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Porsche 911 Carrera 4 Leichtbau

Die Rechtfertigung

Bei der Rennsport Reunion 2018 haben wir mal einen Porsche 911 Carrera 4 Leichtbau gesehen, auch fotografiert, dabei genauer betrachtet. Wir wollten auch etwas darüber schreiben, doch dann kam halt noch dies und auch noch jenes, also ging die Story dann irgendwie vergessen. Doch jetzt steht bei RM Sotheby’s eines der 22 Exemplare zum Verkauf (Amelia Island, 5. März, Schätzpreis 700’000 bis 900’000 Dollar, siehe weiter unten), das ist doch ein guter Grund, dass wir uns endlich mit diesem Modell zu beschäftigen.

Es war wieder einmal Jürgen Barth und das Kunden-Motorsportprogramm von Porsche. Man wollte eine kleine Serie von Carrera 4 rennsporttauglich machen – warum, das wissen die Götter. Und weil man grad schon dran war, konnte man ja auch noch das Gewicht reduzieren. Porsche beschränkte sich jedoch nicht darauf, die ganze Komfort-Ausstattung samt Schalldämmung und Teppiche zu entfernen, sondern setzte auch noch Karosserieteile aus Aluminium und Glasfaser ein. Dies mit gutem Erfolg, das Gesamtgewicht lag am Ende bei 1095 Kilo, was doch erstaunlich ist für ein Fahrzeug mit einem ausgeklügelten Allradsystem.

Dieses Setup ist deshalb erwähnenswert, weil es ein weiteres Bindeglied zu einem weiteren glorreichen Porsches darstellt. Der Carrera 4 Leichtbau wurde mit einem mechanisch einstellbaren Allradsystem ausgestattet, das von jenem des Typs 953 abgeleitet war, der auch in den ersten 959 Paris-Dakar-Rallyefahrzeugen zum Einsatz kam (die Serien-959er verwendeten einen elektronisch gesteuerten Allradantrieb). Bei diesem System waren das mittlere und das hintere Differential manuell über Drehknöpfe einstellbar, so dass der Fahrer ein hohes Mass an Kontrolle hatte; zwei Temperaturanzeigen überwachten die einzelnen Differentiale. Mit der Übertragung der Technologie auf den 911 rechtfertigte Porsche den erheblichen Aufwand für die Entwicklung und die Erprobung bei der Rallye Paris-Dakar.

Um den Carrera 4 Lightweight weiter für den Rennsport vorzubereiten, erhielt er eine nahtgeschweisste Wanne und feste Plastik-Fenster mit Schiebeelementen. Der serienmässige Spoiler (der sich bei Geschwindigkeit nach oben drehte) durch eine feste Einheit ersetzt, um jederzeit maximalen Abtrieb zu gewährleisten. Die Sitze wurden zugunsten von Recaro-Rennschalen aus den 964 Cup-Fahrzeugen mit werksseitigen Fünf-Punkt-Gurten ausgetauscht, und ein Halcon-Feuerlöschsystem sowie ein integrierten Überrollkäfig wurden eingebaut.

Das Fahrwerk wurde um einen Zentimeter abgesenkt, die Serien-Bereifung wurden durch sechs Zoll breite Vorder- und acht Zoll breite Hinterräder (optional sieben und neun Zoll) ersetzt. Als Antrieb diente eine Version des 3,6-Liter-Sechszylindermotors des Carrera RS, der durch einen geänderten Auspuff und das Fehlen eines Luftfilters 265 PS leistete – 5 PS mehr als der Motor im Carrera RS. Eine spezielle Kupplung und Schwungräder kamen zum Fünfgang-Schaltgetriebe. Erstaunlicherweise erhielt der Leichtbau keine 17-stellige Standard-Chassisnummer und war daher nicht für die Einfuhr in die Vereinigten Staaten zugelassen. Stattdessen folgten alle 22 Exemplare der einer 9640xx-Sequenz. (Beim schwarzen Fahrzeug handelt es sich um 964015.)

Der unten gezeigte Wagen ist das 18. serienmässige Exemplar, also 964018. Er wurde ursprünglich an Hans Jürgen Tiemann ausgeliefert, der zu dieser Zeit den Porsche-Kundensport in Weissach leitete. Der Wagen weist eine Reihe von Sonderausstattungen auf, darunter Cup 1 RS-Magnesiumfelgen, leichte Kevlar-Recaro-Sitze und eine blütengelbe Lackierung. Dies ist der einzige leichtgewichtige 964 mit gelber Lackierung. Der Kilometerzähler zeigte zum Zeitpunkt der Katalogisierung für Amelia Island 2022 gerade einmal 559 Kilometer an.

Wir haben da aber noch ein paar mehr, zuerst 964010:

Und dann auch noch 964020:

Andere seltene Porsche finden Sie in unserem Archiv.

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