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BMW i8

Freude am Fahren

Normal bleiben wir dem Sport-Modus immer fern. Es ist dann alles etwas künstlich. Pseudo-Schnelligkeit durch Härte, weniger Dosierbarkeit durch ein gar zu digitales Gaspedal und eine unangenehm laute Geräuschkulisse ist meist das Ergebnis. Bloss: schneller ist man nicht. Auf schlechtem Belag meist sogar langsamer, weil der Bock nur mehr springt und nicht rollt.

Im BMW i8 ist das anders. Hier ist der Sport-Modus ganz klar vorzuziehen. Nicht, weil er im Comfort-Modus schlecht wäre, nein, aber wenn der Schalthebel in die linke Gasse klickt, dann wird aus der bayrischen Flunder ein echtes Wunder.

Denn der Sport-Modus weckt den mittschiffs montierten 1.5 Liter Dreizylinder, den man aus diversen Mini- und kleineren BMW-Modellen kennt. Für den i8 wurde das B48 genannte Triebwerk allerdings nach allen Regeln der Kunst angespitzt. 231PS und 320Nm sind das Resultat. Und wer im Sport-Modus mal richtig auf dem Pedal stehen bleibt, der lernt den Zorn eines wilden Dreizylinders nicht nur schätzen, sondern vor allem lieben.

Überhaupt: voll-drauf-stehen. Es ist das, was der BMW i8 vielleicht am besten kann

Denn hier beisst er zu wie ein ausgehungerter Kettenhund. So unmittelbar, so blitzartig, so kraftvoll. Dabei aber auch so unglaublich elegant, so leicht, so unangestrengt.

Es ist, als würde er die Gaspedalstellung vorausahnen, jeden Millimeter Bewegung im grossen Zeh direkt abfangen und auf die Strasse drücken. Es ist, als würde die Beschleunigung niemals aufhören. Es ist die absolute Macht des elektrisch unterstützten Fahrens.

Natürlich können das die anderen auch, jeder sportliche angehauchte Plugin-Hybrid spielt das gleiche Spiel. Und doch beherrscht es keiner so wie der i8. Nehmen wir die Porsches als Beispiel. 136 E-PS im Panamera Turbo S e-Hybrid und dann die volle Wand von 550 V8-Pferden. Es ist, als würden erst ein paar Ponies ins Zügel springen und dir dann plötzlich die ganze Herde mit Macht in den Arsch treten. Erst passiert wenig, dann viel zu viel. Anderes Negativbeispiel: der Golf GTE. Der elektrische Antritt ist okay, der Verbrenner bringt dann aber kaum mehr Speed auf die Party. Es bleibt eine lauwarme Veranstatlung.

Der BMW ist da anders. Nicht nur, dass er im Gegensatz zu seinen fettleibigen Konkurrenten schwer an der Elektrotechnik trägt, nein. Dank seines Kohlefaserskeletts, den Aluminium-Knochen und der Plastikhaut wiegt er kaum mehr als ein vollausgestatteter Porsche 911. Er braucht also keine Gigantonomie auf dem technischen Datenblatt um zu beeindrucken. Es reicht ihm die perfekte Abstimmung beider Technologien.

Und die 250 Elektro-Nm ergänzen sich eben perfekt mit den 320 Nm des Verbrenners. Zumal der – wir erinnern uns: angespitzt nach Motorsport-Manier – erst bei 3700 Touren zur Höchstform aufläuft.

Die Beschleunigung ist wunderbar. Wunderbar perfekt

Es ist die perfekte Beschleunigung. Ansatzlos und unmittelbar. Hier muss weder gewartet werden, bis das Getriebe den richtigen Gang gefunden hat oder irgendwelche Ladedruck-Tricksereien angeblasen sind, nein, der i8 schiesst vorwärts, als sei er mit der besten Zwille abgeschossen worden. Lautlos, mächtig und dann, wenn der Dreizylinder tief grunzend mit ins Gefecht steigt, dann hört die Beschleunigung einfach nicht mehr auf.

Klar, 4.4 Sekunden auf 100km/h sind heute nicht mehr die Welt. Jeder 911 packt das locker. Aber es ist eben dieser absolute Nachdruck, dieses Unaufhörliche, besonders wenn der 1500er bei 7000 nicht etwa in den Begrenzer feuert, sondern derart zugkraftunterbrechungsfrei in den nächsten Gang, dass man verwundert ist, ob hier überhaupt ein klassisches Wechselgetriebe am Start ist.

Und ja, es ist. Sogar ein relativ ältliches. Eine automatische Sechsgangbox. Es würde heute kein Hahn mehr danach krähen. Aber, wir wiederholen uns, wenn es denn perfekt gemacht ist, dann ist es über absolut jeden Zweifel erhaben. Und der BMW i8 ist über jeden Zweifel erhaben.

Sicher, auf der Autobahnlangstrecke geht ihm irgendwann der Saft aus. Dann fängt er ein bisschen das Saufen an, weil der Dreizylinder nicht nur noch für sich, sondern auch für den Akku schuften muss. Auch auf engen Rennstrecken, mit wirklich vielen technischen Abschnitten, da muss die schmale Vorderachse den echten Hardcore-Racern den Vortritt lassen.

Doch im Alltag, im echten Leben, in der Sonntagsflucht auf der Landstraße, da möchtest du irgendwann kein anderes Auto mehr fahren.

Im echten Leben gewinnt der BMW i8 beinahe alles

Die Gewichtsverteilung, die Schwerpunktlage, überhaupt die ganze Komposition des Fahrwerks, der i8 bereitet Freude am Fahren, wie es uns ein BMW schon lange nicht mehr tat. Dazu eben diese Fähigkeit alles und jeden sofort zu überholen und sich wieder ungebremst den weiten Schwüngen der Landstraßen zu widmen – es ist wirklich traumhaft. Man sucht beinahe die Überholmanöver, will es immer und immer wieder erleben. Diesen ansatzlosen Sprint, diese Übermacht, die auf den Gasbefehl losstürmt.

Und dabei alle anderen doch nicht verärgert. Weil er nicht siebzehn Gänge zurückjubliert. Weil er nicht aus allen Rohren rotzt und lärmt. Weil er zivilisiert bleibt. Weil er die Zukunft auf Rädern ist. Weil er ein E auf dem Kennzeichen hat. Und weil man vielleicht auch einfach überrascht ist, was einen da gerade so heftig paniert hat.

Innerorts rollst Du dann lautlos, mal segelnd, mal rekuperierend, bis am Ortsschild der Hammer wieder fällt. Immer und immer wieder. Denn genau für dieses voll-drauf-stehen haben sie ihn gebaut.

Am Ende sind wir übrigens fast 1500km mit ihm gefahren. Verbraucht haben wir keine 80 Liter Super und 72 Kilowattstunden Strom. Runtergerechnet sind das etwas über 5 Liter Sprit und etwas über 4kWh pro 100 Kilometer. Denn das Beste kommt ja bekanntlich zum Schluss.

Den ersten Teil dieser Story gibt es hier, den zweiten Teil hier – und mehr BMW im Archiv oder unter Suche.

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