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Alfa Romeo Stelvio QV – eine Ausfahrt

Bergdynamik

Eigentlich müsste der erneuerte Stelvio, Jahrgang 2020, schon bei den Händlern stehen. Da gibt es aus bekannten Gründen ein paar Verzögerungen, was uns aber nicht wirklich stört, denn so kommen wir noch einmal in den Genuss eines «Quadrifoglio». Das ist auch gut so, dann können wir dann quasi direkt vergleichen zwischen neu und ganz neu.

Es mag bekannt sein, dass wir die SUV so wenig schätzen wie wir die Alfa Romeo lieben, dass wir uns wohl nie wirklich daran gewöhnen wollen, dass Alfa Romeo nun auch solche Dinger baut (ja, ja, wir kennen den Matta) – und dass wir den bösen Stelvio halt schon auch irgendwie noch cool finden. Weil.

Wir haben verschiedene Teststrecken. Die kürzeste Route führt gleich in der Umgebung über zwei anständige Emmentaler Hügel, die fahren wir mit eigentlich jedem Fahrzeug. Dann gibt es die lange, die können wir nur im Sommer fahren, sie führt über drei oder vier Pässe (Susten, Furka, Grimsel – oder Susten, Gotthard, Nufenen, Grimsel). Und dann haben wir noch die Routen durch den Jura, Balmberg, Weissenstein, Grenchner Berge, in den verschiedensten Variationen. Die sind ziemlich grob und auch nicht für jedes Gefährt wirklich tauglich, denn die Kurven sowie Gassen sind teilweise sehr eng, der Belag alles andere als vorbildlich. Diesen Frühsommer sind wir oft im Jura gewesen, etwa mit dem Audi RS6, aber auch mit der Alpine A110S, dem Renault Megane RS Trophy-R, dem Abarth 595 Competizione (Testberichte folgen). Und es tut uns selber ein bisschen weh, was wir jetzt hier schreiben: Wohl am meisten Spass hatten wir mit dem SUV von Alfa.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen: der Stelvio war sicher nicht das schnellste Gerät am Berg (das ist der Megane, mit Abstand) und auch nicht die präziseste Waffe (Alpine) und nicht die stärkste (Audi), sondern einfach: sehr fröhlich. Diese Mischung aus mehr als genug Power, viel Lärm, sehr gutem Fahrwerk, wunderbarer, präziser Lenkung, viel und schönem Lärm (ok, hatten wir schon, ist aber halt wichtig, wenn es um Fahrspass geht), die ist wirklich erstaunlich erfreulich. Am meisten gestaunt haben wir einmal mehr über Abstimmung des Fahrwerks, das zwar einigermassen weich ist und deshalb gut mit den schlechten Bergstrassen zurechtkommt, aber doch kaum Seitenneigung und Wankbewegungen zulässt; dank Allradantrieb ist da auch richtig, richtig viel Grip. Die Bremsen sind ausgezeichnet, sehr gut dosierbar und standfest, auf den unebenen Gassen mit den vielen Schlägen und in den ganz engen Serpentinen weiss man dann auch wieder, weshalb grosse, feststehende Schalt-Paddles das sind, was man braucht. Ja, das ist ein Kritikpunkt, wenn man denn so will: man schaltet sicher besser selber, ausser im «R»-Modus (da geht es nicht anders…), sonst haut die ansonsten tadellose 8-Gang-Automatik des Alfa etwas gar früh die nächst höhere Welle rein. «R» sei da am Berg aber nur jenen empfohlen, die das Ding im Griff haben – er kommt dann hinten schon ziemlich heftig, wenn man die 510 PS am Kurvenausgang zu früh lanciert; wer eine saubere Linie fährt, den belohnt der ¾-Ferrari-Motor mit wunderbar linearer Kraftentfaltung (maximales Drehmoment von 600 Nm schon bei 2500/min) und grossartigem Sound (ja, ich weiss…). Ach ja, wer es braucht: wenn man den Sechszylinder in den Begrenzer dreht, dann macht er einen heftigen Knall. Kann man durchaus einmal ausprobieren – oder auch öfter…

Ach, wir haben schon so oft über den Stelvio geschrieben, Fahrbericht, Test, da kommt uns jetzt auch nicht mehr viel Frisches aus der Tastatur. Wir warten jetzt gespannt auf das Facelift (zuerst: die Giulia), dann fahren wir sicher auch wieder über ein paar Berge und Hügel. Erwähnen kann man vielleicht noch, dass durch den Lockdown wohl noch einige neue Vor-Facelift-Stelvio bei den Händlern stehen dürften, da lässt sich vielleicht etwas am Preis schrauben – die Verbesserungen am Modelljahrgang 2020 sind nicht so tiefgreifend, dass man sich danach grämen müsste. Überhaupt ist der Preis ja eine mittlere Sensation, die deutsche Premium-Konkurrenz kostet mindestens einen Mittelklasse-Wagen zusätzlich.

Viel, viel mehr Alfa Romeo gibt es in unserem Archiv.

3 Kommentare

  1. Christian Ristenpart Christian Ristenpart

    Hallo radical-mag Team,
    Vielen Dank für die vielen tollen und überaus lesenswerten Artikeln.
    Habe in diesem (Stelvio 2020) gelesen, daß Sie mit dem A110S unterwegs waren. Gibt es davon demnächst mehr Informationen?
    Vielen Dank.
    Grüße aus Saarbrücken
    Christian Ristenpart

    • Peter Ruch Peter Ruch

      ja, der Testbericht kommt – bald… herzliche Grüsse.

  2. fredo fredo

    Die fette hässliche Schwester von der schönen eleganten Giulia.

    Leider kommt noch so ein fetter Prollwagen von Alfa.
    Ja der Markt, weil es nur noch geschmacks verwirrte Prolls gibt bald nur noch
    SUV. Ich dachte dieser Augenkrebs geht vorbei. Leider nein.
    DICK
    SCHWER
    GEFÜHLLOS ( erzähl jetzt wie ams..das vooolchswoochen-kauf-balttl das SCHWER
    das NEUE SPORTLICH IST und das es BESSER IST wenn du 2 Tonnen BREMESN Musst, weil 1000 Kilo ZU WEING BODENHAFTUNG HÄTTE… physik war mal..)#

    Nein. mein rotes HERZ blutet. au weh

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