Zurück zum Content

Ferrari 250 Europa

Zur Einstimmung

12 x 250 = 3000. Also: 3 Liter Hubraum. Einfach, damit das schon mal geklärt wäre mit der Nomenklatur der 250er-Ferrari. Wir wollen uns in unserer Serie dieser 250 natürlich hauptsächlich mit den GT befassen, also: V12, 3 Liter Hubraum, der Colombo-Motor. Doch der kam ja erst 1954 (ausser: siehe ganz unten). Wir haben hier einen 53er 250 Europa, und der hatte zwar schon den richtigen Namen und auch den richtigen Designer, also Pinin Farina. Doch noch nicht die Colombo-Maschine, sondern noch den klassischen Lampredi-V12, 68 x 68 Millimeter Bohrung x Hub, ca. 200 PS bei 7000/min. Der 250 Europa, von dem 21 Stück (oder doch 22, wie jüngste Forschungen ergeben haben wollen?) gebaut wurden, gehört also nicht wirklich zu den legendären 250ern, doch er ist eine gute Einstimmung auf das Thema. Wir wollen ja ganz langsam vorgehen, ist schliesslich eine komplexe Geschichte.

Der oben wie auch unten gezeigte 0305 EU ist ein ganz frühes Modell, das vierte in der Serie. Das Chassis kam am 29. September 1953 aus Maranello zu Pinin Farina, die Karosse wurde in Rosso Marrone sowie Beige lackiert, innen gab es Leder ebenfalls in Marrone und dazu die passenden Stoff-Applikationen in Beige. Aussergewöhnlich: der Tankdeckel befand rechts auf dem hinteren Kotflügel, alle anderen 250 Europa hatten den Stutzen – im Kofferraum. Pinin Farina stellte 0305 EU am 24. Dezember 1953 in Rechnung, verkauft wurde das Fahrzeug am 15. März an den italienischen Unternehmer Giovanni Latino. Der ein guter Freund von Pinin Farina war, das Fahrzeug bei verschiedenen Concorso d’Eleganza und auch Rennen herzeigte, also so ein bisschen Werbung machte für den Meisterschneider.

Es folgte dann aber eine traurige Karriere. Der 250 Europa wurde in die USA verkauft, erhielt irgendwann einen Chevrolet-V8-Motor, kam in die verschiedensten Hände, schliesslich in den 90er Jahren wieder zurück nach Europa und 2006 in den Besitz eines belgischen Sammlers. Der wollte zumindest wieder einen anständigen Lampredi-Motor einbauen, fand zuerst die Maschine aus dem 0337 AL. Als dieser Motor genauer betrachtet wurde, machte man eine erstaunliche Entdeckung, denn da war noch eine zweite Motor-Nummer eingestempelt: 0305 EU. Naja, solche Glücksfälle soll es geben – erstaunlich mag vielleicht sein, dass sie besonders oft bei wirklich teuren Oldies passieren… Nach einer fünfjährigen Komplett-Restauration wurde 0305 EU im 2014 von RM Auctions für 2,75 Millionen Dollar versteigert.

Doch da gibt es ja noch einen anderen Karosserieschneider als Pinin Farina, der ebenfalls 250 Europa einkleidete: Vignale. Vier Stück sollen es gewesen sein, wir zeigen hier 0313EU aus dem Jahr 1953. Dieses Fahrzeug wurde zuletzt von RM Sotheby’s 2017 in Maranello für 2’817’000 Euro verkauft, obwohl es da ein paar Fragezeichen beim Motor (0331EU) gibt.

Es muss damals ein hartes Rennen gewesen sein um die Gunst von Enzo Ferrari, nicht nur zwischen Vignale und Pinin Farina. Vignale hat zwar einige der schönsten Ferrari der Maranello-Frühzeit eingekleidet, aber trotzdem verloren; über die Gründe lässt sich nur rätseln (ein paar Erklärungen gibt es: hier).

Aber wir wollen doch noch mehr hergeben:

Chassis-Nummer: 0305EU

Auktion: RM Sotheby’s, Monterey 2014, verkauft für 2’750’000, mehr Infos siehe oben.

Chassis-Nummer: 0313EU

Auktion: RM Sotheby’s, New York 2015, verkauft für 3’300’000 Dollar; dann Maranello 2017, verkauft für 2’871’000 Euro, mehr Infos siehe oben.

Chassis-Nummer: 0321EU

Auktion: RM Sotheby’s, Arizona 2014, verkauft für 1’017’500 Dollar, angeboten mit folgendem Text: «This Europa offered was finished on December 17, 1953 and was sold to its first Italian owner in February of the next year. It is the 9th of only 16 Europa Coupes that ever left the factory. During the 1950s, it was bought and sold several times, all among Italian owners, and in the 1960s it was exported to New York. Since then, it has never left the United States. Recently, it has been the subject of a full restoration with paint and interior done by noted marque expert Brian Hoyt of Perfect Reflections. Hoyt finished the car in its stunning original color combination of Blu Montagna with beige hides and dark blue piping. The correct, outside laced Borani wheels are on the car and are in perfect condition. Overall, this vehicle presents as virtually new and shows no wear at all. The original 3-liter V-12 and four-speed transmission are no longer with the car and it has been upgraded to have the 4-liter V-12 from the Ferrari 330 GT, making it ideal for touring and use on rallies. Expert Ferrari mechanic, Patrick Ottis, recently rebuilt the 4-liter V-12 and rebuilt the drum brakes. Currently a five-speed Tremec manual transmission is fitted, making this Europa even more user friendly and even better for touring or long trips. A correct Ferrari 250 transmission comes with the car and can be installed by the next owner if they desire».

Chassis-Nummer: 0343EU

Auktion: RM Sotheby’s, Arizona 2013, verkauft für 1’017’500 Dollar, angeboten mit folgendem text: «This particular 250 Europa, chassis 0343 EU, was sold new to Dr. Achille Stazzi, of Milan, Italy, and it was originally finished in a two-tone grey. It was exported to the United States in the late-1950s and sold to highly respected NART engineer, Ferrari collector, and marque authority Wayne Sparling, of Florida, who in turn sold it in the 1960s to Preston Henn, owner of the Swap Shop in Fort Lauderdale. Henn, also a longtime collector of rare Ferraris, subsequently sold the car when he acquired chassis 06885, a Ferrari 275 GTB/C. By 1971, the car was owned by James C. Hall, of Michigan, and then Harley Cluxton III, the racing driver, Ferrari dealer, and team owner. Bob Slayden then purchased the car, moved to Philadelphia in 1972, and sold it the same year. By the 1990s, the car was acquired by Paul Forbes, of Los Angeles, before eventually being purchased by Charles Betz and Fred Peterson, who conducted a nut-and-bolt restoration at great expense and to a spectacular level in 2004. Every component was restored or replaced with new parts, and the car has seen limited use since. The engine was built by Bob Wallace and was dynamometer tested prior to installation in the car».

Chassis-Nummer: 0345EU

Auktion: RM Sotheby’s, Arizona 2005, verkauft für 385’000 Dollar

Chassis-Nummer: 0349EU

Auktion: RM Sotheby’s, Monaco 2010, verkauft für 450’000 Euro

RM Sotheby’s bietet Anfang März 2024 in Miami den Ferrari 250 Europa mit der Chassis-Nummer 0295 EU an, ein Vignale-Coupé (Michelotti), Schätzpreis 4,5 bis 5,5 Millionen Dollar. Es soll sich dabei um das Fahrzeug handeln, das im Oktober 1953 auf dem Pariser Salon stand. Und nun die grosse Überraschung: Als einer von zwei 250 Europa soll dieses Fahrzeug damals schon über einen Colombo-V12 verfügt haben. Nun, dass wir noch nie etwas davon gelesen haben und auch unsere üblichen Quellen davon nichts wissen, das muss gar nichts bedeuten. Ja, man sieht auf den Bildern: ein Colombo. Aber man sieht auf den Bildern keinerlei Stempel. Das wäre aber in diesem Fall noch wichtig. Schaumermal, wie sich diese Geschichte noch entwickelt.

Mehr schöne Ferrari gibt es in unserem Archiv.

Gib als erster einen Kommentar ab

  1. […] (Zum ersten Ferrari, der die Bezeichnung 250 trug, haben wir schon etwas geschrieben. Doch eigentlich gehört der 250 Europa gar nicht so richtig in diese Serie, weil er nicht vom Colombo-V12 angetrieben wird, aber lesen Sie doch: hier.) […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert