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Meyers Manx

Steve McQueen. Und so.

Wenn man in Kalifornien aufwächst, dann ist das nicht ganz so einfach mit der Berufswahl. Bruce F. Meyers konnte sich auch nie recht entscheiden, er war zwar studierter Ingenieur, doch er war auch Künstler, Surfer, Bootsbauer. Das Schicksal wollte es wohl so, dass er eines schönen Tages im Jahre 1963 alle seine Qualitäten unter einen Hut bringen konnte, als ihm die Idee kam, ein Automobil zu konstruieren, mit dem er an den und am Strand fahren konnte, das leicht war wie ein Renn-Boot – und in seiner Reduktion auf das absolut Wesentliche auch noch ein Kunstwerk. In seiner Garage in Newport Beach schnitt er einem VW Käfer alles weg, was er nicht brauchen konnte, sägte zwischen den Rädern mehr als 30 Zentimeter raus – und versah das Ganze dann mit vier Sitzen, einem Überrollbügel und einer Kunststoff-Karosserie in Form einer überdimensionalen Badewanne, die er selber entworfen hatte. Im Mai 1964 war das erste Ding, ein so genannter «dune buggy» mit dem Namen «Old Red», dann fertig – und Bruce F. Meyers hatte ein Problem.

Nicht mit dem Namen, Manx, eine schwanzlose, auf der Isle of Man lebende Katze, passte bestens zu diesem kleinen, sehr leichten und von einem Kofferraum befreiten Gerät. Doch die Nachfrage war gross. Zuerst bot Meyers seinen Buggy als Kit-Car an, es entstanden aber 1964/65 nur etwa ein Dutzend. Doch Meyers fuhr mit einem Manx die Strecke von Ensanada nach La Paz, also die ganze Baja California, in nur 39 Stunden, 4 Stunden schneller als der vorherige Rekord. Und ein Manx gewann 1967 auch die erste Mexican 1000, den Vorläufer der Baja 1000. Und plötzlich wurde die Nachfrage so gross, dass Max in Serie produziert werden mussten. Es blieb eigentlich alles gleich, das um 36 Zentimeter gekürzte Käfer-Chassis, der Fiberglas-Aufbau, die Käfer-Motoren. Wobei, da konnte man wählen, 1,2-Liter, 1,3-Liter, 1,5-Liter, 1,6-Liter. Rund 6000 Manx wurden bis 1971 gebaut.

Doch Meyers hatte schon wieder ein Problem. Obwohl er sich den Buggy hatte patentieren lassen, befanden amerikanische Richter, dass ein solches Konzept nicht patentwürdig sei – und öffneten damit den Kopisten Tür und Tor. Rund 250’000 Buggy sollen auf der ganzen Welt entstanden sein, ein paar davon sogar in der Schweiz. Doch Meyers brach dieser Umstand das Genick, zumindest geschäftlich: Zwar versuchte man es noch mit neuen Modellen (die schwieriger zu kopieren waren), aber 1971 musste B.F. Meyers & Co. die Tore schliessen. Seit 2000 baut Bruce Meyers zwar wieder Kopien seiner eigenen Fahrzeuge, doch eigentlich ist es schade, dass er damals aus seiner wunderbaren Idee nicht mehr Kapital hat schlagen können. Immerhin hat Volkswagen den unterdessen 93-jährigen Meyers so ein bisschen geehrt, als man heuer den rein elektrischen ID. Buggy vorstellte.

Das Interesse an den Meyers Manx ist in den letzten Monaten auch deshalb wieder aufgeflammt, weil Bonhams Anfang März 2020 auf Amelia Island jenen Meyers Manx versteigern, mit dem Steve McQueen einst im Film «The Thomas Crown Affair» (1968) durch die Dünen von Massachusetts gebrettert ist; auf dem Beifahrersitz sass Faye Dunaway. Selbstverständlich ist der Manx von McQueen nicht ganz so, wie ihn Meyers ausgeliefert hatte, mit Hilfe von Pete Condos wurde das Design etwas verändert – und ein Corvair-Motor mit etwa 230 PS ins Heck gebaut. Das dürfte ziemlich Spass gemacht haben, es mussten ja nur 450 Kilo bewegt werden. Einen Schätzpreis gibt es noch nicht, aber wir haben ein paar Bilder.

Andere «cool cars» haben wir immer in unserem Archiv.

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