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Kia Ceed SW PHEV

Sparefroh

So einen richtig guten Stand haben die Plug-in-Hybriden ja nicht. Auf der einen Seite sind sie teuer, auf der anderen nicht so grün wie sie sein könnten/sollten. Zumindest wenn es nach den E-Hardlinern geht, die überhaupt jede Form der Mobilität gerne abgeschafft sähen. Das stete Herumschleppen zweier kompletter Antriebsformen sei unnütz, schwer und ineffizient. Es sei nur dafür da, dass die Autoindustrie länger am toten Pferd operieren könne.

Es ist ein schwieriges, weil vielschichtiges Problem. Und ja, in Teilen haben die Kritiker recht. Vielleicht vor allem, weil es sich die Hersteller dank der absurden Normverbrauchs-Berechnungsmethoden mit den PHEVs tatsächlich sehr leicht machen können, ihre Flottenverbräuche zu erreichen. Als Beispiel: der Kia Ceed SW Plug-in-Hybrid notiert mit 1,3 Litern auf 100 Kilometern in der Norm, plus eben eine Batterieladung. Das ist natürlich völliger Unsinn.

Auf der anderen Seite bietet der Steckerhybrid eben die Möglichkeit des rein elektrischen Fahrens. Und das ist gerade im Stadtverkehr oder im Kurzstreckenbetriebe deutlich besser als mit einem Verbrenner. Es ist leise, es ist komfortabel, es ist weit effizienter. Aber wofür erzählen wir das, es dürfte dies mittlerweile jedem bekannt sein. Kommen wir also wieder zum Kia Ceed SW PHEV.

Der Koreaner ist der erste echte Kombi der Golfklasse, den es nun teilelektrisch mit Stecker gibt. Die Technik kennt man bereits aus Optima, Niro und auch dem XCeed, denn alle bauen auf den gleichen Triebstrang. Heißt also: 1,6 Liter Saugbenziner mit 105PS und 147Nm, dem ein überraschend kleiner Elektromotor aushilft.

Die E-Maschine leistet gerade 44 Kilowatt – und passt damit so gar nicht in das boostende Image, das die Hersteller den Steckerhybriden so gerne geben. Denn mit 60PS fährt es sich eben, nun ja, wie mit 60PS. Dafür geht der Kia Ceed SW PHEV aber überraschend sparsam mit den gebunkerten Elektronen um.

Im Test waren es einmal sogar über 60 Kilometer im E-Modus, einen knappen 50er schafft man unter frühlingshaften Temperaturen praktisch immer. Das ist vor allem erstaunlich, weil der Akku mit 8,9kWh Kapazität eher zu den kleinen gehört.

Im Gegensatz zur Konkurrenz ist das dadurch eine überraschend platzsparende Lösung möglich. Andernorts stören Stufen im Kofferabteil, oder ein hochgelegter Boden. Nichts von dem findet sich im Kia. Und so ist der Kofferraum beinahe ein technisches Highlight.

Mit 473 Litern verliert er zwar 150 Liter gegenüber dem normalen, doch das nur auf dem Papier. Denn der Verlust spielt sich nur unter dem Kofferraumboden ab. Da wo der konventionelle Ceed SW ein weiteres Staufach verbirgt, füllt es der PHEV mit Batterien auf.

Überhaupt, Design und Platz sind Themen, die der Kombi-Ceed sehr gut beherrscht, denn optisch kann man den Plug-in-Hybriden kaum von seinen herkömmlich angetriebenen Geschwistern unterscheiden. Einzig der geschlossene Kühlergrill, speziell designte Felgen und die Ladeklappe im vorderen Kotflügel weisen auf die effizienzsteigernde Technik hin.

Der Rest des knapp 4,61m langen Kia Ceed SW PHEV ist bekannt, denn er bedient sich viel bei seinem GT-Line-Bruder. So übernimmt der Teilzeit-Elektriker etwa Stossfänger vorne und hinten vom sportlichen Modell. Allerdings bleibt er sonst eher weit von dynamischen Allüren fern.

Das kommt besonders dem Komfort zu Gute – und so fährt der koreanische Kombi, wie es sich für seine Gattung gehört. Sanft, ohne soft zu sein – und vor allem noch knackig genug, um auch einmal schneller ums Eck zu gehen. Das freut vor allem, weil der Kia Ceed SW PHEV dadurch nicht nur Lastesel, sondern auch Spaßmobil sein kann.

Mit seinem grossen Innenraum ist er nämlich vor allem sehr praktisch. Besonders das Platzangebot im Fond ist sehr ordentlich. Dem Familienurlaub steht nichts entgegen. Dank des sehr guten Infotainments des neuen Jahrgangs ist man unterwegs auch bestens unterhalten.

Wie fährt der Kia Ceed SW PHEV?

Angenehm. Er ist kein Sprinter wie viele der grösseren Plug-In-Hybriden, sondern ein Gleiter. Wer den Fuss ein bisschen zügelt, der erntet einen sehr ausgewogenen Fahrkomfort. Vor allem ist der grosse Kombi dann flüsterleise unterwegs, denn der Benziner muss praktisch nie seine Stimme erheben.

Wenn er es denn muss, dann kann es mitunter etwas lauter zugehen. Denn der 1,6 Liter-Saugbenziner ist mehr auf Effizienz getrimmt als auf gute Manieren. Auch auf grosse Dämmungsmassnahmen hat man scheinbar verzichtet. So kann es beim Beschleunigen auf der Autobahn mit der schönen Ruhe schnell vorbei sein.

Es fällt dies aber vor allem deshalb auf, weil der Ceed PHEV sonst mit bemerkenswerter Ruhe glänzt. Und so lupft man einfach das Gas wieder ein bisschen und nutzt den Kia so, wie man es sollte: gemütlich. Man erntet dann auch Verbräuche, die beeindrucken.

Rein elektrisch waren wir mit 19,2kWh auf 100 Kilometer unterwegs, was einer elektrischen Reichweite von 46 Alltagskilometern entspricht. Im Autobahn-Langstreckenmix mit leeren Batterien waren es dann 5,4 Liter Benzin auf 100km. Angesichts von Grösse und Masse des Kia Ceed SW PHEV ein ebenfalls guter Wert.

Fazit

Der grosse Kia ist nicht nur der erste Plug-In-Hybrid seines Segments, er ist auch ein überzeugendes Auto. Man mag seinen Antriebsstrang als zu wenig sportlich kritisieren, würde damit aber dem Konzept nicht gerecht. Denn der Ceed SW ist als PHEV ein Gleiter. Ein sehr guter sogar.

Technische Daten:

Modell: Kia Ceed Sportwagon Plug-In-Hybrid
Motor: Vierzylinder-Reihe, 1‘580 ccm
Leistung: 105PS (77kW)
Drehmoment: 147Nm ab 4‘000U/min
Elektromotor: Permanentmagnet-Synchronmotor
Leistung: 60PS (44kW)
Systemleistung: 141PS (104kW)
Systemdrehmoment: 265Nm
Antrieb: Frontantrieb, 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Verbrauch kombiniert (NEFZ): 1,3l/100km
Reichweite elektrisch (NEFZ): 60km
Testverbrauch: 5,4l/100km (mit leeren Batterien)
Testverbrauch elektrisch: 19,2kWh
Testreichweite: 46km
Beschleunigung (0 – 100 Km/h): 10,8 s
Höchstgeschwindigkeit: 171-195km/h
Abmessungen (L/B/H): 4,61m / 1,80m / 1,47m
Gewicht: 1‘600kg
Grundpreis: 40‘900 CHF
Testwagenpreis: 45‘050 CHF

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