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Designfurz Polestar 4

Schwiegermuttersitz

So auf dem Papier scheint der Polestar 4 ganz nett zu sein. Bis zu 522 PS, in 3,7 Sekunden auf 100, 200 kW beim Laden – und das für die Hälfte des Geldes des neuen Strom-Macan. Zu dessen Design wir uns jetzt hier nicht auslassen wollen, wir ringen immer noch etwas nach Worten. Auch beim Polestar sind wir ziemlich fassungslos, also, alles ganz nett bis zur C-Säule. Doch dann der Scherz: keine Heckscheibe. Sondern eine Werbefläche vielleicht für die Bank, bei der frau/man den Chinesen geleast hat.

Aber wahrscheinlich sind das alles nur Zeichen der Zeit. Im E-Auto gurkst Du auf der Autobahn eh besser im Windschatten des litauischen Sattelschleppers, da muss man nicht nach hinten schauen können, will gar nicht sehen, wie sich die Vertreter-Diesel noch austoben. Gut, der Blick zurück ist zusammen mit dem Blinken eh längst aus der Mode gekommen, das setzt Polestar jetzt halt konsequent um. Die Frage ist ein bisschen: Wenn Du dann beim Rückwärtsfahren den vollbesetzten Kinderwagen plättest oder den parkierten Bugatti Chiron touchierst, wer ist dann schuld? Der Hersteller, weil er Dir ja gar keine Chance gab? Ach, wer in der zweiten Reihe sitzt, hat sowieso nichts zu melden, der soll im Dunkeln munkeln – auch wenn er das Knirschgeräusch des geplätteten Kinderwagens zuerst hört. Da fragen wir uns allerdings, warum die Chinesen nicht gleich den Schwiegermuttersitz wieder eingeführt haben, das hätte dem Heck des 4er doch eine noch speziellere Note verliehen.

Wir möchten hier noch eine Wette eingehen: Die Heckscheibe kommt noch als (teure) Option. Mal schauen, wie lange es dauern wird, Polestar reagiert ja recht flott auf Kundenwünsche, wie sie bei der Wiedereinführung von echtem Leder schon bewiesen haben. Oder wie wäre es mit einem Pick-up-Cabrio? (Ja, wir haben da ein bisschen rumgespielt mit KI, sieht lustig aus, aber «radical» bleibt garantiert frei von diesen Spielereien, versprochen.)

Sinnvollere Automobile haben wir in unserem Archiv.

5 Kommentare

  1. Max Max

    Schon probegesessen: nach vorne ist die Sicht doch auch arg begrenzt. Mal sehen wann die kleinen ausfahrbahren Stifte auf der Ecke wieder in Mode kommen wie einst bei der S-Klasse.

    Aber eins muss man zugestehen: Platz für die Knie im Fond ist reichlich vorhanden, vorne wegen der anscheinend markenübergreifend unverzichtbaren Monster-Mittelkonsolen weniger.

  2. Harry Harry

    Der Artikel liest sich recht lustig. Im Windschatten von Lastwagen fahrende EVs sind aber eher Diesel-Dieters Projektionen denn Realität.

    • Peter Ruch Peter Ruch

      ach, wir arbeiten hier ja in der Unterhaltungsbranche. Da darf man manchmal etwas übertreiben, oder?

  3. Geggi Geggi

    Ich denke die Chinesen haben die Entwicklung der Heckscheibenhöhe extrapoliert, und dachten sich: ätsch, wir sind die ersten ohne.
    Wieso auch noch 2,3 Modellzyklen warten? Die jetztigen Heckscheiben verdienen sich eigentlich nicht ihren Namen, und die dazugehörenden Wischer würden von der Größe her gut auf meine Brille passen.

  4. Matthias Matthias

    Aber, aber – das ist doch kein Grund zur Aufregung. Demnächst haben wir noch tollere Rückfahrkameras mit automatischer Erkennung von Trottinett-Fahrern, Omas mit Rollator und nicht angeleinten Hunden. Ausserdem wird das Kennzeichen des Fahrzeugs, das beim Einparken rückwärts im Weg ist, automatisch eingescannt, so dass bei einer (unwahrscheinlichen) Karambolage die Schadensabwicklung mit der gegnerischen Versicherung per KI eigenständig von sich geht. Auch der Wackelkopf-Dackel bewohnt nicht mehr die Hutablage, so dass dieser Mitfahrer keine Aussicht vermisst, wenn es keine Heckscheibe mehr gibt. Jeder gute Trucker und Panzerfahrer hat zudem gelernt, nach Spiegeln (bzw. Winkelspiegeln) zu fahren, dann werden das die Autofahrer wohl auch bald können. Als nächstes werden weiterhin die Front- und Heckscheiben obsolet und durch cockpit-interne, hochauflösende Displays ersetzt werden, auf denen der Fahrer und seine Passagiere, wenn sie autonom durch die Gegend geschaukelt werden, gamen, Filme gucken und VR-Fun geniessen können. Dann kann man die lästige Realität komplett wegzoomen. Hey, Leute, wir stehen am Beginn einer glorreichen Zukunft!

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