Caroline von Monaco
Das war halt schon ein Ding, der Opel Manta. Als er im September 1970 als Coupé-Version des (erst zwei Monate später vorgestellten) Ascona und Konkurrent des schon 1968 präsentierten Ford Capri auf den Markt kam, da waren die jungen Deutschen schockverliebt. Zwar war der Opel anfangs sicher nicht übermotorisiert, die stärkste Version kam auf 90 PS, doch er sah halt schon gut aus. Und als GT/E, eingeführt im März 1974 und 105 PS stark, dann sogar richtig cool. Bis zu den Sommerferien 1975 wurden fast 500’00 Exemplare dieser Manta A gebaut. Der Manta B, eingeführt nach den Sommerferien 1975 und gebaut bis zum 28. August 1988, hatte es da deutlich schwerer: In stolzen 13 Produktionsjahren kam er auf 557’940 Exemplare.



Es ist irgendwie verständlich. War der erste Manta noch ein wirklich knackiges Sport-Coupé, sah die zweite Generation mehr so aus wie der örtliche, stellvertretende Sparkassenleiter. Der Schwiegersohn in spe, der dann mal die dörfliche Edeka-Filiale übernehmen wird. Klar, es gab dann später scharfe Varianten, Manta 400, den Nachfolger des Ascona 400, aber der erste Aufwasch des Manta B war von einer fast schon unsäglichen Biederkeit. Wieder basierte er auf dem Ascona, war aber 11 Zentimeter länger als sein Vorgänger, wirkte bei ähnlicher Breite deshalb sehr schlank, irgendwie zu gross. Opel wollte den Manta B eine Stufe höher positionieren, dichtete dafür den Werbe-Slogan: «Ich träumte, ich wäre im neuen Opel Manta mit Caroline durch Monaco gefahren». Das empfanden die potentiellen Kunden als so peinlich wie es auch tatsächlich war, die Kampagne musste eingestampft werden.

Dabei war so ein Manta GT/E der zweiten Generation ja durchaus ein flottes Gerät. Frontspoiler, schwarze lackierte Fronthaube, ein Fahrwerk mit Gasdruck-Stossdämpfern, 105 PS aus dem 1,9-Liter-Motor; in den Testberichten jener Jahre galt der Opel als fahraktivstes Fahrzeug in seinem Segment, besser noch ein Capri S mit seiner 2,3-Liter Maschine. Doch die grosse Mehrheit kaufte halt die günstigeren Version, der 1,2 N mit seinen 55 PS war dann mehr eine Wanderdüne als ein sportliches Coupé, zwar günstig, aber auch entsprechend lahm. Auch unseren Probanden, eine 1,9-Liter-S-Berlinetta mit 90 PS und 150 Nm maximalem Drehmoment ab 2600/min, kann man jetzt nicht als Rakete beschreiben. Zumal er dann noch ein bisschen Probleme hatte, das Fahrzeug aus der Classic-Sammlung von Opel drehte mal sauber dauernd bei 2500/min Leerlaufdrehzahl, das machte die Ausfahrt nicht wirklich entspannt. Ja, liesse sich richten, wenn man Zeit und Werkzeug und Ahnung hätte, hatten wir aber alles nicht.

In den 70er Jahren feierte der Plastik Urständ‘. Man konnte das Zeug erstmals sauber in Form bringen, es war billig, es war (einigermassen) beständig – es war eine Revolution. Und so sieht man in diesem Manta eine Plastik-Landschaft vor sich, die man gar nicht so recht sehen will. Das hat etwas Gutes, es fällt der Blick mehr auf das blaue Velours-Gestühl, ja, das bestellte man sich damals so, blau aussen, blau auch innen – heute konfigurieren sich nur noch stilferne Krypto-Luftgebläse ihre Fahrzeuge so, einst war das üblich. Und trotzdem sieht diese Manta-Berlinetta innen eigentlich besser aus als von aussen, das blaue Interieur nimmt ihm viel von seiner Biederkeit.

Die Ausfahrt ist keine Offenbarung. Er wiegt zwar nicht viel mehr als eine Tonne, der Manta, doch der Vierzylinder ist jetzt nicht wirklich ein Ausbund an Drehfreude. Und die Wege durchs 4-Gang-Getriebe sind lang. Auch das Fahrwerk, vorne immerhin Einzelradaufhängung an Doppelquerlenkern, hinten aber Starrachse mit Deichsel (eine so genannte Zentralgelenkachse), fördert eine sportliche Fahrweise nur bedingt. Doch ist man dann mal auf der Landstrasse, dann brummelt die Maschine angenehm ruhig vor sich hin, es ist schön komfortabel, es gleitet gut. Die Lenkung ist relativ streng, aber dafür fährt der Opel halt auch dorthin, wo man will, die Bremsen sind dem Fahrstil angepasst; vorne gibt es immerhin Scheiben, 244 Millimeter im Durchmesser, das war damals gut so. Fast 180 km/h Höchstgeschwindigkeit will so eine S-Berlinetta erreichen – nun denn, viel Vergnügen.





Doch darum geht es ja auch gar nicht – radical freut sich immer wieder, wenn wir so einen Klassiker fahren dürfen, in diesem Fall sogar den allerersten Manta in unserer doch schon lange Karriere. Das tut halt auch immer wieder gut, auf den Boden der früheren Tatsachen zurückgeholt zu werden, keine Drehmomentwände wie in heutigen SUV, keine Instant-Drag-Races wie in den aktuellen Stromern. Sondern einfach entspannt sitzen und der Landschaft zuschauen, wie sie friedlich vorbeizieht. Die Manta A, heisst es, sind teuer geworden (insbesondere dann, wenn sie nicht verbastelt sind), bei den Manta B hält sich der Preisdruck anscheinend noch in einigermassen vernünftigen Grenzen.






Und dann bleibt doch die Frage, weshalb man so ein Fahrzeug will: Reine Fahrfreude ist wohl eher nicht der Punkt. Auch ein Design-Genuss ist so ein Manta B ja nicht wirklich. Meist ist es wohl die Sentimentalität, der Papa hatte so einen, der Sparkassenleiterstellvertreter-Onkel, die erste Freundin (mit dem Auto von Papa), die erste grosse Ferienreise mit Kollegen (im Auto vom Onkel). Diese Reisen in die Vergangenheit, zu einem einstigen (glorifizierten?) Glück lässt sich noch manche/r etwas kosten, obwohl sie/er ja weiss (hoffentlich), dass die Investition sich niemals rechnet. Geld allein macht nicht unglücklich.






radical fuhr diesen Opel Manta im Rahmen einer Veranstaltung von CarDesignEvents, dafür wollen wir uns bedanken. Mehr spannende Automobile haben wir im Archiv.


Vielleicht wäre eine Renaissance des Coupes oder einer klassichen Limousine (an den GT wagt man gar nicht zu denken) eine Möglichkeit die dümpelnden Verkaufszahlen zu verbessern.
Dass Emotion Autos verkauft schein man in Rüsselsheim vergessen zu haben.
Manta A, 1900 ccm, 90 Ps, 970 kg leer, 4 – Gang, ATS – Felgen, Blau mit schwarzem, genarbtem Kunstlederdach. Innen alles schwarz, auch die Kunstledersitze, die im Sommer so heiß wurden, dass man sich verbrannte. Das Styling war großartig, Der Grill mit den Doppelscheinwerfern, die Dachlinie, der Heckspiegel mit den doppelten Rundleuchten. Ferrari hat sich da einiges abgeguckt in den Sechzigern (Smiley). Gefahren hat er sich gutmütig, eher nicht besonders sportlich. Bei höheren Geschwindigkeiten war er recht laut, Man hat aber auch immer gehört, ob es dem Motor noch gut ging. Erinnerungen…
Das erinnert mich an eine Anekdote die mir mein Cousin, stolzer Besitzer eines NSU TT (bekanntlich luftgekühlt) erzählte. Er wurde beim Mechaniker des Vertrauens vorstellig und begehrte ein Zusatzinstrument zur Öl-Temperaturanzeige nachzurüsten.
Dieser riet ab und meinte, das würde ihn nur beunruhigen.
Ein kleiner Traum der bürgerlichen bundesrepublikanischen Gesellschaft mit ihrem bescheidenen, etwas provinziellen Geschmack, einzureihen in die Statussymbole des damaligen Mittelstandes: Kellerbar, Digitaluhr, Grundig-Farbfernseher, das psychedelische Minikleid geschneidert nach Aenne Burdas Schnittmuster, der Manta vor dem Reihenhaus in der Vorstadt. Deutsche Biederkeit.
Wieviel cooler waren die Konkurrenten aus Frankreich oder Italien, das Peugeot 304 Coupé hätte ich heute ebenso gerne wie ein Fiat 124 Coupé, ein Lancia Beta Coupé.
Alles Fahrzeuge, die man sich damals wie heute gut vor dem Trianon in Versailles vorstellen konnte und kann, den Manta aber eben nur vor der Pension Deutsches Haus im Bayrischen Wald, einen Ford Capri übrigens genauso.
„Auch ein Design-Genuss ist so ein Manta B ja nicht wirklich“ Zugegeben, der A gefällt mir jetzt auch besser, aber man sollte sich die zeitgenössischen Mitbewerber mal so ansehen….da gab`s auch so Designentgleisungen.
Opel baute für den „kleinen Mann“ (auch Frau) ein Coupe, und den Sparfüchsen reichte auch der 55PS-Motor.
Ich finde den vorgestellten Manta nicht schlecht, ein Kind seiner Zeit halt…vielleicht eine Spur ehrlicher, leichter und zurückhaltender als diese Klötze, die man uns heute versucht anzudrehen. Und er ist „Unverbastelt“, das ist schon mal gut.
Wenn man Manta A und Manta B nebeneinanderstellt, dann ist das wirklich hart. Sah der Manta A noch aus wie ein Sportcoupe, war die Front des Manta B einfach nur seltsam. Komische, schiefe Scheinwerfer. Ein sehr merkwürdiger „Kühlergrill“. Ich glaube, ich war nicht der Einzige, den die Front des Manta B ziemlich ratlos machte. Der Ford Capri war da eine ganz andere Nummer. Kein Wunder, dass sich die Manta B als Youngtimer nicht rasend gut verkaufen. Der „Willhaben-Faktor“ geht bei diesem Auto gegen Null.
Kürzlich stand auf einem Hof in der Nachbarschaft ein Manta A, unverbastelt.
Ich war überrascht, wie klein, aber auch wie hübsch er doch ist.
Den Manta B mit 60 PS hatte der Nachbar meiner Oma,
Als ich mal mitfuhr und er zum Starten den Choke betätigte, fragte ich kindlich klugscheisserisch, ob der denn keine Startautomatik habe?
Darauf hin erhielt ich einen Vortrag, dass das Mist sei, mit dem Choke könne man „seinen Motor noch selbst beeinflussen“.
Immer wieder Capri beim Thema Manta.
Ich kenne keinen, der zwischen beiden geschwankt hätte, es gab ganz feste Blöcke.
Was den Capri teilweise auch in die Hände von Ärzten und weiteren trieb, die auch Mercedes oder BMW hätten fahren können, war der 6 Zylinder.
90 PS waren übrigens damals und bis tief in die 1990er durchaus eine sehr ordentliche Motorisierung. Das waren Tacho um die 180 und man war richtig schnell.
Diese Coupés waren für viele rechtschaffene und hart arbeitende Bürger die Erfüllung des Sportwagentraums. Und man konnte zu viert mit Campingausrüstung an die Adria fahren.
Viel zuverlässiger und weniger rostanfällig als die Franzosen und Italiener waren sie noch dazu.
Ich habe diese Zeit und das Glück und die Zufriedenheit über diese Autos erlebt und bedaure immer, wenn dies heute als Spießertum abgetan wird.
Gerne möchte ich da klar unterschieden haben zwischen bieder und spiessig…
Übersicht mit KI
Obwohl die Begriffe bieder und spießig oft als Synonyme verwendet werden, gibt es einen feinen Bedeutungsunterschied, insbesondere in ihren Konnotationen.
Bieder beschreibt ursprünglich etwas Ehrliches, Rechtschaffenes und Solides. In einer spöttischen, abwertenden Nebenbedeutung kann es jedoch auch allzu naiv, unoriginell oder angepasst meinen. Der Begriff hat oft einen Touch von Harmlosigkeit oder Altmodischsein.
Spießig hingegen ist fast ausschließlich ein abwertender Begriff. Er beschreibt Menschen, die an kleinlichen, engstirnigen Anschauungen festhalten, geistig unbeweglich sind und Neuerungen ablehnen. Spießigkeit impliziert eine gewisse Intoleranz und das Beharren auf Konventionen um ihrer selbst willen, oft verbunden mit einer gewissen Missgunst gegenüber allem, was anders ist.
Ich habe da auch nicht Sie angesprochen, sondern man liest das allenthalben, wenn es um diese Zeit und diese Autos geht.
Hugo Servatis!
Ist ja nett, wenn Sie stunden lang sitzen und den Aufsatz fertigen.
Und immer in die TRIGGER SACK GASSE rennen.
coppy Huston? ( leeren se wieder mal den broserverlauf ihres Handys
des Computers im netz und wenn se dett machen, denken se über einen
Netztkombuda nach der als Linux Distro total anonym startet etz..
sonnst kann es echt sein, das jemand, nat. nicht ich, ihre ganze Datenpracht, bis
in zu selbigen Finazabwicklungen (( BANK..etz)) weg ist und sie, werther Herr des
schönen Satzesm beraubt der Dinge, von selbiger Bank, die Arschkarte bekommen..)
Coppy? gut.
Nun zum Auto. Der Kübel war halt in meiner Jugend, und der wurde gekauft, gebraucht ( nicht von mir, mit 12 zu jung, hatte aber schon einige 1000 km auf dem
Porsche 912 vom Opa.. das vergessen wir..) und er diente.
Diese ÄRA war die gloreiche Zeit des EIGENHEIM BAUES.. die Leute konnten sich das
unter harter Entbehrung ( Vater hackelte 6 Tage und am Sonntag am Bau..danke
Papi..irged wo da oben) dan leisten und so war das Haus fertig..
Das Auto.. hier nach einem Ford Escort ein NISSAN dings oder ein OPel Kadett
oder Golf 2 hielt 20 oder 30 Jahre und tat was es sollte.
Und mehr nicht.
Leider hat das verschissene Marketing dieses und jedes Thema so versifft, das diese
Denkweise nun auch in Ihr Ansinnen zu texten, ins unter bewusste fuhr.
LIEBE VERSCHISSENE UNFÄHIGE AUTO INDUSTRIE
BAUTS WIEDER AUTOS DIE 20, 30 JAHRE HALETEN
maximal 11.900 Euro 50-70 kw
NULL digitaler NUTZLOSDRECK drinn
und gut ist es.
Und die Manger, diese unfähigen aalglatten nicht schwitzenden UNsymphatisschen
Arschlöcher verarbeits zu Hundefutter.
Die sind wertlos. lieblos und mit denen kann man sich nicht einmal den
Arsch ab wischen.
fertig.
der Opel war nur ein Auto.
2025 eine fette suv SAU nach der nächsten.
HÄSSLICH LAHM PEINLICH TOT
„Und die Manger, diese unfähigen aalglatten nicht schwitzenden UNsymphatisschen
Arschlöcher verarbeits zu Hundefutter.“
Das wäre Tierquälerei.
Was ist denn das für ein schlimmer Kommentar – inhaltlich und orthographisch?!
Der Manta B gehört zu den wenigen Beispielen, denen die Anpassung an den Zeitgeschmack in späteren Baujahren sichtlich gut getan hat. Ein Manta GS/E aus den späten 80ern mit viel lackiertem Kunststoff sieht wesentlich gewollter aus, als die frühen Exemplare mit Chromstoßstangen und geschlossenem Blechgesicht. Die hübschere, verkannte Karosserieversion ist sowieso der CC.
Vielen Dank für diesen radical ehrlichen Bericht. Trotz gesponserter Traumreise.
Man ist das nicht gewohnt.
Kindliche Ehrlichkeit passte nicht zum B – Manta.
Man hatte noch nicht gelernt Ent-Täuschung zu verstecken und zu bemänteln.
Dieser Kaiser hatte keine aufwändigen italienischen Maßkleider.
Er war vielleicht doch nur ein Versicherungskaufmann. Und trug von der Stange.
Geschickt geändert in Tante Trudes Nähstübchen, aber doch Stangenware.
Wehmütig verblasste der Mut des Aufbruchs von 68.
„Ich bin ein Energie-Sparer“. Da konnte auch der scharze Osborne – Torro nicht von der anderen Seite der Heckscheibe kontern.
Heinz und Gerda waren zuhause in Velours.
Und glücklich. Denn es war ein kleines bisschen Frieden.
naja, gesponsort ist anders. Es gab ein warmes Essen, das stimmt. sehr schöner Satz: Heinz und Gerda waren zuhause in Velours. Danke.
„Heinz und Gerda waren zuhause in Velours.
Und glücklich. Denn es war ein kleines bisschen Frieden.“
Ja, so war das.
Oben genannte Nachbarn meiner Oma hießen Willi und Herta.
Sie haben den zweiten Weltkrieg miterlebt, Willi hatte ein Hinken behalten, mussten aus Ostpreussen nach Bayern fliehen, wurden auf einen Bauernhof einquartiert. In den 1950ern beschloss die Gemeinde für die Flüchtlinge (meine Oma kam aus Schlesien) ein paar Wohnblocks ins Dorf zu stellen, damit sie sich nicht mehr wie Eindringlinge vorkamen.
Sie hatten ihren Sohn Jürgen „Jirjen“ groß gekriegt und saßen nun in Resopal, Velours und ein bisschen Eiche und waren froh über das kleine bisschen Frieden.
Und gönnten sich ihren Traumwagen, den 60 PS Manta B.
Eine schöne Beschreibung der liebenswürdig-uncoolen Naivität der Opels und Fords dieser Zeit, in der Tat war man stolz und glücklich, es war die Bonner Republik mit Schrankwänden von Möbel Kraft und Dolzer-Anzügen, mit Hühnerfrikassee und hautfarbenen Feinstrumpfhosen, des Jahresurlaubs als der „schönsten Zeit des Jahres“ und dem Feierabendbier.
Aber es war für auch eine unglaublich provinzielle Atmosphäre im Land, die Vorstellung, im Manta von Caroline von Monaco zu träumen, war schon eine ziemlich fürchterliche, wenn man mal in Paris, New York, Hong Kong oder London gewesen war, wenn man Otl Aichers „kritik am auto“ gelesen hatte, sich mit Joseph Beuys Erweitertem Kunstbegriff auseinandergesetzt hatte, die dringend notwendige Beschäftigung des damaligen Juste Milieus mit der Deutschen Vergangenheit forderte und sich den Sturm der Entrüstung anhören mußte, als Richard v. Weizsäcker den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung bezeichnete.
Und man muß sich klar machen, daß der Manta B bis 1988 gebaut wurde!
Damals gab es schon Autos, die bis heute eine Modernität haben, von der der Manta meilenweit entfernt war:
BMW 5er E34, Porsche 964, Audi V8, VW Corrado, BMW 7er E32, BMW Z1.
Und, ja, in der Rückschau ist so ein Opel Manta ein liebes, harmloses Auto mit Kunstlederdach, Velourspolstern und Plastikholz.
Aber eigentlich war er ein ziemlich furchtbares Auto, er war kein Symbol von Aufbruch, gutem Design, ingenieuser Qualität oder wie auch immer gearteter Internationalität oder Modernität, wie sie die Französischen und Italienischen Mitbewerber hatten, und sogar einige Fahrzeuge von den Britischen Inseln.
Ich jedenfalls sehe mich eher im MGB GT durch Chelsea fahren, ein Peugeot 304 Coupé vor der Brasserie Lipp einparken, im Lancia Beta Coupé am Comer See entlang fahren als im Opel Manta über den Ruhrschnellweg in die Gruga-Hallen zu fahren und die dortige Camping-Messe zu besuchen…
Nun, es ist ziemlich normal, dass am Ende einer 18-jährigen Laufzeit (Manta A und B waren technisch recht ähnlich) die Technik nicht mehr aktuell ist. Der fast zeitgleich und genauso lang gebaute R107 war am Ende auch nicht mehr up to date, trotz wesentlich stärkerer Anpassungen an den jeweiligen Stand. War ja auch in einer anderen Liga.
Ansonsten, lieber Hugo, schöner Aufsatz, aber Thema verfehlt. 😉
Diese Autos wurden nicht von jenen gefahren, die Häuser planten oder Wohnblöcke finanzierten, sondern von denen, die sie mit ihren türkischen und italienischen Kollegen bauten, als Büroangestellte arbeiten oder bei der Post verbeamtet waren.
Ihr privilegierter Blick von der ledernen Rückbank eines W111 oder XJ passt da nicht so recht. Die Besitzer träumten nicht davon, vor dem Grand Hotel am Lago Maggiore oder am Lago die Como vorzufahren, sie waren zufrieden in der Rhön, im Bayerischen Wald, an der Adria und an der spanischen Mittelmeerküste im 3- oder 4 Sterne Hotel, auf dem Campingplatz oder in einer Pension, dem Deutschen Haus oder so.
Zufriedener und vielleicht glücklicher als heute, wo ständig nur nach oben gesehen wird, häufig neidisch und jeden Tag eine neue Sensation her muss, notfalls mit gefaktem Selfie.
Die Franzosen und Italiener waren in der Mittelschicht gar nicht so anders gestrickt und Peugeot 204/304/404/504 wie Fiat 124/128/130/132 (letzterer von Gandini) waren nicht weniger bieder (der Begriff ist ja jetzt geklärt) als die Opel und Ford bei uns.
Die DS und deren Nachfolger waren beinahe „Ausrutscher“ und nicht wirklich die Autos der breiten Masse.
Renault war auch nur beim R16 ein wenig pfiffiger.
Englische Autos dieser Klasse kamen kaum vor und waren vom Ruf her noch schlechter. Und dass ein Auto nicht ansprang oder bei starkem Regen auch mal mit feuchter Zündung liegenblieb war normaler als heute, bei nicht deutschen Produkten aber halt häufiger zu beobachten damals. Vom Rost gar nicht zu reden.
Lieber Rolf, Ihre Sicht verstehe ich ja, auch wenn Ihre charmante Stichelei nur bedingt zutreffend ist…
Denn:
In diesem Fall ist es nicht der Blick von der ledernen Rückbank eines feinen Sechszylinders, sondern der von der kunstledernen Rückbank des besagten Peugeot 304 Coupés meiner Mutter, der zwar von einem braven Vierzylindermotörchen angetrieben wurde und in der Tat irgendwann trotz guter Pflege und beheizter Garage den Rosttod starb, aber eine hinreißende Pininfarina-Karosserie hatte, dazu eine große Heckklappe und einen veritablen Kofferraum und häufiger auf dem Supermarkt als vor dem Vier Jahreszeiten geparkt wurde!
Und:
Ich verbinde den Manta weniger mit der hart arbeitenden damaligen SPD-Klientel als mit den „Would-Be‘s“ im Pinneberger Tennisclub, dem zweiten Ehemann einer entfernteren Tante von mir, Typ Heiratsschwindler mit halblangen Haaren, Koteletten, Schnauzbart und Glattlederblouson, nach dem Manta kaufte sie ihm einen Pontiac Firebird Trans Am und eine goldene Digitaluhr und man machte Urlaub auf Rhodos…
Nein:
Die Leute, die Sie beschreiben, die fuhren eher einen Ascona oder einen Taunus oder einen Passat, Manta und Capri waren schon etwas halbseidener, mein Tanzlehrer hatte einen Capri.
Da haben sie mir nun etwas voraus. Einen halbseidenen Tanzlehrer kann ich nicht bieten.
Sie irren, Capri und Manta wurden von den gleichen Leuten gefahren wie Consul, Taunus oder Rekord und Ascona. Da war, aufgrund der hohen Stückzahlen, so gut wie jede Klientel dabei, aber die meisten waren halt Normalos, denen einfach das Coupé besser gefiel. Auch etliche Rentner übrigens. Ja, und meine Eltern, die glaube ich, nicht halbseiden waren.
Den wunderbaren XJ habe ich beim „fahrenden Volk“ des öfteren vor Tabbert oder Weipert gespannt gesehen. Und, gern von Arden „verschönerte“, auch von sehr offensichtlich halbseidenen Fahrern bewegt. Das gibt es bei jedem Auto, die Halbseidenen brauchen ja auch einen Wagen ……
„…… Typ Heiratsschwindler mit halblangen Haaren, Koteletten, Schnauzbart und Glattlederblouson …..“
Die Pilotenbrille haben sie vergessen.
Googeln sie mal Peter Wyngarde alias Jason King.
So wollten halt alle Männer aussehen damals.
(Er fuhr übrigens Jensen und Bentley S2 Conti, 911, Alfa Veloce und ……. Capri im Film).
>>Hmmh, Snobismus ist leider keine Tugend, lieber etwas verklärt auf die Vergangenheit sehen, frei nach Ernst Grandits („Wir Österreicher schauen gern mal positiv in die Vergangenheit.“)<<
s.nob. = sine nobilitate. Das heißt ja nun nichts anderes als: Nicht von Adel.
Und das ist für einen Hanseaten ja eine Auszeichnung, wir nehmen ja keine Titel und keine Orden an und sind stolze Bürgerliche.
Insofern bin ich gerne eine Snob, in ästhetischer, in intellektueller und in kulinarischer Hinsicht, ich pflege es nur nicht nach Außen zu tragen.
Also, als Conclusio dieser Diskussion bleibt: We agree to disagree!
>>Den wunderbaren XJ habe ich beim „fahrenden Volk“ des öfteren vor Tabbert oder Weipert gespannt gesehen. Und, gern von Arden „verschönerte“, auch von sehr offensichtlich halbseidenen Fahrern bewegt. Das gibt es bei jedem Auto, die Halbseidenen brauchen ja auch einen Wagen ……<<
Vor den Riesenwohnwagen des "fahrenden Volks" sehe ich in meiner Erinnerung immer sehr große Mercedesse, gerne 6,3 und 6,9 und mehrfach sogar einen 600er.
Die Jaguare waren den Leuten damal wohl zu unzuverlässig, was ja auch durchaus den Tatsachen entsprach.
Der beste Freund meines Vaters fuhr einen weißen Mercedes 6,9 mit Radkappen, ein ganz furchtbarer Wagen, er fuhr ihn weit über 800.000 km, häufiger ging mal eine Radkappe verloren und dann sah der Wagen besonders schlimm aus, mein Vater bat seinen Freund immer augenzwinkernd, das Auto doch bitte nicht auf unserer Auffahrt zu parken, was sollen denn die Nachbarn denken…
Und ja, die Arden-Jaguare waren wirklich von erlesener Scheußlichkeit, ganz schlimm war das Exemplar einer Hamburger Kiezgröße, ein weißer XJ12 mit Bodykit, vier Auspüffen, mattschwarzen Chromteilen und Riesenrädern, auch die XJS-Umbauten waren furchtbar!
Das waren – da haben Sie Recht – wirklich ziemlich arg halbseidene Leute, die sich mit diesen Autos schmückten, dagegen waren die Manta-Fahrer sehr seriös.
Und trotz Ihres etwas nostalgisch verklärtem Blick auf diese Autos, den ich durchaus nachvollziehen kann, die Biederkeit der Opels, Fords, Volkswagen 411/412/Passats hatte für mich immer etwas furchtbares, ich war halt schon in Kindheit und früher Jugend ein schrecklicher Snob, daran war mein Vater vermutlich nicht ganz unschuldig…
Hmmh, Snobismus ist leider keine Tugend, lieber etwas verklärt auf die Vergangenheit sehen, frei nach Ernst Grandits („Wir Österreicher schauen gern mal positiv in die Vergangenheit.“)
„Insofern bin ich gerne eine Snob, in ästhetischer, in intellektueller und in kulinarischer Hinsicht, ich pflege es nur nicht nach Außen zu tragen.“
:-))
Bezüglich der Scheinwerfer muss aber auch gesagt werden, dass es damals sehr modern war, diese „Glasbausteine“ an die Autos zu schrauben. Selbst die Alfetta bekam im Jahr 1977/78 statt der Rundscheinwerfer die eckigen Dinger in die Front geschraubt. Und auch BMW baute dann irgendwann später viereckige Scheiben vor die „Kulleraugen“. Also war der Manta B auch „modisch“, zu seiner Zeit.
Das Velour und das „Plastikholz“ war halt auch so eine Zeiterscheinung. Heute sagen wir spiessig oder bieder. Damals war es modern oder schick (stylisch gabs damals noch nicht)
Als mein Vater 1979, als neuen Firmenwagen, einen werksfrischen Opel Senator 3.0i in CD Ausführung bekam, war der außen bordeauxrot-metallic lackiert, mit goldenem Zierstreifen. Achtung, jetzt kommts, und innen bordeauxrot Velour und, klar, Plastikholzverkleidungen… Damals, nach 280/8 mit schwarzem Hartplastik und schwarzem MB-Tex war das schon was anderes, irgenwie so amerikanisch-plüschig (haben wir uns halt so vergestellt). Das Velour war im Winter angenehm, im Sommer gabs in dem Opel schon Klimaanlage, also auch angenehm. Im /8 Schiebedach mit an das MB-Tex hinschwitzen. 😉
Der Opel hatte genau wie der Benz 180PS, glaube ich, und Automatik (Opel Mittelschaltung, Benz Lenkradschaltung). Die GM-Automatik schaltete aber weicher und irgendwie war der Opel gefühlt das modernere Auto. Die Innenaustattung bemängelte damals keiner. Und ja, 70er Jahre, auch die Farbkombi, bordeauxrot außen und innen, schwarzes Plastik und Plastikholz fanden damals alle schick. Nur die geklebten und bald abfallenden silbernen Zierleisten (auch Plastik) fand niemand so toll. Hätte man weglassen können!
Der Senator war ein schöner, bequemer Reisewagen, mit dem 3.0 Liter-Motor souverän unterwegs und ein zuverlässiges Auto. Mein Vater fuhr die Autos immer bis etwa 170 000km und dann wurden die verkauft. Die Nachbesitzer bekamen immer ein Werkstattgepflegtes ( weil Firmenwagen) und gut eingefahrenes Auto 😉
Langer Rede hin und her. Ich finde den Opel Manta B, so wie er hier vorgestellt wurde, einfach gut.
Ich wundere mich oft, warum wir heute irrwitzige Leistungen und Beschleunigungen brauchen. Wie oft fährt vor einem auf der Landstraße so ein PS-Monster hinter einem LKW her und überholt nicht, obwohl ja Leistung in Hülle und Fülle vorhanden ist. Oft muss man dann aus zweiter Reihe überholen, denn der Vordermann würde dem LKW noch Stunden hinterher fahren. Auch die Beschleunigung 0 auf 100 ist doch in der täglichen Fahrpraxis vollkommen uninteressant. Wichtiger wäre eine gute Elastizität im fließenden Verkehr.
Ich kenne ein paar Leute, die haben bei Ihren PS-Monstern noch nie das Gaspedal bis zum Bodenblech durchgedrückt, geschweige denn, dass sie die Höchstgeschwindigkeit gefahren sind (Ist vielleicht besser so). Beim 90 PS-Manta drückst das Pedal vermutlich immer bis Anschlag und die kanpp 180 km/h benötigen Anlauf. Aber mit 130 „schnurrt“ er vermutlich gut auf der Autobahn dahin. Und das reicht doch für ein fast 50 Jahre altes Auto. Und nebenbei, viel schneller fahren wir heute auch nicht, dank vieler LKW und Geschwindigkeitsregelanlagen….
Nun kauften sich meine Mutter und mein damaliger Stiefvater 1971 einen der letzten Capri I vor dem Facelift. 2000 GT XL, braunmetallic (welches goldmetallic hieß, wohl weil goldene Partikel in der Sonne glänzten) mit Vinyldach und eben 90 PS.
Der Wagen war angegeben mit 168 km/h und lief Tacho 185.
Wir wohnten damals bei Neu-Ulm und pendelten am Wochenende häufig nach Oberbayern. Zu Zeiten des Sonntagsfahrverbotes fuhren wir am Montag sehr früh los, damit ich um 8 Uhr in Neu-Ulm pünktlich in der Schule saß. LKW-Verkehr gab es noch kaum und man konnte fast die gesamte Strecke Vollgas fahren und mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit die Käfer überholen.
Nun weiß ich nicht, wie sich heute ein 40 Jahre alter Manta fährt, aber ich besaß Anfang der 80er einen Manta Light, also einen Ascona B 2.0N mit 90 PS. Der lief Tacho 180 und diese erreichte er sehr flott. Ab 60 konnte man den 4. Gang drin lassen, der Durchzug war toll. Auch bei hohen Geschwindigkeiten hatte er wenig Windgeräusche und man konnte auch ihn Vollgas fahren. Leider verbrauchte dieses Modell mit dem Registervergaser 16 Liter bei schwerem Gasfuß, weshalb ich ihn relativ schnell wieder abgab. Noch heute erinnere ich mich sehr positiv an die Verarbeitung. Die Tür klatschte fast wie bei einem Mercedes ins Schloß und er war innen nicht so plüschig wie der gezeigte Manta. Zwar Velours, aber kurzflorig und strukturiert. Und schwarz.
Ford Fahrer lachten sich tot, weil Manta und Ascona beim Beschleunigen das Heck anhoben.
Ein kürzlich als Leihwagen gefahrener Renault Captur, voriges Modell, mit 90 PS erstaunte mich nicht schlecht. Er war im heutigen Verkehrsgewühl keinesfalls untermotorisiert und die 150 erreichte er schnell genug. Darüber wurde es sehr zäh.