Zum Inhalt springen

Porsche Panamera Turbo S e-hybrid Sport Turismo

Ausflug

Vor der erzwungenen Corona-Pause gehörte zu meinem Journalistenleben immer auch die entsprechende Anreise zu meinen Geschichten. Als Freelancer vorwiegend im Bereich der Oldtimer fahre ich immer dorthin, wo meine Kontakte und Freunde gerade spannende Autos haben, irgendwo zwischen Norwegen und Spanien. Und diese nördlichste Nation auf dem europäischen Festland hatte ich im Auge, als ich mich im Vorjahr nach Oslo auf den Weg machte. Da die Geschichte eine Porsche Geschichte war, fragten wir die Porsche AG um Unterstützung unseres Projekts, und die kam in Form eines Porsche Panamera Turbo S e-hybrid Sport Turismo, den uns die Schwaben freundlicherweise direkt an unseren Ankunftsflughafen in Hamburg gestellt hatten. Nach dem anfänglich nur als konventionelles Hybridmodell angebotenen Panamera S Hybrid kam 2017 mit dem Panamera Turbo S e-hybrid der erste Plug-In Hybrid auf in Verbindung mit dem vier Liter grossen V8. Die Systemleistung von Benzinmotor und Elektroantrieb beträgt unglaubliche 680 PS (500 kW), das Drehmoment 850 Nm. Porsche gibt die Spitze mit 310 km/h an und die Beschleunigung mit beeindruckenden 3,4 Sekunden – nicht schlecht für einen 2,3 Tonnen schweren Kombi.

Nein, die ganze Strecke von meiner Wahlheimat Schottland nach Norwegen fliegen wollte ich nicht, konnte ich zwar, aber für mich lag in der Reise von Norddeutschland nach Skandinavien immer auch der Zauber der so naheliegenden Ferne, der Andersartigkeit gleich hinter der Grenze. Ich bin in Nordfriesland aufgewachsen, die dänische Grenze immer allgegenwärtig. Also trieb mich auch hier meine erste Etappe hin. Mein Bruder, seines Zeichens ehemaliger 500E und S-Klasse Fahrer, wartete ungeduldig auf die Ankunft „des Porsche“. Ihm war es egal, ob es sich um die Sport Turismo Variante handelte oder die Limousine, den Panamera oder einen 911. „Der Porsche“ war das Ziel seiner Erwartungen. PS? 680. Beschleunigung? 3.1 Sekunden. Ausreichende Informationen. Der Preis von 193.191 Euro interessierte nicht, weil er ihn sich sowieso nicht leisten kann. Und kW auch nicht, weil kW sind etwas für Trockner und Heizgeräte. Er wollte nicht einmal selbst fahren, was mich verwunderte.

Schnell lud er beide Töchter auf die Rückbank und sich selbst auf den Beifahrersitz und befahl „jetzt beschleunige mal“. Und tatsächlich war die atemberaubende Beschleunigung der Gegenstand der Bewunderung. Ja, auch ein Tesla kann heute solche Werte erzielen, aber nicht einen solchen Klang. Also Sport + eingestellt, auf die Bremse und Fuss auf’s Gas. Drehzahl konstant, runter von der Bremse und los geht’s. Auf der Landstrasse sind schnell Geschwindigkeiten erreicht, mit denen man nicht von unseren örtlichen Gendarmen angehalten werden möchte. Vor uns und hinter uns kein Verkehr. Also Vollbremsung. Noch unglaublicher als die Beschleunigung. Dann wieder voll. 0-100, dann Vollbremsung. So langsam gefiel mir der Vorgang. Also rauf auf 100 (oder etwas mehr), Vollbremsung – Fading nur bei den Passagieren. Nach ungefähr sechs solcher Vorgänge merkten alle Insassen, dass wir das den ganzen Tag machen könnten.

Am nächsten Morgen begann meine Vier-Länder-in-einem-Tag Tour. Deutschland (20 Minuten), Dänemark, Schweden, Norwegen. Dänemark mit seinem für skandinavische Verhältnisse fast atemberaubend hohen Tempolimit von 130 km/h auf der Autobahn E45 nördlich von Flensburg war ein Ausbund an Langeweile. Komfortstellung, Soundsystem an und ein bisschen mit dem Navi und der sonstigen Technik gespielt. Ein kurzer Stop bei meiner früheren Arbeitskollegin Linda und ihrem Mann Jørgen, einem 52-jährigen Finanzmanager.

Ich wollte Jørgen eine kleine Fahrgelegenheit mit „dem Porsche“ ermöglichen, denn Dänemark gilt ja nun tatsächlich nicht als Porsche-Country. Aber schon hier, sozusagen dem Eintritt nach Skandinavien, traten die Unterschiede der Kulturen deutlich zutage. Anders als mein Bruder, der den ganzen Tag auf 100 beschleunigen könnte, fragte Jørgen schon vor dem Einsteigen, wie gross die Batterie denn sei, wieviel Reichweite angegeben sei und wieviel ich wirklich erreichen würde. Wie lange ein Ladevorgang dauert und wie lange und wie schnell der Panamera e-hybrid denn vollelektrisch fahren könnte.

Zwar wollte auch Jørgen den V8 hören und einmal beschleunigen, viel mehr faszinierte ihn aber das Lademanagement, die Rückspeisung durch die Bremsen, die Anzeigen und überhaupt die ganze elektrische Fahrerei. Ich hatte nicht viel Zeit, musste ja noch zwei Länder abhaken. Schweden kam schnell, über die eindrucksvolle Øresundbrücke, die vor nunmehr fast genau 20 Jahren vor allem mit EU-Steuergeldern fertiggestellt wurde. Weder in Dänemark noch in Schweden hätte ich tanken müssen, da das ständige 100 km/h-Fahren mit Tempomat auf verkehrsarmen Fernstrassen nur wenig vom kostbaren Saft verlangte. Dennoch holte ich mir kurz vor der Svinesundbrücke, die Schweden mit Norwegen verbindet, noch etwas vom leicht günstigeren schwedischen Sprit.

Am Abend in Oslo stellte sich schon gleich einer der gewünschten Effekte des Hybridbesitzers ein: Selbstgefälligkeit. 2019 wurden in Norwegen 700 Neuwagen verkauft, so Espen Olsen, Chef des grössten Porsche Händlers des Landes, in Son südlich von Oslo. Eine Zahl, die nach seiner Aussage durch die Einführung des Taycan in Norwegen auf das dreifache hätte ansteigen sollen – „vor der Corona-Bombe“, sagt Olsen. Mit seinem Team verkauft er bislang rund 120 Neuwagen jährlich und noch einmal die gleiche Anzahl an gebrauchten Porsche. Doch allein vom Taycan hat er seit Freigabe der Bestellungen 160 Einheiten verkauft und damit seinen Absatz mehr als verdoppeln können. Was den Panamera angeht, sagt Olsen: „Seit der Einführung des Panamera e-hybrid, der hier in Norwegen nur in Verbindung mit dem V6 erhältlich ist“, lassen sich die reinen Benziner so gut wie nicht mehr verkaufen. Grund hierfür ist die in Norwegen einzigartig hohe Neuwagenbesteuerung von 180%, die bei den vollelektrischen und Hybridfahrzeugen weitgehend entfällt. „Den Panamera macht damit das Hybrindangebot ungefähr 35.000 EUR billiger in der Anschaffung“. Damit wird für uns schon jetzt klar, dass Reichtum in Norwegen sich anders darstellt als in Deutschland. Immer grösser, immer breiter, immer teurer betrifft hier häufiger die Boote und Ferienhütten als unbedingt Automobile. Ein Porsche gilt daher durchaus als ein selbstbewusstes Statement, und die vielen Hybrid-Neonschriftzüge und die gleichfarbigen Bremssättel nehmen dem offen zur Schau getragenen Übermass hier ein wenig der Schärfe.

Für uns beginnt jetzt nach eineinhalb Tagen Langstreckenfahrt der wirklich interessante Teil der Reise, das vollelektrische Fahren. Das ist gar nicht so einfach. Der Hersteller gibt maximal 51 Kilometer Reichweite an, schon das nicht wirklich vertraueneinflössend. Wir selbst sahen nach einer vollen Ladung nie mehr als 44 km in der Anzeige, und maximal gar nur 38 km in tatsächlich gefahrenen Kilometern. Dabei ist die ganze Verteilung der Energie eine interessante Studie in Komplexität. Wirklich Sinn machen tut das Ganze ja nur, wenn man über Nacht an der Säule nachlädt, was uns als Touristen gar nicht leicht fiel. Auch wenn es etliche öffentliche Ladesäulen gab, wurde uns schnell klar, dass man einen Vertrag mit einem der Anbieter haben musste, um dort aufladen zu können. Als Besitzer eines solchen Fahrzeugs hat man bestimmt einen solchen auch für zuhause, was wahrscheinlich eine Art Partnerabkommen einschliesst, für uns bedeutete es aber nur wenige Gelegenheiten einmal im Hotel abends zu laden und ein andermal in einem Einkaufzentrum, wo neben unserem Porsche nur eine unendlich lange Reihe von Teslas auftauchte, dem meistverkauften Automobil in Norwegen, nicht nur im E-Autobereich.

Um dennoch ab und an die Besonderheiten des elektrischen Fahrens testen zu können, haben wir uns bei diesem Testversuch also ab und an mit der schlechtesten Lösung beholfen, dem nachladen mit Hilfe des gigantischen V8-Motors während der Fahrt. So ist es zwar nicht gedacht, aber es ermöglichte uns, jeden Tag mindestens unsere 38 km elektrisch abzuspulen. Leider gibt es zwar eine Schalterstellung für das „überwiegend elektrische Fahren“, nicht aber für das „ausschliessliche“. Das heisst, sobald wir über ein von Porsche definiertes Mass hinaus beschleunigen wollten, schaltete sich der V8 hinzu, manchmal nur, um die gewünschte Beschleunigung von 40 auf 60 umzusetzen.

Was wir aber schnell bemerkten, war dass uns der Panamera Turbo S e-hybrid Sport Turismo schnell erzog, und zwar zum Energiesparen. Ich versuchte, die Beschleunigung niedrig genug zu halten, um den Benziner nicht zuzuschalten, nutzte viel mehr als sonst in einem Porsche das sogenannte Segeln aus, ging viel früher vor einer roten Ampel vom Pedal und wenn, dann bremste ich so wenig, dass die Energie vor allem zur Rekuperation genutzt wurde.

Macht solch ein Auto also Sinn? In Norwegen vor allem aus finanzieller und Imagesicht. Ökologisch liesse sich wohl mit einem sehr verbrauchsarmen Diesel oder einem vollelektrisch betriebenen Taycan mehr Sinn in der Sache sehen. Aus unserer Sicht aber waren das Vergnügen an der komplexen Technik, die unbändige Leistung und der dennoch relativ reuelose Auftritt im doch sehr umweltbewussten Skandinavien genügend Gründe, einer solchen Kombination den Vortritt zu geben. Ach, und ja, dann waren da noch die Gesichter meiner Nichten im Rückspiegel, aber das ist eine andere Geschichte.

Wir bedanken uns bei Axel E. Catton für diese Story. Mehr Porsche haben wir in unserem Archiv.

2 Kommentare

  1. […] konkurriert gegen mächtige Gegner. Mercedes-AMG GT 4-Türer, Porsche Panamera, ja sogar den Bentley Continental möchte man ärgern. Dazu ist der Münchner in der Nomenklatur […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.