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Alpine A110 GT4

Alles fliesst

70 Jahre ist es her, dass Jean Rédélé in seiner Heimatstadt Dieppe Alpine gründete. Warum Alpine, wenn man doch aus einer Hafenstadt am Meer kommt? Bisher hiess es immer, Rédélé sei über sein gutes Abschneiden bei der Coupe de Alpes so glücklich gewesen, dass er sich davon habe inspirieren lassen. Nun hat uns ein älterer FRanzose aber erzählt, das stimme gar nicht, die Frau von Rédélé habe Verwandte an der Côte d’Azur gehabt, die ein Haus mit dem Namen Alpine besassen, der Markenname stamme von da. Wieauchimmer, Rédélé, geboren 1922, baute schon ab 1952 seine eigenen Fahrzeuge, Design Giovanni Michelotti, wahrscheinlich drei Stück, Alu-Karosse, die bei Allemano aufgebaut wurde. Daraus entstanden dann, noch vor der Gründung der Marke, drei weitere Fahrzeuge, als A106 Coach bezeichnet, da erarbeitete Rédélé dann wieder auf Basis des Renault 4CV ein Sport-Wägelchen mit Kunststoff-Karosserie, das er dann die Renault-Chefetwage vorstellen durfte. Die hohen Herren des Staatsbetriebes waren so mässig interessiert, als bastelte sich Rédélé halt mit Hilfe seines Schwiegervaters sowie Chappe et Gessalin, wo der Aufbau hergestellt wurde, seine eigene Marke zusammen. Bis 1960 wurden 251 Fahrzeuge des A106 in Handarbeit in Paris hergestellt, 40 weitere in Belgien im Lizenzbau. Ab 1957 gab es auch ein A106 Cabrio, diesmal wieder mit Design von Michelotti – und ab da wird es nun relativ schwierig.

Ab 1958 gab es dann nämlich das Alpine A108 Cabrio (siehe oben). Das sich nur in Details vom A106 Cabrio unterschied, die Produktion wurde auch parallel geführt. 1959 wurde auf der gleichen Basis das A108 Coupé eingeführt, 1959 kam ein A108 Coupé 2+2 dazu, dies war aber nun ein eigenständiger Entwurf von Chappe et Gessalin. Doch bleiben wir noch kurz bei den A108 Cabrio und Coupé, die 1960 von Phillipe Charles überarbeitet wurden, den Namenszusatz Sport erhielten. Charles erarbeitete gleichzeitig aber auch noch ein weiteres Modell, die A108 Berlinette «Tour de France», die dann ab 1962 als A110 Berlinette auf den Markt kam – und sicher das berühmteste Modell der Marke ist. Doch hier geht es eben nicht um die berühmte Berlinette, sondern um das wohl unbekannteste Modell von Alpine, den A110 GT4. Der seine Karriere, es wurde schon erwähnt, als A108 Coupé 2+2 begann, «Grand Tourisme» und für Familien geeignet sollte er sein – wobei die sechs Zentimeter mehr Radstand und 11 Zentimeter mehr Länge jetzt nicht für grossartige Platzverhältnisse für die hinteren Passagiere sorgten. Sechs verschiedene Varianten von Motorisierungen standen auch für den 2+2 für Verfügung, es wurden aber insgesamt keine 100 Stück verkauft. Was daran gelegen haben dürfte, dass das Heck schon eher gewöhnungsbedürftig war.

Aber auch der Nachfolger, der GT4, der 1962 gleichzeitig mit der Berlinette auf dem Paris Salon vorgestellt wurde, konnte die Massen nie begeistern, bis 1969 entstanden nur gerade 263 Exemplare. Sie wollen es genauer wissen? Gern: 1963 – 35 Stück, 1964 – 48, 1965 – 54, 1966 – 53, 1967 – 38, 1968 – 24 und 1969 noch 11. Das Design stammte wieder von Chappe et Gessalin, es war sicher besser als beim A108 Coupé 2+2, aber trotzdem kein grosser Wurf – man schaut dann schon zwei Mal, ob es sich bei diesem Fahrzeug wirklich um eine Alpine handelt. Dabei war der GT4 schon deutlich praktischer, der Radstand wuchs gegenüber der Berlinette um 17 Zentimeter auf 2,27 Meter, die Länge lag erstmals bei mehr als 4 Metern, 4,05 Meter, um genau zu sein, das Dach ermöglichte drei Zentimeter mehr Kopffreiheit.

Die ersten GT4 mussten mit dem 953-cm3-Motor mit 51 PS auskommen. Doch dann gab es auch die 1,1-Liter mit 66, 95 und 105 PS, schliesslich, nur 1966, auch noch drei Exemplare mit dem 1,3-Liter-Motor und sehr flotten 115 PS – für den eiligen Vater war das sicher genug, wir sprechen hier ja auch von nur etwa 750 Kilo. Der GT4 wurde übrigens auch in Mexiko in Lizenz gebaut, dort sollen als Dinalpin noch einmal 118 Exemplare entstanden sein – schön ist ja, dass die Abkürzung Dina, also jene des mexikanischen Partners, für Diesel Nacional steht. Insgesamt haben von allen GT4 wohl nur etwa 50 Exemplare überlebt.

Die ganze Modell-Geschichte von Alpine haben wir: hier.

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