv. Wer bei «Suche» Maserati A6 eingibt, findet noch so manche weitere schöne Geschichte.

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