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Audi e-tron Sportback 55 quattro

Zugpferd

Ihn ziehen gar keine Pferde mehr. Stattdessen reissen Kilowatt an den Reifen – und das heftig. 300 an der Zahl, verteilt auf alle Viere. Dies allerdings nur für acht Sekunden im Boost-Modus.

Die Spitzenleistung notiert mit 265kW im Datenblatt. Allerdings auch das mit einem kleinen Sternchen. Dieses erzählt dann die ganze Wahrheit: Dauerleistung 100kW. Ins Altdeutsche übersetzt heisst das: der Audi e-tron Sportback 55 quattro muss mit 136PS zurechtkommen.

Das klingt natürlich für das Erste schlimm. 136PS auf 2,5 Tonnen Leergewicht – wie soll das gehen? Eher gar nicht. Oder eben doch? Nehmen wir Drittklässer-Mathematik zur Hilfe: 100kW Dauerlast auf 95kWh Batteriekapazität macht 0,95 Stunden Dauerleistungsfähigkeit. Also 57 Minuten.

Ein vollgeladener e-tron Sportback ist also nach 57 Minuten leergefahren. Ist er natürlich nicht. Weil selbst wir nie die ganzen Zeit gnadenlos voll auf dem Pedal stehen. Es ist also alles ein Papierwert.

Und dann schafft er seine 408PS und 664Nm dann eben doch. Denn in den kurzen Momenten, in denen man heute noch voll beschleunigen kann, da packt er das. Und er packt es locker.

Vielleicht ist es genau die Art und Weise, in der er das macht, die uns so begeistert zurücklässt. Natürlich, den fetten E-Abzug ist man gewöhnt, alles geht, sofort, lautlos, wunderbar. Und doch ist e sim grossen orangeroten Audi etwas anders, besser, feiner.

Er tönt nicht. Also: gar nicht. Kein Strassenbahngeräusch, kein Surren, kein Flirren. Sie haben ihn scheinbar extra gut gedämmt. Die Scheiben sind doppelt verglast, die Aerodynamik mit 0,25 ist beeindruckend schlüpfrig. Dazu kommen die Kameraspiegel, die den Geräuschen um die A-Säule den Wind aus dem Segel nehmen.

Es ist beeindruckend, wirklich. Viel mehr als das aber noch dieser prädikative Tempomat. Man schaltet ihn nur an, muss gar keine Geschwindigkeit vorwählen und schon hängt sich der Audi e-tron Sportback auf eine Art virtuelle Leitschiene. Er liest nicht nur die Schilder, sondern spürt auch die Topograhie, den Kurvenverlauf, scant das Fahrverhalten des Vorausfahrenden und antizipiert Kreuzungen oder Abbiegungen.

Man sitzt dann einfach nur noch da und hält das Lenkrad so ein bisschen, damit man überhaupt noch etwas zu tun hat. Im Alltag ist das ganz wunderbar. Es entschleunigt nicht nur, es ermöglicht auch eine ganz andere Art des Fahrens. Weil man gar nicht mehr richtig fährt.

Natürlich steht am Ende immer die Frage ob es das alles braucht. Ob es ein bisschen kleiner, schlanker, ressourcenschonender nicht auch ginge. Sicher, das alles ist berechtigt und vor allem: richtig. Doch der Audi macht das alles schon ganz gut, irgendwie.

Die 28,1kWh/100km, die er in unserem Schnitt verbrauchte, sind sicherlich auf der eher durstigen Seite, ein Tesla Model X dürfte diesen Wert sicher um 10% unterbieten, doch der Ami bietet eben nicht diese gigantische Wertigkeit, dieses unvergleichliche Gefühl des Audis.

Und das ist etwas, an dem sie ein paar Jahrzehnte geschraubt haben. Man muss das nicht mögen, man muss das nicht wollen, aber: man kann. Und der, für den es das tut, der findet im Audi e-tron Sportback ein wirklich gutes Auto und aktuell sicher das komfortabelste Elektroauto am Markt. (Damit man hier nicht vom Glauben abfällt – wir haben im ausführlichen Test des e-tron ohne Sportback schon auch ein paar Schwächen gefunden…)

Technische Daten:

Modell: Audi e-tron Sportback 55 quattro S-Line
Motor: 2 Asynchronmaschinen (Front & Heck)
Leistung: 408PS (300kW) Boostleistung für 8 Sekunden
Drehmoment: 664Nm
Antrieb: Allradantrieb, 1-Gang-Reduktionsgetriebe
Verbrauch kombiniert (WLTP): 21,9kWh/100km
Testverbrauch: 28,1kWh/100km
Testreichweite: 340km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 5,7 s
Höchstgeschwindigkeit: 200km/h (abgeregelt)
Abmessungen (L/B/H): 4,90m / 1,94m / 1,62m
Gewicht: 2‘480kg
Grundpreis: 96‘800 CHF (55 quattro S-Line)

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