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Zimmer Quicksilver

Zuckerbäcker

Servietten spielten schon immer eine grosse Rolle in der Automobil-Geschichte. Eines wohl schönen Abends im Jahre 1978 zeichnete Paul Zimmer beim Nachtessen mit seinem Sohn Bob ein Automobil im Stil der 30er Jahre auf eine Serviette, malte auch noch gleich einen Business-Plan dazu – und machte Bob zum Chef der noch zu gründenden Zimmer Motorcars Corporation. Paul Zimmer konnte sich ein paar Extravaganzen leisten, er hatte ein Vermögen gemacht mit dem Bau von Luxus-Yachten und riesigen Wohnmobilen, mit Kunststoff kannten er und sein Sohn sich aus. Also besorgte sich Bob einen Ford Mustang, bastelte das, was sein Vater auf die Serviette gezeichnet hatte – und schrieb ein Preisschild von satten 175’000 Dollar dran. Erstaunlicherweise verkaufte sich das Ding überraschend gut, mehr als 1500 Exemplare des Golden Spirit genannten Plastik-Bombers konnten bis 1988 verkauft werden.

Da musste noch mehr gehen, dachten sich Paul und Bob Zimmer. Sie besorgten sich einen Pontiac Fiero, ein durchaus interessantes Fahrzeug, denn mit seinem Spaceframe auf Stahl, auf das Kunststoff-Teile aufgeschraubt werden konnten, stellte es die ideale Basis für Umbauten dar. Einverstanden, die Mittelmotor-Bauweise schränkte die Möglichkeiten ziemlich stark ein, doch die Herren Zimmer liessen sich nicht beeindrucken – und bauten mit dem Quicksilver einen weiteren Retro-Plastik-Bomber. Die ewig lange Motorhaube liess vermuten, dass sich der Motor befinden musste, doch das war nicht der Fall – und mehr als zwei Passagiere fanden im Quicksilver auch nicht Platz. Sie durften sich aber immerhin an einem deutlich edleren Interieur erfreuen als im Pontiac. Doch das durften sie auch erwarten, Kunden wie Frank Sinatra, Sylvester Stallone oder Shaquille O’Neal bezahlten ja auch über 50’000 Dollar für ein Gerät, dessen Basis für 11’500 Dollar zu haben war.

Den Fiero gab es auch mit einem so richtig müden Vierzylinder. Im Zimmer Quicksilver ist immerhin der stärkere 2,8-Liter-V6 eingebaut, ohne weitere Modifikationen, sprich: 142 PS; geschaltet wird immerhin manuell, über vier Gänge. Die Fahrleistungen hielten sich in sehr engen Grenzen, der leichte Plastik-Aufbau wurde wieder eingebremst durch mehr als reichlich Chromstahl. Das hier gezeigte Exemplar kommt am 17. Januar bei der Versteigerung von RM Sotheby’s in Arizona unter den Hammer, erwartet werden mindestens 40’000 Dollar.

Mehr solch schräge Fahrzeuge finden sich unter: Die Aussergewöhnlichen. Und sonst ist da ja auch noch unser Archiv.

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