Preis. Und Leistung.
Es bleibt erstaunlich. Erst gerade haben wir vom Leapmotor B10 berichtet, eigentlich keinerlei Schwächen gefunden, den chinesischen Hersteller aber für modernste Technik (Zentral-Computer!) und den äusserst fairen Preis (zumindest in der Schweiz, keine Strafzölle für Produkte aus China) loben können. Und jetzt haut der Stellantis-Partner aus dem Reich der Mitte schon das nächste gute Angebot raus: C10, rein elektrisch, Allradantrieb, 800-V-Architektur, 450 Kilometer Reichweite nach WLTP. Und das zum Preis von 39’900 Franken. Damit steht das 4,73 Meter lange SUV absolut konkurrenzlos da, für das gleiche Geld gibt es bei anderen Herstellern einen netten Kleinwagen (oder nicht einmal den feuchten Händedruck eines schmierigen Autoverkäufers).

Doch nicht allein das Produkt ist erstaunlich. Als der Schweizer Importeur vor gut einem Jahr die Vertretung von Leapmotor übernahm, äusserte er bald einmal den Wunsch nach einem allradgetriebenen Stromer. Das braucht es, nicht nur in der Schweiz, sondern überall dort, wo manchmal Schnee liegt, in Österreich (wo Leapmotor sehr gut angelaufen ist), in Bayern, im Südtirol (in Italien gehen die Chinesen durch die Decke), in Teilen Frankreichs. Die Antwort aus China kam umgehend: Können wir machen. Und kein Jahr später steht das neue Modell schon bei den europäischen Händlern. Nein, es soll nicht schon wieder auf andere Hersteller verwiesen werden (bei den wohl allein schon die Bestätigung der Anfrage länger gedauert hätte), aber was Leapmotor da abliefert, auch an Over-the-air-Updates, das ist schon bemerkenswert. Klar, ein europäischer Premium-Hersteller hätte solch ein neues Modell schon noch zwei Jahre auf Erprobungsfahrten durch sieben Wüsten und sechs Hochgebirge und elf Rennstrecken geschickt – ah, stimmt gar nicht, das machen die ja auch nicht mehr, ein paar müde Computer-Simulationen müssen auch im obersten Preissegment unterdessen ausreichen.

Unter den vielen SUV, nicht nur jenen aus China, gehört der Leapmotor C10 definitiv zu den hübscheren Vertretern. Es ist sauberes Design, ein klein bisschen elegant, angenehm zurückhaltend – man macht da nichts falsch, ist gut angezogen. Das gilt auch innen, das ist klinisch sauber; physische Knöpfe gibt es noch auf dem Lenkrad, dazu links und rechts davon zwei Hebelchen, alles andere wird über einen riesigen Touchscreen bedient. Das ist zwar bereits wieder nicht mehr so sehr in Mode, aber das kann man schon so machen, die Angewöhnungszeit ist kurz. Andererseits soll es ja auch Menschen geben, die müssen alle zwei Minuten die Temperatur verändern, einen anderen Radiosender suchen oder komplette Spotify-Listen erstellen, da kann das mühsam werden. Immerhin ist das Gebimmel der Assistenten jetzt diskreter und seltener, das ist ein Fortschritt. Was uns bei dieser Ausfahrt aufgefallen ist (wir fuhren ja schon einmal einen C10 mit Range Extender, hier): Es reicht besser. Die Verarbeitung ist auf einem erfreulich hohen Niveau; wer intensiv sucht, der findet schon die eine oder andere scharfe Kante, aber normale Menschen greifen dort nicht freiwillig hin.

Im Fahrbetrieb gefällt der C10 mit viel Komfort und noch mehr Ruhe. Die Lenkung ist sehr leichtgängig, aber das passt zum Stromer, den man wohl eher nicht um die Rennstrecke schickt. Wobei: Der 4×4 kommt mit 580 PS und 720 Nm, das geht dann bei Bedarf so richtig vorwärts, etwa in 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Es gibt auch einen Sport-Modus, da wird die Lenkung etwas strenger, die Dämpfung etwas gestrafft, zum Track-Tool wird der Chinese aber auch damit nicht. Der Strom kommt aus einen 81,9 kWh grossen Akku, als WLTP-Verbrauch gibt Leapmotor 20,5 kWh/100 km an – auf der ersten Ausfahrt blieben wir problemlos darunter. Geladen werden kann das 2,2 Tonnen schwere SUV mit maximal 180 kW. Da schaffen andere Produzent höhere Werte, doch Leapmotor behauptet, diesen Wert bis mindestens 60 Prozent SOC durchziehen zu können. Das wäre dann wiederum eine gute Ansage. Wenn wir einen Grund zum Mäkeln suchen müssten, dann würden wohl am ehesten das Kofferraumvolumen von 370 Liter (maximal 1410 Liter) kritisieren, das ist für ein so grosses Fahrzeug doch unterdurchschnittlich. Ansonsten ist das Raumangebot ja bestens.




Aber jetzt noch einmal: 39’900 Franken. Nicht ab, sondern genau so, in der höchsten Ausstattungsstufe ProMax. Ja, es fehlt der Marke Leapmotor noch an Ausstrahlung (aber nicht an Händlern, ein grosser Vorteil der Marke und für die Kunden), es existieren weiterhin unsägliche Vorurteile gegen chinesische Automobile. Doch wer einigermassen vergleichen sowie auch noch rechnen kann und sich um sein Image keine Sorgen zu machen braucht, der kommt an diesem Angebot in diesem Segment eigentlich nicht vorbei.





Grauenvolles Fahrzeug. Unförmig, belanglos, fad.
Einfach den Cayenne kopieren. Und wir liefern brav Arbeitsplätze und Geld nach China. Dann lieber einen Europäischen Hersteller. Irgendwie wird China auf die leichte Schulter genommen und sehr unkritisch dargestellt
Da haben Sie recht Herr Friedmann.
„Irgendwie wird China auf die leichte Schulter genommen und sehr unkritisch dargestellt“.
China ist und bleibt eine Diktatur mit einem mittlerweile gut ausgebautem Überwachungssystem. Sie machen auf fortschrittlich Westlich aber zunehmend verrutscht ihnen die Maske. Die Chings haben 1989/90 sehr genau zugeschaut und analysiert, woran und warum deren „sozialistische Bruderstaaten“ gescheitert sind. Der Westen ist dann, in seiner ihm eignen Überheblichkeit, naiv und voller Geldgier den Chings bis heute „auf den Leim gegenagen“.
Ja, auch dieses Auto reiht sich in die Riege der heutigen Massenprodukte nahtlos ein und wir, weil wir nix mehr zustande bringen, jubeln über solche Kisten.
Dieses Auto spricht mich weder optisch (Außen und Innen) noch technisch an. E-Auto von mir aus, dann aber nicht 2,2 Tonnen um 2 (oder meißtens nur 1) Stück Mensch zu bewegen….
Auf den Cayenne wäre ich nicht gekommen, aber der Leapmotor sieht halt einfach nach SUV aus, wie so wahnsinnig viele andere.
Ich habe längst aufgegeben, sie unterscheiden zu wollen im Straßenbild.
Deutschland hat sich in seiner automobilen Arroganz schlicht und ergreifend abhängen lassen und China und andere liefern zum akzeptablen Preis.
Wer bei den heutigen Lebenshaltungskosten rechnen muss, der wird leichtschultrig einen Chinesen, Franzosen oder Japaner kaufen, Hauptsache bezahlbar.
VW könnte auch günstig liefern, tun sie in China auch. Hier nicht.
Ist mir aber egal, weil von dem Konzern kaufe ich nichts mehr.
Herr Ruch, ist das wirklich so mit den wenig ausgiebigen Tests neuerdings?
Man sieht ja doch einige maskierte Erlkönige herumfahren.