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BMW M235i Gran Coupé

Das tote Pferd

Man soll absteigen, wenn der Gaul nicht mehr reitet. BMW hat das schon lange getan. Schöne, schnittige und schnelle Limousinen, das war einmal. Heute gibt es vor allem sportliche Aktivitäts-Coupés. Wir zählen X1, X2, X3, X4, X5, X6 und X7. Und ja, ein X8 ist wohl in Planung. Warum also aus dem ersten Stock wieder herabsteigen ins Erdgeschoss? Weil es bei der Konkurrenz prächtig läuft. Vor allem aber: weil die Konkurrenz teilweise richtig gut dabei aussieht. Eine Rückkehr zu alten Werten, zu alter Stärke, zu alter Schönheit? Das BMW M235i Gran Coupé gibt die Antwort besser selbst.

Was ist ein BMW M235i Gran Coupé mögen, sie fragen? Es ist die späte Antwort auf Mercedes-Benz CLA und Audi A3 Limousine. Schon jeweils in der zweiten Generation besetzen die Konkurrenten diese Nische. Obwohl BMW normalerweise, siehe X6 und X4, kein Markt zu klein ist, erscheinen sie hier erst spät auf der Party.

Dabei ist die Gran Coupé-Idee indes schon älter. Es begann einst mit dem 6er, später kam dann der 4er und dann der 8er als viertüriges Coupé. Das Rezept ist simpel: man nehme das Coupé, verlängere Radstand, Heck und addiere zwei rahmenlose Türen. So ähnlich läuft es auch beim BMW M235i Gran Coupé ab.

Mit der kleinen Einschränkung, dass die F44 genannte Baureihe nicht vom zweitürigen Coupé abstammt. Die technische Basis bildet die UKL2-Frontantriebsarchitektur von Mini und 1er-Reihe. Das M235i Gran Coupé ist also ein gestreckter M135i.

Design, Platz & Komfort

Optisch ist die Nähe zum kleinen Bruder unverkennbar. Die kurze, etwas nasenbärige Haube kann den Quermotor trotz viel Aerodynamik-Makeup nicht kaschieren. Auch in den Seitenansicht müht sich das BMW M235i Gran Coupé vergeblich, die Eleganz der Konkurrenz zu erreichen.

Immerhin bietet das neue Antriebskonzept deutliche Raumvorteile im Interieur. Gerade der Fond profitiert stark und bietet verhältnismäßig generöse Platzverhältnisse für einen kompakten BMW. Auch das dritte Fenster zeigt Wirkung und bringt durch ein Mehr an Licht auch ein Mehr an Komfort.

Überhaupt ist der Komfort ein wichtiges Thema bei der Entwicklung des BMW M235i Gran Coupé gewesen. Im Gegensatz zum härteren Bruder M135i haben die Entwickler etwas Sanftmut walten lassen. Offiziell begründen sie es mit einer besseren Gewichtsverteilung des Gran Coupés. Entsprechend hätten sie bei der Abstimmung weicher bleiben können, ohne Performance-Verluste.

Technische Highlights

Um die Fahrdynamik zumindest in die Nähe der alten Reihensechszylinder-Träume M140i und M240i zu schieben, mussten viele Tricks her. Der vollvariable xDrive-Allradantrieb allein reichte da nicht, trotz 50:50 Split von Vorder- zu Hinterachse. Eine drehmomentfühlende Sperre an der Vorderachse soll dafür sorgen, dass ein Untersteuern bei Gaseinsatz gar nicht erst auftritt.

Dazu kommt ein variables Dämpfersetting und voll auf den Kunden anpassbare Kennlinien für Gas und Lenkung. Sogar beim Sound würzt BMW nach und schiebt bei Bedarf besonders sportlichen Klang per Lautsprecher in den Innenraum.

Wie fährt das BMW M235i Gran Coupé?

All das kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der M235i als Gran Coupé kein wildes Tier mehr ist. Er ist pfeilschnell bei Bedarf und ultraeffizient, was das Umsetzen der Fahrerbefehle angeht. Doch damit reiht er sich in die kalt exekutierte Strenge der Konkurrenz von Golf R und Audi S3 ein.

Ja, er kann den Alltag sparsamer, komfortabler und sicherer als sein Vorgänger. Und ja, die meisten sind mit ihm gerade deshalb sicher auch schneller unterwegs als mit dem Alten. Aber genau darum ging es doch immer. Um Freude am Fahren.

Ein BMW M muss immer etwas wilder, etwas rauher, etwas roher sein. Das kann das BMW M235i Gran Coupé nicht mehr bieten. Es ist ein bis zur Perfektion gehontes Werkzeug, aber eben kein Spielzeug mehr. Und das ist dann doch irgendwie schade.

Fazit

Im Gesamten ist das stärkste 2er Gran Coupé ein sehr gutes, beinahe makelloses Auto. Besonders im Interieur bietet er ein Qualitätsniveau, bei dem sogar der Audi abreissen lassen muss. Auch in Sachen Performance gibt er sich auf der Stoppuhr keine Blösse. Und doch wird man den Eindruck nicht los, das eine Kleinigkeit fehlt.

Technische Daten:

Modell: BMW M235i xDrive Gran Coupé
Motor: Vierzylinder-Reihe, 1‘998 ccm
Leistung: 306PS (225kW) bei 5‘000 – 6‘250U/min
Drehmoment: 450Nm ab 1‘750U/min
Antrieb: Allradantrieb, 8-Gang Steptronic Automatikgetriebe
Verbrauch kombiniert (WLTP): 7,1l/100 Km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 250km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,52m / 1,80m / 1,42m
Gewicht: 1‘645kg
Grundpreis: 67‘400 CHF

4 Kommentare

  1. J.G. J.G.

    Und plötzlich wünscht man sich den SsangYong Rodius zurück.

    Ernsthaft: Was läuft bei BMW momentan schief? Welcher Mensch von gesundem Verstand nickt diese Designs ab? Wieso wirft man ohne Not die USP des einzigen heckgetriebenen Kompaktwagens aus dem Fenster? Und wieso hat Mini einen Karikaturisten als Chefdesigner?

    • Admin Admin

      Es sind dies alles sehr gute Fragen. Aber wir wissen darauf auch keine Antwort, leider…

  2. Adrian Berchtold Adrian Berchtold

    Das Problem ist: Ein Mini war mal klein, wendig und jeder wusste: Es ist ein Mini. Ein BMW war der Hochleistungswagen, der schnell ums Eck ging. Viele wussten, der kann mehr als meine Fahrkünste zulassen. Das beides nicht zusammenpasste, wusste man.

    Das war die Zeit vor den Controllern, die hiessen damals noch Buchhalter und verbuchten, was die anderen machten.

    Dann kamen die Controller und fingen an Synergien zu nutzen wo niemals welche waren, Designer kriegten ein iPad anstelle dem Reisbrett und das Ziel schöne, einzigartige Autos zu bauen, ging irgendwo zwischen Marketinggeschwurbel, Sollbruchstellen einbauen, Carsharinganbieter sein wollen und alle Jahre das Logo ändern, vergessen.

    Darum ist heute auch nur noch „Freude“ bei „Freude am Fahren“ fett geschrieben. Dafür werden dann auch so tolle Dinge von sich gegeben: „BMW wird zu einer Beziehungsmarke. Das neue Kommunikationslogo strahlt Offenheit und Klarheit aus“, erklärt Jens Thiemer, Leiter Kunde und Marke BMW. „Mit dieser neuen transparenten Variante wollen wir unsere Kunden mehr denn je dazu einladen, ein Teil der Welt von BMW zu werden. Zudem ist unser neues Brand Design auf die Herausforderungen und Möglichkeiten der Digitalisierung für Marken ausgerichtet.“

    Und so kann ein Mini eben auch ein schnelles, kleines BMW Coupé sein.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      sher schön auf einige wichtige punkte gebracht…

  3. […] war doch mehr als eine Nische. Über 400.000 Gran Coupés hat BMW seit der Erfindung dieser Gattung vor gut acht Jahren verkauft. Ob man sie dabei als […]

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