Richtungswechsel
David Green sieht nicht aus wie der typische Computernerd. Bei unserem ersten Treffen Ende der 10er Jahre wirkte er zwar schüchtern, sprach auch leise. Doch es wurde schnell klar: Dieser Mann hat eine Vision. Oder wie er es selber ausdrückte: «Creating something bigger than just a car». Green war damals Chief Technology Officer bei einer Marke, die in Europa noch niemand kannte: Lynk & Co. Gegründet 2016, eine der vielen Töchter von Geely.

Das erste Modell der Marke, der 01, kam 2020 als technischer Zwilling des Volvo XC40 (mit etwas mehr Radstand) nach Europa, es gab ihn als Hybrid (180 PS) oder als Plug-in-Hybrid (262 PS Systemleistung). Es gab ihn nur schwarz oder blau, die Felgen konnte man noch wählen, ansonsten war da Vollausstattung. Weil man weniger wählen konnte, war die Logistik deutlich einfacher. Deshalb konnte Lynk & Co. das Fahrzeug auch zu einem günstigeren Preis als die Konzernschwester anbieten. Aber eben, verkaufen wollen die Chinesen eigentlich gar nicht, sondern so nebenbei die Welt ein bisschen besser machen. Green sah das Problem so: Die meisten Automobile sind Stehzeuge, sie stehen zu mindestens 95 Prozent der Zeit unbenutzt rum. Lynk & Co. machte sich nun auf, das zu ändern: Der 01 sollte von anderen Menschen genutzt werden können, wenn er vom Besitzer/Mieter gerade nicht gebraucht wurde. Dafür gab es ein sehr einfach zu bedienendes Tool auf dem Smartphone. Man wählte sich ein, schaute, ob ein Fahrzeug frei sei, mietete es zu einem bestimmten Preis, brachte es wieder zurück. Kaufen konnte man den 01 damals für rund 35’000 Euro – oder eben mieten für 500 Euro im Monat, alles inbegriffen (ausser die Kraftstoffe). Und wer sein Fahrzeug fleissig anderen zur Verfügung stellte, der konnte sogar Geld verdienen.

Es funktionierte. In manchen Ländern überstieg die Nachfrage das Angebot. Nur: Pünktlich zum Markteintritt von Lynk & Co. brach die Covid-Pandemie aus, wahrlich kein Glücksfall für ein Geschäftsmodell mit Carsharing. Und so wurde es in Europa schnell wieder ruhig, bevor es überhaupt richtig laut werden konnte. In China dagegen ging es unbeirrt weiter: 2021 verkaufte Lynk & Co. dort weit über 200’000 Fahrzeuge. Dann brach der Markt ein – und die Geely-Tochter musste sich neu erfinden. Und vollzog einen kompletten Richtungswechsel, wurde zu einem ganz klassischen Autohersteller, schaffte 2025 einen neuen Verkaufsrekord: 350’495 Exemplare konnten in einem schwierigen Marktumfeld abgesetzt werden, fast 23 Prozent mehr als im Vorjahr. Für den chinesischen Markt bietet Lynk & Co. unterdessen allerdings auch ein fast volles Sortiment an, 10 verschiedene Modelle.
In der Schweiz startet mit Lynk & Co. mit drei Modellen. Da ist zuerst der 01, ein 4,51 Meter langer Plug-in-Hybrid, der auf dem Volvo XC40 basiert, wie schon erwähnt seit 2016 auf dem Markt ist, kürzlich aber ein grosses Facelift erhielt. Dann kommt der 02, in China als Z20 bezeichnet, ein reiner und hübscher Stromer mit 445 Kilometern Reichweite, der auf der gleichen Plattform wie der Volvo EX30 steht. Und dann ist da noch der 08, ein mit 4,82 Metern Länge doch ziemlich mächtiges SUV, nochmals ein Plug-in-Hybrid, aber mit einer grossen Batterie, die eine rein elektrische Reichweite von bis zu 200 Kilometern ermöglichen soll; er steht auf der gleichen Plattform wie der Volvo XC60, hat dank dem grossen Akku aber die wohl grösste Reichweite aller aktuellen PHEV (zumindest ausserhalb von China).




In der Schweiz ist Lynk & Co. seit Ende 2025. Derzeit wird die Organisation aufgebaut – unter dem gleichen Dach, unter dem auch Volvo zuhause ist, auch mit dem gleichen Geschäftsführer. Man kann davon ausgehen, dass einige gestandene Volvo-Händler auch den Vertrieb und Service von Lynk & Co. übernehmen werden, auch wenn der Onlineverkauf sicher stärker forciert wird als bei der schwedischen Schwester. Ob das Modell mit der all-inclusive-Miete sowie dem «Verleih» der Fahrzeuge auch angewandt wird, ist wohl noch nicht ganz klar; da gibt es in der Schweiz ein paar rechtliche Probleme, auch sind Versicherung und Service deutlich teurer als in anderen europäischen Ländern. Und dann ist da noch ein weiteres Problem: Mit Polestar gibt es da noch eine schwedisch/chinesische Geely-Tochter, die sich in Zukunft in der Schweiz ebenfalls mehr an Volvo anlehnen wird. Von Zeekr, einer weiteren Geely-Tochter, schreiben wir später.

David Green ist übrigens immer noch an Bord bei Lynk & Co., mittlerweile ganz weit oben in der Führungsetage. Dort tüftelt er weiterhin an neuen Strategien; KI ist ihm da auf jeden Fall eine grosse Hilfe. Ob er seine Vision von «creating something bigger than just a car» noch umsetzen kann – wer weiss das schon?
Es ist dies eine Story aus unserer Print-Ausgabe radical#6. Mehr gute Geschichten haben wir im Archiv.


An der Strategie von Herrn Green habe ich so leichte Zweifel.
Sie hatten ein sehr schönes Flaghipstore,/Cafe zentral am Hackeschen Markt, wo die Autos aber ganz weit hinten versteckt waren. Den meisten ist gar nicht aufgefallen warum da hinten ein Auto steht. Das wurde jetzt überstürzt geschlossen ohne mal zu versuchen die Auto in den Mittelpunkt zu stellen.
Jetzt kooperiert man miteinzelnen alteingesessen Händlern die eine ganze Plethora an Marken im Angebot haben, und nicht die von Geely. Und alle jwd sind.
Wenn sie in China gut verkaufen, wissen sie doch anscheinend wie es geht.
ZUerst mal einen Designer holen!
Die Dinger sehen aus, wie wenn ein Hund verscheiden Stadien
der Erleichterung in die Hunde-wiese gezaubert hätte.
grotten hässlich
Im Land der Blinden ist der Einäugige König.
Hand aufs Herz – wer liefert wirklich großartiges Design ab?
Beispiel neuer Dreier: eigentlich gut aber was soll dieses komische schwarz glänzende Stoßstangenersatz Gekröse?