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deTomaso Sport 5000 (oder so)

Zwei Einzelstücke (mindestens)

Wir hatten gerade ein paar Rätsel beim deTomaso Vallelunga nicht lösen können. Und auch beim deTomaso Mangusta gibt es deutlich mehr Fragen als Antworten. Nun kommen wir aber zu einem deTomaso, der so eigen- wie einzigartig ist. Das beginnt schon beim Namen: Er hiess deTomaso Sport 500. Und auch Ghia deTomaso. Und deTomaso 70P. Und schliesslich auch noch deTomaso P70. Nicht schlecht für ein Fahrzeug, von dem nur gerade ein Exemplar entstand. Von dem (mindestens) zwei noch existieren.

Es gibt zwei Versionen dieser Geschichte.

1) Man schrieb etwa das Jahr 1965. Carroll Shelby wusste, dass er bald einen Nachfolger für seine Cobra brauchen würde. Also wandte er sich an Alejandro de Tomaso, den er irgendwann bei Ford kennen- und schätzen gelernt hatte. Shelby kannte auch den Vallelunga – und dessen Bauweise mit dem Zentralrohrrahmen und dem Mittelmotor erschien ihm als eine gute Ausgangslage für einen neuen Sport- und auch Rennwagen.

2) Man schrieb etwa das Jahr 1965. Alejandro de Tomaso brauchte für seinen Vallelunga unbedingt einen stärkeren Motor. Also wandte er sich an Carroll Shelby, den er irgendwann bei Ford kennen- und schätzen gelernt hatte. Dieser hatte selbstverständlich die Maschnen, auf die de Tomaso schielte – und er hatte mit Pete Brock den Designer zur Hand, der aus dem Vallelunga einen wirklich ernsthaften Sport- und Rennwagen machen konnte.

Wie auch immer: Shelby gab einen seiner besten Motoren her, einen 289er, der es auf satte 482 PS bei 7300/min brachte. Brock zeichnete auf Basis des Vallelunga eine offene Karosse – und fertig war der deTomaso Sport 5000. Doch Shelby war gar nicht zufrieden, verlangte von Brock, dass er sich von den Karosserie-Künstlern von Fantuzzi Hilfe holte, da wurde der Wagen dann mit einem beweglichen Heckspoiler und seitlichen Türen neu aufgebaut. Und erhielt den Namen deTomaso 70P. Oder auch P70. Aber genau dann erhielt Shelby den Auftrag von Ford, sich um das miserabel angelaufene Ford-GT40-Projekt zu kümmern, er liess de Tomaso im Regen stehen, der war entsprechend sauer, trug sein Einzelstück zu Ghia, wo es wieder ein paar Veränderungen und einen neuen Namen gab, Ghia deTomaso; dieses Fahrzeug wurde im November 1965 in Turin ausgestellt.

Wahrscheinlich wäre der Sport 5000 sogar schnell gewesen. Er war 4,08 Meter lang bei einem Radstand von 2,36 Meter, nur gerade 660 Kilo schwer. Er wurde auch bei diversen Rennen gemeldet, Le Mans, Sebring, doch da fuhr er keinen Meter. Etwas besser lief es in Mugello, da überstand er mit Roberto Bussinello am Steuer sogar die Qualifikation – im Rennen schaffte er dann aber nicht einmal eine Runde weit. Da wurde es de Tomaso zu viel, er stellte den Wagen – anscheinend – in die hinterste Ecke seiner Fabrik in Modena, wo er erst nach seinem Tod 2003 wieder entdeckt wurde.

Irgendwie gelangte der Wagen (so es ihn überhaupt noch gab) dann in die Hände eines in der Szene bekannten Herren aus einem der Benelux-Länder. Irgendwie hat er sich in den Jahren seither auch (mindestens) verdoppelt (was aber bei jenem in der Szene bekannten Herren aus einem der Benelux-Länder nicht weiter wundert, schreiben wir es mal so: es kam auch schon vor). Irgendwie ist es nun halt auch schwierig zu eruieren, welches denn nun der echte ist; vielleicht sind es auch beide nicht. Einen zeigen wir oben, der wurde 2019 kurzfristig von einem Bonham’s-Auktion zurückgezogen; das andere Teil ist folglich unten. Und dann gibt es auch noch ganz viele andere Fragen: Warum 5000? Was ist dran am Gerücht, dass de Tomaso aus lauter Ärger darüber, dass Shelby nicht mehr mitmachen wollte, den (oder einen) 289er-Ford-Motor in eine Big-Block-Maschine mit 6,8 Liter Hubraum verwandelte, der dann für fast 700 PS gut war?

Mehr schöne Klassiker haben wir in unserem Archiv.

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