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Edsel

Nicht Ford. Nur Edsel.

60 Jahre haben ihn – so einigermassen – rehabilitiert, die Fehler milde geschliffen von einer Zeit, die nie die seine war. Heute biegt der Edsel als Strassenkreuzer seiner Tage ums Eck, hinten schlicht (keine Heckflossen!), vorne mit einem Kühlergrill, den Frauenrechts-Gruppierungen verbieten wollten – und das Edselfahren gleich mit, dazu später. Er fährt sich auch wie ein Strassenkreuzer seiner Tage, also wuchtig, mit guss-eisernem Drehmoment. Mit Chrompolieren kann man ein verregnetes Wochenende retten, das spart dann Benzinkosten. Wobei: Heute hakt man die Treibstoffkosten (18 bis 20 l/100 km) ohnedies als Investment für Denkmalpflege in aller Würde ab, statt sie kleinlich breitzutreten. Denn der Edsel wurde vergessen, sein Name aber hat überlebt. Noch bis tief in die 70er Jahre verlieh beispielsweise IBM den Edsel-Award an den unfähigsten Mitarbeiter, er musste einen Edsel-Grill als Narrenkappe an seine Bürotür schrauben.

Geplant war alles anders, nämlich als Erfolg: In den frühen 50ern schafften Aufsteiger selten den übergrossen Sprung von Ford zur Konzernmarke Mercury. Eine mittelpreisige Marke musste also her, davor aber eine Werbekampagne wie noch nie: Das neue Auto wurde als radikal einzigartig angepriesen, erste Sujets zeigten den Wagen verhüllt oder sehr unscharf, um die Neugier wurln zu lassen. Den Namen sollte die Agentur Foote, Cone & Belding finden, statt eines Vorschlages lieferte sie allerdings 6000 Entwürfe ab. Die parallel beauftragte Dichterin Marianne Moore lieferte weniger Vorschläge, ließ aber offen, welche Substanzen zu Namen wie Utopian Turtletop, Pastelogram oder Moongoose Civique geführt hatten. Also griff Ford zum Namen Edsel, Vorname des jung verstorbenen Sohnes von Henry Ford I., obwohl Marktanalysen ergaben, dass der Name eher an leere Batterien (dead cell) oder Traktoren (Edson) erinnerte und Henry Ford II. den Namen seines Vaters nicht auf Radkappen rotieren sehen wollte.

Edsel wurde als völlig eigenständige Firma geführt, bekam paradoxerweise aber keine eigene Fabrik: Edsels wurden in Ford- und Mercury-Werken gefertigt, und damit die Karosserien auf die Ford- und Mercury-Fahrgestelle passten, waren sie unterschiedlich lang und auch verschieden breit, was die Ersatzteilsuche heute (Rücklichtgläser mit wenigen Millimetern Unterschied!) auch nicht leichter macht. Die Arbeiter verachteten die Edsels als Fremdkörper, auch gab es Probleme mit Zulieferern. So waren die ersten Vorführwagen unkomplett, in glücklichen Fällen lagen die fehlenden Teile mit Einbauanleitung für die Händler im Kofferraum. Und sie waren mies verarbeitet, an den Fahrtwind verlorene Logos zählten zu den marginalen Fehlern, die störanfälligen Automatik-Drucktasten in der Lenkradnabe, durch Planetensätze waagrecht gehalten, waren auch noch leichter wegzustecken als der «Horse–Collar-Grill»: Er wurde als Toilettensitz bezeichnet – oder gar als vaginös empfunden, kein solides Verkaufsargument in den prüden USA. Emanzipierte Frauen schieden als Kundinnen aus, Verbote des Edselfahrens gingen nicht durch, das Image war aber ruiniert. Zusätzlich kam 1958 eine Rezession, Autos verloren als Statussymbol an Gewicht, dafür stieg der Verkauf von Motorbooten. Es gab auch ein Gewinnspiel für Edsel-Käufer, aber der erste Preis, ein lebendes Pony, galoppierte zart an den Wünschen durchschnittlicher US-Bürger vorbei. Umstritten war das Edsel-Projekt sogar firmenintern: Ford-Manager Robert McNamara, später US-Verteidigungsminister und Präsident der Weltbank, torpedierte die neue Marke, bevor das erste Auto gefertigt wurde – und der Verlauf des Debakels spielte ihm in die Hände.

Für 1959 wurde der Edsel noch glatter gebürstet, nur der vaginaähnliche Grill blieb. Längst feilte Ford am dezenten Ausstieg aus dem Desaster, aber für Dezenz war’s zu spät. Sie wurde noch für den 1960er-Edsel geprobt, ein nur an Grill, Heck, Interieur und Logos geänderter Ford Galaxie, vom Modellprogramm blieb ein karger Rest, vom Wiedererkennungswert ohne den verhängnisvollen Grill überhaupt nichts. Noch im November 1959 wurde der Edsel eingestellt, Gebrauchte waren fortan Narrenkappen. Dennoch wurde schon 1967 der Edsel-Club gegründet.

Es sollen hier aber noch ein paar Photos gezeigt werden, damit man sich selber ein Bild machen kann. Wir beginnen von hinten, mit einem 60er Edsel Ranger Hardtop Coupé:

Und zum Vergleich ein 60er Convertible:

Doch fast wichtiger ist ja, was vorher geschah – hier ein 59er Edsel Corsair Convertible:

Von diesem 59er Edsel Corsair Skycruiser mit Retracable Hardtop wurden anscheinend nur zwei Stück gebaut:

Dies ist ein 59er Hardtop Coupé:

Als Gegensatz dazu: ein 59er Edsel Villager Station Wagon.

Kommen wir zu den 58ern, beginnen wir mit einem  Villager Station Wagon:

Und machen weiter mit einem 58er Edsel Pacer Convertible:

Wir wollen diese kleine Bilderserie beenden mit dem Anfang vom Ende, dem 58er Edsel Citation Hardtop Sedan:

Wir bedanken uns für diesen schon älteren Text bei der österreichischen «auto revue» – begehrtere amerikanische Klassiker gibt es immer in unserem Archiv.

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