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Mini John Cooper Works GP

Alles gut?

Kurz vor Schluss hauen sie bei Mini immer nochmal einen raus. Also Schluss im Sinne von: Ende der Bauzeit einer Baureihe. Und jetzt ist es wieder so weit. Mini präsentiert die dritte Generation des John Cooper Works GP. Diese GPs sollen dann immer so etwas wie die Krone der der eigenen Schöpfung sein. Mein Konjunktiv verrät es schon: Ich stehe mit diesen Mini GPs seit Anbeginn immer ein wenig auf Kriegsfuss – und ich darf das auch. Schliesslich war ich als Mini-Aficionado bei den ersten beiden Premieren live dabei – und das war für uns Mini Fans-damals schon eine geile Nummer.

Die erste Präsentation fand 2005 in Misano an der Rennstrecke statt und der erste GP hatte noch einen ellenlangen Namen: Mini Cooper S John Cooper Works GP Kit. Leider hatte er nur nicht so viel Wow wie Buchstaben. Sicherlich, der Heckflügel war eine Show, aber nur 7 PS mehr als die Basis, ein paar Kilogramm weniger und die normale JCW-Zweikolben-Bremsanlage. Ein rennstreckentaugliches Pocketrocket war das nicht. Allein die klägliche Reibscheiben-Differenzialsperre lies die Freunde der sportlichen Fortbewegung nur den Kopf schütteln. Aber dafür waren diese Mini limitiert, nummeriert und teuer. Trotzdem (oder deshalb) wurden die 2000 Einheiten für damals über 30’000 Euro (in Deutschland) den Händlern nicht so schnell aus den Händen gerissen wie gedacht. Somit landeten leider etliche GPs rabattiert in den falschen Händen und wurden verorgelt. Das hatte dieses Sondermodell der so glorreichen ersten Baureihe «New MINI» dann doch nicht verdient.

Auf Baureihe R53 folgte dann R56 und wieder war es eine Rennstrecke (diesmal Paul Ricard) und wieder war es das Fan- und Marketingevent «MINI United», bei dem der von den Fans liebevoll GP2 getaufte Mini präsentiert wurde. Das war 2012 und es war verdammt heiss in Südfrankreich. Heiss war aber auch dieser zweite GP nur in Teilen. Die fette Bremsanlage, die Semislicks, das feine Gewindefahrwerk, der Diffusor und der Heckspoiler. Ja, genau so muss das. Das alles war natürlich auch wieder auf 2000 Einheiten limitiert und mit fast 37’000 Euro knackig teuer. Doch wieder hat es Mini vergeigt. Wie beim GP1 gab es wieder keine vernünftige mechanische Quersperre und wieder keine deutliche Mehrleistung gegenüber dem normalen JCW. Doch das allerschlimmste, was die GP Fans der englisch-bayrischen Marke bis heute richtig übel nehmen: Keine fortlaufende Nummerierung. Ganz banal stand auf Schwellerleiste und Handschuhfach «1 of 2000».

Und jetzt ist nach sieben Jahren der der F56 dran, mit dem GP Label geadelt zu werden. Diesmal jedoch auf der Auto Show in Los Angeles (Fan-Events braucht man mittlerweile wohl nicht mehr) und schon im Vorfeld wurde die ganz dicke Marketing-Keule ausgepackt. Bereits auf der IAA 2017 zeigte man das «MINI John Cooper Works GP Concept», und im Laufe dieses Jahres fuhr der GP3 medienwirksam mit der abgefahrensten Tarnfolie rum: lauter Rennstrecken-Layouts von den bekanntesten Rundkursen der Welt verschleierten das finale Aussehen. Wobei: verheimlichen konnte auch diese weinrote Folie nicht mehr viel, und es war klar, hier wurde an der Aerodynamik nicht gefeilt, sondern geschruppt. Und wenn das Marketing schon soviel Anlauf nimmt, will auch die Entwicklungsabteilung nicht nachstehen und verkündete im Sommer stolz: «Unter acht Minute sind auf der Nordschleife drin». Da wurde ich hellhörig. Für so eine Zeit bedarf es viel Leistung und noch mehr Traktion, denn die dritte Generation New MINI hatte ja gut 120 kg Speck angelegt. Sollte die dritte Iteration also endlich was werden? Die jetzt veröffentlichen Daten versprechen Gutes. Ja, Leistung hat er (306 PS) und Drehmoment erst recht (450 Nm), und damit die ganze Kraft auch auf den Asphalt kommt, gibt es eine mechanische Differenzialsperre (endlich, Halleluja!). Ordentliche Bremsen (Vier-Kolben-Festsattel mit 360 Millimeter Scheiben) gibt es dann unter den 18 Zöllern mit 225er Gummis gleich dazu. Völlig unbeschränkt soll es so bis 265 km/h vorwärtsgehen und in nur 5,2 Sekunden auf 100km/h. Man behauptet bei Mini sogar selbstbewusst, auch der Sound würde dazu passen – trotz Otto-Partikelflters. Das werden die GP-Fans genauso lieben wie die Ankündigung, dass eine fortlaufende Nummerierung an den vorderen Radlaufblenden und der Interieurleiste zurr Schau gestellt wird. 3000 Käufer können dies ab 2020 überprüfen. 3000? Sind das nicht 1000 zu viel? Nicht für Mini, die mittlerweile auch den chinesischen Markt erfolgreich bedienen und dort lassen sich die zusätzlichen tausend Einheiten sicherlich locker verkaufen.

Also alles richtig gemacht? Fast! Denn da gibt es das Böse A-Wort wie «Automatik» und ja, den GP3 wird es nur mit der 8-Gang Steptronic geben. Ach, wäre das schön gewesen mit einer Handschaltung, so wie im Hyundai i30N – zum anderen muss einem so einen F56 natürlich auch erst einmal gefallen. Hiermit oute ich mich als Fan des von Frank Stephenson gezeichneten R53 und ich schätze den R56 von Designer Gert Hildebrand, aber mit dem von Anders Warming gestalteten F56 werde ich seit 2014 nicht warm. Doch Achtung! Genau darum finde ich den dritten GP um so interessanter. Hier polarisiert Mini endlich einmal wieder mit der riesigen querliegenden Spoilerwurst auf dem Dach und den aus den Radläufen spriessenden Luftleitblechen. Genau das tut der Marke gut, denn durch das Anbiedern an Stückzahlen wurde Mini immer mehr maxi, perfekter und langweiliger. Der Erfolg gibt den Strategen sicherlich Recht, aber leider wurde speziell der Charakter des Dreitürers dadurch auch weichgespült. Der GP3 zeigt wieder Kante und vielleicht fliesst davon auch wieder was in die nächste Generation. Doch Achtung: mit rund 45’000 Euro ruft Mini auch einen charaktervollen Preis auf.

P.S.: Was viele nicht wissen und auch Mini noch nie in diesem Kontext kommuniziert hat: Es gab tatsächlich auch eine Art Ur- GP. Also einen Rover Mini Cooper «Grand Prix» – und da hat Rover 1995 wirklich alles richtig gemacht: Limitiert auf 35 (!) Einheiten, ordentlich Mehrleistung (87 statt 63 PS), ein noch knackigereres Fahrwerk, Zusatzinstrumente, viel Leder und natürlich eine Nummerierung.

Wir bedanken uns bei Axel Griesinger für diesen Text. Mehr Mini hat es im Archiv.

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