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Test Kia XCeed

Jederzeit geschmeidig

Abgesehen vom Verbrauch (8,4 Liter) und den Türen, die man so richtig kräftig zuhauen muss, gibt es nicht viel zu bemängeln am Kia XCeed. Es ist wie so oft bei den Kia: die Koreaner machen eigentlich nichts falsch. Sie haben das Ceed-Programm deutlich gestreckt, neben dem üblichen Fünftürer und dem Kombi und dem sportlicheren ProCeed ist der XCeed nun nicht das SUV, sondern der Crossover, also irgendetwas zwischen allem. Etwas länger als der Fünftürer, etwas wilder beplankt mit Kunststoff rundum, etwas mehr Bodenfreiheit, das ist anscheinend Mode, und Kia ist flott genug unterwegs, diesen Trends auch folgen zu können. In Sachen Design wohnen die Koreaner längst nicht mehr hinter dem Mond, das ist alles adrett, hübsch, emotionaler als bei noch so manchem deutschen Produkt, viel stimmiger als bei den Japanern. Endlich kümmert man sich auch die Details, eine eigenständige Front, ein sauber gestaltetes Heck. Das gilt auch für das Innenleben, das eigentlich eine feine Sache wäre, klar, sauber, logisch dank eines digitalen Kombiinstruments vor dem Fahrer und einem grossen Touchscreen  – doch in unserem Testwagen beschäftigte sich das Auge zu sehr mit den wilden farblichen Akzenten, welche die kraftvolle Aussenfarbe aufnehmen. Nicht einmal die komfortablen Sitze bleiben davon verschont. Was man nicht sieht, aber manchmal spürt (Spurhalte-Assi…), das sind die gefühlt 300 verbauten Assistenten und Sicherheitsfeatures und Connectivity-Dödels, man mag sie schon längst nicht mehr auflisten (aber wünscht sich manchmal einen riesigen roten Buzzer auf dem Armaturenbrett, mit dem man alle und alles auf einen Schlag abschalten könnte).

Doch Komfort ist ein gutes Stichwort beim Kia XCeed. Denn davon bietet er nun wirklich angenehm viel. Die Fahrwerksabstimmung erscheint uns als wirklich gelungener Kompromiss aus etwas Sportlichkeit und ganz viel erfreulicher Dämpfung. Der Kia liegt gut, auch in den Kurven – und er bügelt ansonsten fast alles weg, was die Strasse an Unebenheiten zu bieten hat. Schön geschmeidig rollt er ab, es herrscht zudem eine friedliche Ruhe in diesem Wagen – und deshalb fährt man ihn auch gerne über längere Strecken. Auch die hinteren Passagiere haben es ganz gut, so sie nicht deutlich über Normalgrösse messen. Die 8,5 Zentimeter Längenzuwachs gegenüber dem klassischen Fünftürer kommen unter anderem auch dem Kofferraum zugute, der um 31 auf klassenübliche 426 Liter zulegt. Bei abgeklappter Rücksitzbank können es bis zu 1378 Liter werden. Mit einem Gewicht von etwas über 1,4 Tonnen liegt er auch mehr so im Schnitt für ein 4,39 Meter langes, 1,83 Meter breites und 1,49 Meter hohes Automobil; mangelnde Aerodynamik wollen wir ihm nicht anlasten, Crossover ist Crossover, der stemmt sich immerhin noch weniger gegen den Wind als die meisten SUV.

Zum Antrieb gibt es nicht viel zu schreiben, der in unserem Testwagen verbaute 1,6-Liter-Benziner mit 204 PS ist zwar das sportlichste Angebot in der Ceed-Palette – doch irgendwie haben wir nicht viel davon bemerkt. Ja, das fährt anständig, doch irgendwie haben wir das mit der Sportlichkeit (in 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h, 220 km/h Höchstgeschwindigkeit) nicht mitbekommen, nach dem Test mussten wir nachfragen, ob es wirklich die stärkste Variante gewesen ist (was wir vom ProCeed irgendwie anders in Erinnerung haben). Was durchaus an der schon angesprochenen Ruhe gelegen haben könnte. Oder am Charakter des Wagens, dem man diese Fahrleistungen gar nicht zutraut. Oder vielleicht auch am sehr sauber schaltenden 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge so früh wechselt, dass der Pilot gar nicht motiviert wird, mehr Leistung abzurufen. Das maximale Drehmoment von 265 Nm steht aber halt auch schon bei 1500/min bereit – und steht bis 4000/min voll zur Verfügung. Dafür, dass wir nun wirklich sehr brav unterwegs waren, erscheint uns der Verbrauch von 8,4 Litern allerdings zu hoch; das Werk meint, es sollten 6,5 Liter ausreichen.

Man kann ihn trotzdem durchaus gern haben, den XCeed. Er macht optisch was her, ohne sich gleich als Stadt-Indianer aufspielen zu wollen; er fährt sich friedlich, locker, jederzeit geschmeidig, was zu einer inneren Ruhe beiträgt, die man in der aktuellen Verkehrslage ja gut gebrauchen kann. Und er ist sowieso in quasi allen Belangen über dem Niveau der Konkurrenz, sauber verarbeitet, anständige Materialien, im Vergleich gehobene Ausstattung. Was uns etwas erstaunt: die sehr, sehr heftige Spreizung der Preise. Der XCeed gibt es mit dem 120 PS-Motor ab 23’950 Franken. Der 204-Pferder in der obersten Ausstattungslinie ist dann aber schon mit mindestens 39’950 Franken angeschrieben – und das ist ja dann doch: Geld. Ja, die Zeiten, als die Kia noch Sonderangebote waren, die sind auch vorbei – aber sie bieten halt immer noch sieben Jahre Garantie. Und dabei geht es nicht allein um Geld, sondern vor allem um: Vertrauen. Ein gutes Gefühl, oder?

Mehr Kia und auch noch Automobile, die mehr Emotionen wecken, haben wir in unserem Archiv.

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