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Muntz Jet

Zitronennebel

Earl Muntz trug seinen Übernamen wohl zurecht: Madman. Mit 20 hatte er seinen ersten Gebrauchtwagen-Handel eröffnet, gut Geld verdient – wohl auch deshalb, weil er selber in der Werbung auftrat, witzige Anzeigen schaltete, später in TV-Clips den exzentrischen Clown machte. Muntz wollte gar nicht erst seriös wirken – er wollte verkaufen. Zuerst waren es Autos, später Fernsehgerät, schliesslich noch (selbst gebaute) Kassetten-Geräte. Es heisst, dass er mehr als ein anständiges Millionen-Vermögen machte. Und auch wieder verlor. Was auch daran gelegen haben könnte, dass er sieben Mal verheiratet war.

1951 kaufte er Frank Kurtis – der auch schon einen Auftritt hatte auf «radical», hier, und noch weitere Stories wert ist – die Rechte am Kurtis Kraft Sport ab, einem zweisitzigen Sportwagen. Der Wagen wurde von einem Zweisitzer zu einem Vierplätzer umgebaut, indem der Radstand um 33 Zentimeter verlängert wurde, erhielt anstelle des Ford-V8 einem stärkeren Cadillac-V8 – und wurde Muntz Jet getauft. Es war ein feines Fahrzeug, Aufbau aus Alu, ein Hard-Top aus glasfaserverstärktem Kunststoff, auf Wunsch gab es innen Alligator-Leder und auch eine Cocktail-Bar; die Lackierungen trugen so schöne Namen wie Zitronennebel. Die Presse war begeistert, denn der Muntz Jet war mit seinem ausgezeichneten Kurtis-Fahrwerk und dem potenten Cadillac-Motor eines der schnellsten Fahrzeuge jener Jahre, das Design war aussergewöhnlich, die Fertigungsqualität sehr hoch. Über die Jahre wechselte Muntz immer wieder den Antrieb, vom Cadillac zu einem günstigeren Lincoln-V8, von der Ford-Hydramatic zu manuellen Drei-Gang-Getrieben, und auch wieder zurück. Spätere Exemplare erhielten dann auch eine Stahl-Karosse und einen nochmals um 8 Zentimeter längeren Radstand.

Aber die Kunden blieben aus. Das lag wohl weniger daran, dass der Muntz Jet doch ziemlich teuer war, der Preis lag bei über 5000 Dollar (inflationsbereinigt etwa 65’000 Franken). Damit war er zwar teurer als ein Jaguar XK120 und die meisten Cadillac oder Lincoln, doch er war dafür wirklich aussergewöhnlich, beliebt auch bei den Promis jener Jahre. Das Genick gebrochen haben dürfte Muntz, dass er an jedem gebauten Fahrzeug rund 1000 Dollar verlor – und dass er es nicht schaffte, einen vernünftigen Vertrieb aufzubauen. Gemäss internen Aufzeichnungen sollen zwischen 1951 und 1954 etwa 400 Muntz Jet gebaut worden sein, neuere Recherchen haben aber ergeben, dass es wohl mehr so 200 Exemplare waren. Von denen noch über 100 existieren sollen. Auf Amelia Island versteigert RM Sotheby’s Anfang März wieder einmal eines dieser Fahrzeuge (Bilder unten) – wir sind gespannt auf den Preis.

Mehr schräge Fahrzeuge gibt es unter: die Aussergewöhnlichen. Und auch jederzeit in unserem Archiv.

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