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Cadillac Eldorado (1967-1970)

Der Anfang vom Ende

Ab dem Jahrgang 1953 trugen die Eldorado die Krone im Cadillac-Modell-Programm. Sie waren schöner, besser ausgestattet, viel teurer – und auch wenn sie sich nicht in grossen Zahlen verkauften, so lockten sie doch die Kundschaft zu den Händlern, die Amerikaner wollten sehen, wie der amerikanische Traum auf Rädern sich präsentierte. Noch besser wurde es, als 1957 der Eldorado Brougham als weitere Steigerung dazukam. Doch schon Anfang der 60er Jahre verloren die Eldorado viel von ihrer Strahlkraft, sie waren nur noch besser ausgestattet und teurer, die Bezeichnung war zu einer reinen Ausstattungsvariante verkommen (kennen wir ja von den Porsche Taycan Turbo/Turbo S…). Zwar wurden schon Ende der 50er Jahre Versuche unternommen, dem Eldorado wieder neues Leben einzuhauchen, es entstanden interne Studien für ein aussergewöhnliches, zweisitziges Coupé mit extrem langer Motorhaube – unter der ein 16-Zylinder seine Arbeit hätte verrichten sollen. Doch diese Ideen hatten keine Chance, dafür wurde 1962 beschlossen, dass der Cadillac Eldorado und der Oldsmobile Toronado auf die gleiche technische Basis gestellt werden sollten. Das bedeutete: Frontantrieb.

Design-Chef bei General Motors war damals (immer noch) Bill Mitchell; der Entwurf des neuen Eldorado wird aber Stan Parker und «Chuck» Jordan zugeschrieben. Und es war wahrlich grossartig, was die beiden auf die Räder stellten, zuerst für die Studie XP-825 von 1964, die dann quasi unverändert für die Serie übernommen wurde. Klare, gerade Linien, scharfe Winkel, ein markanter Knick in der Seitenlinie – das «Razor Edge Design» war geboren. Unter sehr langen Motorhaube des 5,61 Meter langen Fahrzeugs arbeitete zuerst ein 7-Liter-V8 mit 340 PS, 1968 wurde der Hubraum auf 7,7 Liter erhöht (375 PS), 1970 dann sogar auf 8,2 Liter (400 PS); geschaltet wurde über die immer gleiche 3-Gang-Automatik. Der Eldorado stand auf einem Kastenrahmen mit einem für Cadillac ungewöhnlich kurzen Radstand von 3,05 Metern, vorne waren die Rädern einzeln an Querlenkern mit Drehstabsfedern und Teleskopstossdämpfern aufgehängt, hinten gab es Starrachse mit Blattfedern und immerhin vier Stossdämpfern; gebremst wurde der 2,2 Tonnen schwere Wagen zumindest vorne von Scheibenbremsen. Das Fahrverhalten galt als deutlich besser als jenes der amerikanischen Konkurrenz, trotz hohem Gewicht rannte er in weniger als 10 Sekunden auf 100 km/h.

Die erste Generation der frontgetriebenen Cadillac war erstaunlich erfolgreich. Im ersten Produktionsjahr hätten deutlich mehr als die 18’000 gebauten Exemplare verkauft werden können, bis 1970 stiegen die Verkaufszahlen auf fast 29’000 Stück. Danach wurde es, wie so oft bei Cadillac, leider nicht mehr besser. Heute gibt es diese Eldorado für einen Apfel ohne Ei; leider sind nicht mehr viele gepflegte Exemplare unterwegs. Auch deshalb zeigen wir hier «El Conquistador», einen Eldorado-Custom von John D’Agostino, den wir bei verschiedenen Besuchen im Petersen Automotive Museum immer gerne bewundert haben.

Mehr spannende Amerikaner finden sich in unserem Archiv.

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